Wikifolio: Investieren mit den Top-Tradern

Die Social-Trading-Plattform Wikifolio kündigte am Donnerstag ihren Schweizer Markteintritt an. Wie funktioniert Social Trading? Welche Vorteile haben Anleger? Wikifolio-CEO Andreas Kern gibt im cash-Interview Auskunft.
19.03.2015 12:15
Interview: Daniel Hügli
Andreas Kern, Gründer und CEO Wikifolio.
Andreas Kern, Gründer und CEO Wikifolio.
Bild: ZVG

cash: Herr Kern, Wikifolio verbindet 'modernes Portfolio-Management' mit den Prinzipien Sozialer Netzwerke. Was versteht man darunter?

Andreas Kern: Social Trading basiert auf dem Grundsatz, dass private Trader und professionelle Vermögensverwalter ihre Anlagestrategien im Internet veröffentlichen. Dabei ist für Wikifolio.com die Transparenz des wikifolios, das heisst der veröffentlichten Handelsstrategie, oberstes Gebot. Alle Aktien im Portfolio, alle Trades, alle Gebühren und Kommentare der Trader werden transparent und in Echtzeit für alle Interessenten auf der Plattform dargestellt. Und Anleger können in Form von Wikifolio-Zertifikaten in diese Anlagestrategien investieren.

Wikifolio wurde 2012 in Wien gegründet. Wie kamen Sie auf diese Idee?

Die Idee zu wikifolio.com entstand 2008. Damals wollte mir meine Hausbank ein Finanzprodukt verkaufen, als ich aber nachrechnete, wie rentabel das besagte Produkt sein wird, fiel mir auf, dass es im Zeitraum der letzten 70 Jahre nur Gebühren verursacht und praktisch null Rendite abgeworfen hätte. Das hat mich verärgert, und ich habe mir überlegt, wie das perfekte Finanzprodukt in Zeiten von Social Media aussehen sollte. Das Prinzip ist einfach: Trader setzen ihre Handelsideen in Musterportfolios, sogenannten Wikifolios um. Wenn ein Wikifolio Anklang in der Community findet, also mindestens zehn potenzielle Anleger, die gemeinsam zumindest 2500 Euro investieren würden, und wenn es eine redaktionelle Prüfung besteht, kann es investierbar werden. Auf seine Wertentwicklung wird ein Index als Basis für das wikifolio-Zertifikat berechnet.

Wer kann bei Wikifolio mitmachen?

Wir sind eine offene Plattform, im Prinzip kann jeder mitmachen. Die Einstiegsbarrieren sind denkbar gering, Wikifolio-Zertifikate sind ab etwa 100 Euro erhältlich. Die hohe Transparenz sowie unterschiedliche Ranglisten, welche Faktoren wie Rendite, Risiko aber auch Verhalten der Community berücksichtigen, ermöglichen es, die besten Trader für das eigene Depot zu finden. Wer seine eigene Handelsstrategie als Wikifolio umsetzen möchte, kann bei uns ein Wikifolio eröffnen und dann transaktionskostenfrei traden. 

Welche Altersgruppen benutzen Wikifolio?

Wir sehen eine Streuung über nahezu alle Altersgruppen. Die grösste Gruppe der Nutzer ist zwischen 30 und 39 Jahre alt. Wurde einmal investiert, wird auch regelmässig nachgesehen, wie sich die Handelsideen entwickeln, oder welche Neuigkeiten Trader in ihren Kommentaren veröffentlichen.
                
Wie viele investierbare Wikifolios gibt es mittlerweile?

Mittlerweile gibt es insgesamt 2400 investierbare Wikifolios. 350 sind bereits in der Schweiz zum Vertrieb zugelassen.

Was ist der wesentliche Unterschied zwischen einem Anlagefonds oder ETF, also Exchange Traded Funds, und einem Wikifolio?

Ein ETF ist ein sehr statisches Produkt, das beispielsweise nur einen Marktindex nachbildet, während in Wikifolios oft auch sehr aktiv gehandelt wird, um kurzfristig Chancen zu nutzen oder Risiken zu beschränken. Man kann also sagen, dass die beiden Produkte komplementär sein können. Zum Beispiel könnte man mit ETF auf unterschiedliche Länder und Branchen kostengünstig streuen und mit Wikifolio-Zertifikaten eine aktive Komponente beimischen. Die Praxis zeigt auch, dass im besonderen grosse Anlagefonds meist ähnlich passiv sind wie ETF, ohne jedoch deren günstige Gebührenstruktur zu haben.

