«Wir kommen in volatilere Aufwärtsmärkte»

Asoka Wöhrmann, co-Anlagechef der Vermögensverwaltung der Deutschen Bank, äussert sich im cash-Interview zur Zentralbankenpolitik, zum weiteren Verlauf der Börsen und zu Inflationsgefahren.
13.06.2013 06:51
Interview: Daniel Hügli, Frankfurt
Asoka Wöhrmann, co-Anlagechef Deutsche Asset & Wealth Management, stammt ursprünglich aus Sri Lanka.
Bild: cash

cash: Herr Wöhrmann, trotz der derzeitigen Korrektur an den Aktienmärkten haben Sie eine positive Sicht für die weitere Börsenentwicklung. Warum?

Asoka Wöhrmann: Wir sind seit September 2011 positiv, was die Aktienmärkte betrifft. Wir prophezeiten in der jüngsten Vergangenheit auch neue Höchststände, die alle eingetreten sind. Die ersten Dreijahrestender der Europäischen Zentralbank 2011 waren für und Anlass dazu, positiv zu werden für die Risikomärkte. Wir haben an den Börsen durchaus eine phantastische Phase hinter uns. Wir hatten niedrige Schwankungen in den Märkten, dazu eine starke Performance in den Risikomärkten aufgrund der Unterstützung durch die Zentralbanken. Wir glauben nun eher an volatilere Aufwärtsmärkte.

Das heisst, es geht bis Ende des Jahres mehr auf und ab.

Ja, man muss mehr Volatilität in Kauf nehmen. Dennoch sehen wir neue Hochs in den Risikomärkten. Das fundamentale Umfeld wird sich positiv verändern. Die Unterstützung der Zentralbanken wird nicht wegfallen, wie derzeit viele Marktteilnehmer ängstlich glauben. Aber die Unterstützung der Zentralbanken wird sich nicht in derselben Dimension wie bis anhin fortsetzen. Das ist auch richtig so. Wenn man aus der Krise kommt, darf man sich nicht mehr so grosse Hilfen der Zentralbanken erhoffen.

Sie denken also, dass die US-Zentralbank ihre ultra-lockere Geldpolitik im Herbst nicht zurückfahren wird?

Wir glauben, dass die Fed die Nullzinspolitik bis 2015 verfolgen wird. Allerdings hat sich die Rhetorik beim unkonventionellen Teil der Geldpolitik verändert. Am 19. Juni werden wir wohl neue Hinweise erhalten, wie die Fed weiter voranschreitet. Ich persönlich mache mir aber nicht allzu grosse Sorgen wegen einer möglichen Umkehr der Fed-Politik. Die USA entwickeln sich makroökonomisch sehr gut, aber es ist nicht alles 'in Butter'.

Sie prognostizierten vor einem Monat gegenüber einer Nachrichtenagentur einen Stand des deutschen Dax von 9200 Punkten zum Jahresende (Stand jetzt: 8120). Gilt die Aussage noch immer?

Ja. Aber das war auf Sicht von zwölf Monaten gemeint. Aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung könnten die exportgetriebenen Unternehmen sehr gute Ergebnisse liefern. Wenn wir nicht totale Verwerfungen in Europa haben und wenn die Zentralbanken keinen kalten Ausstieg aus der momentanen Geldpolitik planen, dann könnte unsere Richtung sehr gut aufgehen.

Neben den negativen Realzinsen, welche die Nullzinspolitik kreiert und welche den Sparern schadet, sind auch Inflationsgefahren mögliche Folgen der Geldpolitik. Wie gross sind die Gefahren?

Inflation ist für mich seit Jahren kein Thema. Und auch über die nächsten zwei bis drei Jahren müssen wir uns deswegen keine Sorgen machen. Denn die ökonomischen Verhältnisse in der westlichen Welt sind immer noch relativ schwach. Auch die Entwicklung der Öl- oder Nahrungsmittelpreise deuten nicht auf Inflation hin. Strategisch müssen wir aber über Inflation reden, und man muss sich die Frage stellen: Wie kriegt man die Liquidität, die man ins System hineingepumpt hat, wieder zurück? Das wird sehr schwierig. Aus dieser Sicht ist ein Inflationspotenzial langfristig vorhanden.

Anleger, die nicht in Aktien investieren wollen: Wie sollen sie ihr Geld in diesem Nullzinsumfeld investieren?

Wenn Sie keinen eminenten Liquiditätsbedarf haben in den nächsten zwei bis drei Jahren, dann kann man sich Pfandbriefe in Europa anschauen. Alles, was die Inflationsrate schlägt, ist interessant. Dennoch müssen Anleger ein gewisses Risiko eingehen, beispielsweise gegenüber Anleihen wie die 'Eidgenossen' oder die 'Bunds'.

Und Gold?

Gold erlebte eine jahrelange Hausse, die durch verschiedene Geschichten gespiesen wurde: Inflation, Deflation, Zusammenbruch des Dollars oder die Euro-Diskussion. Gold ist ein psychologisches Asset, man verliebt sich in Gold. Leider hat es keinen Coupon und ist daher teuer. Das Timing beim Gold kriegt man sowieso nie gut hin.

Also kein Gold?

Doch, Gold kann man im Portfolio haben, wenn Argumente der lockeren Geldpolitik der Zentralbanken eine Rolle spielen. Aber man sollte es in kleinen Mengen halten. Ich glaube, ein Dollarpreis von 1300 Dollar pro Feinunze ist ein interessanter Bereich.

Im Video-Interview äussert sich Asoka Wöhrmann über den Ausbruch der Finanzkrise vor fünf Jahren

Asoka Wöhrmann ist seit letztem Jahr co-Anlagechef der neu geschaffenen Konzernsparte Asset and Wealth Management der Deutschen Bank. Zuvor war er Anlagechef der Fondssparte DWS der Bank. Wöhrmann, der in Sri Lanka geboren wurde und im Alter von 12 Jahren von deutschen Eltern adoptiert wurde, studierte Volkswirtschaft.