Willi Miesch - Medartis-CEO: «Wir hatten bereits zahlreiche Übernahme-Angebote»

Das Basler Medtech-Unternehmen Medartis ist seit März an der Schweizer Börse kotiert. Im cash-Interview äussert sich CEO Willi Miesch zu Wachstumsplänen und zu Übernahmeofferten, welche die Firma immer abgelehnt hat.
28.09.2018 11:10
Interview: Pascal Züger
Willi Miesch führt als CEO seit 1998 das operative Geschäft von Medartis. Er ist zudem Verwaltungsratsmitglied.
Willi Miesch führt als CEO seit 1998 das operative Geschäft von Medartis. Er ist zudem Verwaltungsratsmitglied.
Bild: ZVG

cash: Herr Miesch, Medartis ging am 23. März 2018 an die Schweizer Börse SIX. Häufig hört man, dass eine Börsenkotierung mit einem enormen administrativen Aufwand verbunden ist. Was sind Ihre Erfahrungen?

Willi Miesch: Medartis hat ein kleines Team, welches den Grossteil des mit der Börsenkotierung verbundenen Aufwandes erledigt. Dadurch sind unsere Kosten leicht höher als davor. Aber letzten Endes war der mit dem Börsengang verbundene Aufwand weniger dramatisch als uns zuvor alle weismachen wollten. Für mich als CEO hat sich nicht viel verändert.

Medartis ist auf Implantate für die Kiefer- und Gesichtschirurgie spezialisiert sowie auf Implantate für Arme und Beine. Für das Gesamtjahr 2018 wollen Sie beim Umsatz in Lokalwährungen im «oberen Zehnprozentbereich» zulegen. Sind Sie da vielleicht etwas gar vorsichtig mit diesem Ziel?

Nach der erfolgten Kotierung an der Börse ist die Formulierung von Zielsetzungen für uns neu. Wenn wir von einem Wachstum im oberen Zehnprozentbereich reden, meinen wir Werte von rund 18 oder 19 Prozent. Natürlich wünschte ich mir, dass wir 20 oder mehr Prozent zulegen können. Aber auch 18 oder 19 Prozent Wachstum wäre natürlich eine tolle Zahl.

Aber im ersten Halbjahr wuchs Medartis 21 Prozent in Lokalwährungen. Wieso ist das erwartete Wachstum in der zweiten Halbjahreshälfte geringer?

Die Akquisition und Integration unseres Distributors in Brasilien, Extera, hat sich im ersten Halbjahr positiv auf den Umsatz ausgewirkt. In der zweiten Jahreshälfte wird der Effekt der Umstellung von tieferem Distributorenumsatz auf Direktumsatz dann nicht mehr so gross sein. Ausserdem hat es bei der Geschäftsentwicklung immer auch Faktoren drin, die wir nicht beeinflussen können. In unserem Fall ist das etwa das Wetter. Gute Winter wirken sich positiv auf unseren Umsatz aus.

Wie viele Jahre kann das hohe Wachstum von Medartis noch anhalten?

Wir denken, dass wir die nächsten Jahre in einem ähnlichen Rahmen wachsen können. Immer vorausgesetzt natürlich, es geschieht nichts Unvorhersehbares. Aber wir investieren derzeit viel in den Ausbau des Aussendienstes, deshalb ist auch die EBITDA-Marge etwas tiefer geworden. Was wir heute investieren, dürfte erst in den Jahren 2019 oder 2020 in Form höherer Erträge zurückkommen.

Sie sind hauptsächlich in Europa aktiv. Wann wird Medartis in Asien endlich richtig Fuss fassen?

Wir sind in einigen Märkten wie Japan und Korea bereits erfolgreich vertreten. Asien ist ein riesiger Markt und dort werden wir ganz klar weiterwachsen. In Japan starten wir neu im Bereich 'Lower Extremities' mit einer eigenen Tochtergesellschaft Ende dieses Jahres. In China bereiten wir den Markteintritt vor. Es  wird künftig sicher auch noch ein paar Produkt-Adaptionen geben müssen.

Und wie steht es um Amerika?

Südamerika ist währungstechnisch derzeit zwar schwierig, aber es wird ein ganz interessanter Markt werden. Das Niveau der Chirurgen ist sehr hoch. Und die möchten genau die High-End-Produkte, die wir herstellen. Unser Hauptfokus in den nächsten Jahren wird aber das Wachstum in den USA sein.

Können Sie ihre Ziele in den USA etwas genauer ausführen?

In den USA sind wir schon länger tätig, wir generieren dort heute einen Umsatz von rund 20 Millionen Franken im Jahr. Das ist nicht wenig, aber im Verhältnis zur Marktgrösse muss das US-Geschäft natürlich weiter stark zulegen. Unser Ziel ist es, dass wir in den USA in Zukunft stärker als in Europa wachsen. Damit uns das gelingt, werden wir in den USA viel investieren, zum Beispiel in den Ausbau und die Weiterbildung des Aussendienstes.

Sie wachsen ziemlich stark, sind aber noch immer eine eher kleinere Firma. Da dürften Sie ein interessantes Übernahmeziel sein?

Wir hatten bereits zahlreiche Übernahme-Angebote, aber das war für uns nie ein Thema. Auch vor dem Börsengang nicht. Wir entschieden uns bewusst für den IPO, um die Mittel für mehr Wachstum zu generieren. Derzeit wäre eine Übernahme mit dem geringen 'Free Float' unserer Aktie im Übrigen auch gar nicht möglich.

Ihre künftigen Wachstumspläne scheinen im Aktienkurs schon eingepreist zu sein. Die Aktie hat derzeit gemäss Schätzungen diverser Analysten ein Kurs-Gewinn-Verhältnis 2018 von ungefähr 100. Das ist sehr teuer. Hand aufs Herz: Würden Sie bei diesen Preisen noch Medartis-Aktien kaufen?

Wir glauben an das Unternehmen und sehen ein hohes Wachstumspotential über die nächsten Jahre. Aber es ist nicht an uns, die Marktbewertung zu kommentieren.  Wir konzentrieren uns darauf, dass wir bei Medartis einfach erfolgreich unseren Job machen. 

Das Interview mit Willi Miesch wurde am Rande der Small- und Midcap-Konferenz Investora 2018 in Zürich geführt.