Wirtschaftswunder Deutschland: Von wegen!

Der deutschen Wirtschaft wird über die nächsten Jahre ein starkes Wachstum nachgesagt. Ausgerechnet ein französisches Bankinstitut stellt das Wirtschaftswunder Deutschland nun in Frage.
21.11.2013 08:31
Von Lorenz Burkhalter
Deutschland feiert sich selber. Doch ist das Wirtschaftswunder wirklich eines?

Während Frankreich mit aller Kraft gegen ein erneutes Abrutschen in die Rezession kämpft, brummt in Deutschland die Wirtschaft. Es ist nur allzu verständlich, dass das Wirtschaftswunder Deutschland Neid weckt.

In einer Strategiestudie will die französische Investmentbank Natixis allerdings nicht so recht an diese Story glauben. Der Studienverfasser hält die Wachstumserwartungen an das Nachbarland für zu optimistisch.

Deutschland muss in Zukunft mit massivem Gegenwind rechnen

Die Konsensschätzungen gehen für die Eurozone für 2014 derzeit von einem Wachstum des Bruttoinlandprodukts von 0,9 Prozent aus. Im darauf folgenden Jahr soll sich das Wachstum dann auf 1,3 Prozent beschleunigen. Für Deutschland wird hingegen ein Wachstum von 1,7 und 1,8 Prozent erwartet.

Der Stratege von Natixis befürchtet, dass Deutschland diese Wachstumsprognosen verfehlen könnte. Nicht zuletzt weil die Bevölkerung der führenden Wirtschaftsnation Europas rascher altere als die anderer europäischer Länder.

Mit Gegenwind rechnet der Experte auch bei den Exporten. Die sich abzeichnende Stagnation des Welthandels werde Deutschland treffen. Und da die expansive Geldpolitik führender Zentralbanken vor allem dem Dienstleistungssektor und nicht der Industrie helfe, werde sich daran so schnell nichts ändern.

Vermehrt Konkurrenz

Deutsche Exportunternehmen erhielten vermehrt Konkurrenz aus anderen Ländern. In Spanien seien beispielsweise die Herstellkosten tiefer als in Deutschland. Und dank stark rückläufigen Gaspreisen verfüge die USA über eine in Zukunft bessere Ausgangslage als Deutschland. Nicht zuletzt, weil man dort auf vergleichsweise teure alternative Energiequellen setze.

Gleichzeitig hätten deutsche Unternehmen zunehmend ein Kostenproblem. Denn in der jüngeren Vergangenheit seien die Reallöhne in Deutschland stärker als die Arbeitsproduktivität gestiegen. Der Beitrag der Unternehmensgewinne nach Steuern, Zinsen und Dividenden am Bruttoinlandprodukt sei seit Ende 2010 rückläufig.

Möglicherweise gerade deshalb habe der Privatkonsum über die letzten Jahre bestenfalls um jährlich ein Prozent zugenommen. Ein weiterer Grund hierfür sieht der Stratege auch in der Demographie Deutschlands.

Mit den bankeigenen Wachstumsprognosen bleibt Natixis neuerdings deutlich hinter jenen anderer Bankinstitute zurück.