Wird Ascom verkauft? - Jeannine Pilloud: «Wir schauen alle Möglichkeiten an»

Die Zukunft des Kommunikationsspezialisten Ascom liegt irgendwo zwischen Turnaround und Verkauf. Unmittelbar will Konzernchefin Jeannine Pilloud aber beim Marketing ansetzen, wie sie im Interview sagt.
14.08.2019 14:46
Von Marc Forster
Jeannine Pilloud führt Ascom als Präsidentin und CEO im Doppelmandat.
Bild: cash

Ascom rüstet Spitäler mit Kommunikationssystemen aus und ist mit seinen Produkten nach eigener Aussage Weltspitze. Das Unternehmen betonte bei der Präsentation der Halbjahreszahlen erneut, es gebe keinen vergleichbaren Anbieter am Markt. Am Aktienkurs kann man diesen Claim allerdings zurzeit nicht ablesen: Seit Anfang Jahr ist der Kurs um 24 Prozent zurückgegangen. Die Halbjahreszahlen selbst sind ernüchternd: Umsatz und Marge sind zurückgegangen (Resultate im Detail hier).

Vom Langzeithöchst bei 25,80 Franken im Januar 2018 ist der Aktienkurs von Ascom weit entfernt. Eine Gewinnwarnung Anfang August liess den Kurs von 12,50 auf zeitweise unter 10 Franken fallen. Ob Ascom nun eine Aktie zum Einstieg ist, hängt davon ab, ob das Management das Unternehmen in den nächsten Monaten auf Effizienz trimmen kann.

Der Kurs der Ascom-Aktie in den vergangenen 24 Monaten (Grafik: cash.ch).

Im cash-Video-Interview gibt Konzernchefin Jeannine Pilloud zu, dass Ascom Probleme beim Vertrieb habe. Die Aktionäre hätten zu Recht hohe Erwartungen, vor allem bezüglich der Vermarktung der Produkte: "Da muss Ascom ansetzen und noch deutlich stärker werden."

Pilloud, die unter anderem als frühere Chefin des SBB-Personenverkehrs eine schweizweit bekannte Managerin ist, wurde im April Ascom-Präsidentin. Seit dem unerwarteten Rücktritt von CEO Holger Cordes vor weniger als zwei Wochen leitet sie auch das Management. Pilloud will Ascom wieder nach vorne bringen, indem nicht mehr in jedem Markt einzeln agiert wird. Ascom erwirtschaftet rund 70 Prozent des Umsatzes mit europäischen Ländergesellschaften, ist aber auch in Nord- und Südamerika, Asien, Afrika und Australien tätig.

Als kurzfristige Initiative will Ascom auch die Dienstleistungen und die Betreuung der Kunden auf ein höheres Level bringen. Wie die Ascom-Führung vor Journalisten sagte, müssen auch die Kosten gesenkt werden. Dazu soll die nach eigener Aussage komplexe Struktur des Unternehmens vereinfacht werden. Der einstige Grosskonzern Ascom, Lieferant der PTT und des Militärs, ist als Folge jahrelanger Transformationsprozesse auf das Geschäftsfeld Spitalausrüstung reduziert worden. 

Skepsis herrscht bei Analysten vor

Analysten äusseren sich derzeit vorsichtig, ob Ascom die Pferdestärken künftig besser auf die Strasse bekommen kann. "Verschiedene Massnahmen zur Senkung der Kostenbasis und Verschlankung des Konzerns wurden bereits ergriffen, müssen ihre Wirksamkeit aber erst noch unter Beweis stellen", schreibt die Bank Vontobel in einem Kommentar. Bei der Zürcher Kantonalbank heisst es: "Kurzfristig positive Trigger erwarten wir vorerst nicht. Operativ ist Ascom noch nicht aus dem Tal der Tränen."

Anleger könnten allerdings auch darauf setzen, dass Ascom in absehbarer Zeit zu einem Preis über dem aktuellen Kurs von 10.30 Franken verkauft wird. Bei Ascom spricht man offen über diese Möglichkeit: "Es ist an uns, jeden Stein umzudrehen und zu schauen, wo wir nicht nur Partnerschaften eingehen können, sondern weitere Möglichkeiten bestehen", sagt Pilloud. Der Verwaltungsrat schaue alle möglichen Lösungen an.

Im cash-Video-Interview nimmt Jeannine Pilloud auch Stellung zur Kritik von Aktionären. Der Grossaktionär Veraison und weitere Anteilseigner haben sich zu einer Gruppe zusammengeschlossen, die 15,9 Prozent an Ascom hält. Von dieser Seite ist das Ascom-Managment kürzlich stark kritisiert worden. 

 

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