«Wir gehen an die Grenze der Belastbarkeit»

Im Gotthard-Basistunnel arbeiten die Bahntechniker auf Hochtouren. Noch warten einige Herausforderungen, sagt Geschäftsführer Roland Herlig im Video-Interview. cash war vor Ort und zeigt Impressionen aus dem Tunnel.
29.05.2013 06:43
Von Pascal Meisser
Roland Herlig, Geschäftsführer der Alpiq Burkhalter Technik, im cash-Video-Interview.
Bild: cash

Bis zum Bauende des Gotthard-Basistunnels in drei Jahren müssen die Arbeiter des Gemeinschaftsunternehmens Alpiq Burkhalter Technik (ABAG) 3200 Kilometer Kupferkabel eingezogen und 10'000 Notfalllampen montiert haben. Dazu kommt der Einbau von 2200 Elektroschränken und 250 Trafostationen sowie die Montage von 118 Kilometern Handläufen - und das alles bei warmen, feuchten und dunklen Arbeitsbedingungen in der monotonen Betonröhre.

Die grösste Herausforderung aber ist die Elektrifizierung des Tunnels. "Wir haben im Gotthard sehr lange Leitungen und müssen deshalb grosse Mengen Strom in den Tunnel bringen. Das ist einmalig, und wir müssen an die Grenze der Belastbarkeit gehen", sagt Roland Herlig, Geschäftsführer der ABAG, im cash-Video-Interview.

Schweissarbeiten hier, Kabelverbindungen dort

Derweil wird überall emsig gearbeitet, wie ein Augenschein von cash vor Ort im Tunnel zeigt: Die einen arbeiten auf Hebebühnen direkt unter der Tunneldecke, andere sind am Rande der Geleise mit Schweissarbeiten beschäftigt. In den Querstollen, welche alle 300 Meter die beiden Röhren verbinden, werden auf kleinstem Raum Kabel eingezogen.

Beim Jahrhundertprojekt am Gotthard, mit 57 Kilometern längster Eisenbahntunnel der Welt, haben die Bahntechniker das Zepter übernommen. Die Mineure, die während gut neun Jahren mit grossen Bohrmaschinen und Dynamit den Weg unter dem Alpenmassiv für die zwei parallel laufenden Röhren freilegten, haben ihren Platz geräumt.

Arbeiter aus Ungarn und Polen

Rund 700 Arbeiter werden derzeit jeden Tag vom Übernachtungsquartier bei Erstfeld in den Tunnel gebracht, wo die Arbeiten auf Hochtouren laufen. Alleine 250 von ihnen sind im Auftrag der ABAG in der Röhre unterwegs, viele davon sind Ausländer. "Der Arbeitsmarkt in der Schweiz ist ausgetrocknet", sagt Herlig. Deshalb musste er von Anfang an Personal in Ländern wie Deutschland, Ungarn und Polen rekrutieren.

Sie sind es, die auf der Nordseite, wo die Geleise bereits komplett verlegt sind, die hochgezogenen Fahrleitungen verbinden und Stromanschlüsse vorbereiten. Zu diesem Zweck befindet sich in jedem der Quersstollen Stromkästen, die dank ihrer Mehrfachversorgung die Stromverfügbarkeit im Tunnel jederzeit sicher stellen.

Dem Zeitplan «eher etwas voraus»

Aus Sicht von Herlig laufen die Bahntechnik-Arbeiten nach Plan. "Wir sind vom Zeitplan her eher etwas voraus. Es sollte deshalb keine grösseren Probleme geben, die Arbeiten fristgerecht auf den Sommer 2016 abzuschliessen und den Tunnel den SBB zu übergeben", sagt Herlig. Ab Dezember 2016 soll der neue Gotthardtunnel definitiv in Betrieb genommen werden.

Ab kommenden Dezember laufen die ersten Testfahrten mit Tempo 200 in der Weströhre zwischen dem Südportal und Faido. Diese unter Normalbedingungen durchgeführten Fahrten werden bereits von der neuen Betriebsleitzentrale in Pollegio aus gesteuert. Spätestens dann wird sich zeigen, ob die Installationen der ABAG den Praxistest bestehen.

Im Video-Interview äussert sich Herlig ausserdem zu seinem persönlichen Eindruck, Teil eines Jahrhundertprojekts zu sein. Und er sagt, was den Gotthardtunnel gegenüber dem Lötschberg-Durchstich anspruchsvoller macht.