Können Sie ein Beispiel eines typischen und beliebten Wikifolio erläutern?

Mit über 8000 publizierten Wikifolios ist die Auswahl mittlerweile sehr gross. Das Wikifolio UMBRELLA zum Beispiel wird von einem Molekularbiologen sehr erfolgreich geführt und fokussiert auf Pharmawerte und High Tech Aktien weltweit. Wir haben auch sehr viele Trader aus dem Bankenumfeld, die teilweise sehr technisch orientiertes Trading betreiben. Konservativere Anleger finden auch Wikifolios von Vermögensverwaltern, zum Beispiel Top Global Brands vom renommierten Verwalter Albrech und Cie.

Wie kann man die Wikifolios kaufen und verkaufen?

Wikifolio-Zertifikate können derzeit bei allen Banken und Online-Brokern gekauft werden, die bei der Börse Stuttgart und im Direkthandel bei Lang & Schwarz in Düsseldorf angebunden sind. Dies kann über das bestehende Wertpapier-Depot laufen. Sie geben dazu die ISIN, also die International Security Identification Number, des gewünschten Zertifikats in die Suchfunktion eines bestehenden Depots ein und führen die entsprechende Order aus.

Wie findet der Anleger das Wikifolio, das ihm am besten zusagt?

Auf Wikifolio.com gibt es eine Suchfunktion mit sehr umfangreichen Filtern, mit denen die Auswahl der Wikifolios eingeschränkt werden kann. Interessenten können die Wikifolios bis ins letzte Detail beobachten. Das funktioniert, wie bei anderen Geldanlagen auch, über Charts und die wichtigsten Kennzahlen. Zusätzlich haben Nutzer Einblick in die Beschreibung der Handelsidee des Traders, sehen das aktuelle Depot und alle Käufe und Verkäufe im Wikifolio seit Erstellung in Echtzeit. Über die Kommentarfunktion können die Trader den Nutzern zudem mitteilen, warum sie einen bestimmten Wert zu einem bestimmten Zeitpunkt gekauft oder verkauft haben.

Wie sicher ist das Geld der Anleger?

Wikifolio.com und auch die wikifolio-Trader erhalten kein Geld der Anleger. Wenn man ein wikifolio-Zertifikat bei der Bank des Vertrauens erwirbt, so kauft die Bank dieses Indexzertifikat über die Börse Stuttgart (Euwax) oder direkt bei Lang & Schwarz.  Durch die Handelbarkeit der Wikifolio-Zertifikate an einer öffentlich-rechtlichen Börse kann man sich auf eine ordnungsgemässe Abwicklung der Geschäfte in diesen Produkten verlassen.

Wie hoch sind die Kosten für Anleger? Gibt es Performancegebühren?

Wenn Anleger in ein Wikifolio-Zertifikat investieren, fallen eine Zertifikategebühr und eine Performancegebühr an. Genau gesagt, sind das eine jährliche Zertifikate-Gebühr von 0,95 Prozent und eine Performancegebühr zwischen fünf und 30 Prozent der Performance.  Beide Gebührenelemente sind jedoch bereits im Wikifolio-Zertifikatskurs berücksichtigt. Man erhält also exakt die gleiche Rendite, wie für das jeweilige Wikifolio angezeigt wird, ohne versteckte Kosten oder nachträgliche Abzüge. Bei Umschichtungen in den Wikifolios fallen keine weiteren Kosten an.

Sie sind in Deutschland und Österreich aktiv und treten nun in den Markt Schweiz ein. Haben Sie weitere Expansionspläne?

Ja, bei den nächsten Expansionsschritten werden wir uns auf die Zertifikate-Märkte in Europa konzentrieren, aber auch Länder darüber hinaus sondieren.

Andreas Kern ist Gründer und CEO von Wikifoilio.com. Vor seiner Tätigkeit bei der Social-Trading-Plattform war er über zehn Jahre in der Finanz- und Paymentbranche tätig. Kern studierte Mathematik und Computerwissenschaften und hat einen Master of Science für Innovationsmanagement an der JK Business School. Kern ist ausgebildeter Börsehändler für Termin- und Kassamarkt.

cash ist in der Schweiz Wikifolio-Kooperationspartner.