Wo «Buy and Hold» Sinn macht

Wer bei Aktieninvestments Sitzleder beweist, wird in der Regel belohnt. Dennoch eignen sich nicht alle Aktien für ein langfristiges Engagement. cash trifft eine Auswahl.
25.09.2014 01:05
Von Ivo Ruch
Novartis hat durch seinen defensiven Charakter Platz in einem langfristigen Portfolio.
Novartis hat durch seinen defensiven Charakter Platz in einem langfristigen Portfolio.
Bild: Bloomberg

Die Zahlen sprechen für sich: Im November 1989 fiel die Berliner Mauer und der noch junge Swiss Market Index stand bei 1707 Punkten – heute sind es gut 8780 Zähler. Wer sein Geld vor 25 Jahren im SMI anlegte, kann somit auf eine Rendite von rund 420 Prozent zurückblicken. Obwohl dazwischen eine Zeit mit mehreren wirtschaftlichen Krisen liegt.

Auch der amerikanische S&P 500 hat sich im letzten Vierteljahrhundert um 490 Prozent gesteigert. Daten der Charles Schwab Company zeigen zudem, dass es beim S&P 500 zwischen 1926 und 2011 keine einzige 20-Jahre-Periode gab, die unter dem Strich verlustreich war.

Wertpapiere über eine derart lange Zeitspanne anlegen und nicht verkaufen - das nennt man auch "Buy and Hold". Die Grundidee dabei: Aktien werden nach fundamentalen Kriterien analysiert und nach dem Kauf für Jahre im Portfolio gelassen. Dabei wird auf die Versuchung verzichtet, mit kurzfristigem Trading einen Zusatzertrag zu erwirtschaften. Der berühmteste Vertreter dieser Strategie ist Investorenlegende Warren Buffett. Eines seiner wichtigsten Credos lautet: Kaufe nur Aktien, die du zehn Jahre zu halten bereit bist.

Was bringt die Zukunft?

Doch gerade in jüngster Zeit wurde "Buy and Hold" immer wieder totgesagt. Kein Wunder: Im Zuge der Finanzkrise haben sich die Depots vieler Privatanleger beinahe halbiert. Wer aber auch in dieser Krisenzeit Sitzleder bewies, wurde erneut belohnt: Die Börsen haben sich erholt und sind auf neue Rekordstände geklettert.

Langfrist-Investments von zehn Jahren oder mehr sind also keineswegs tot. Gerade für junge Leute bietet sich ein Portfolio mit einem zukunftsorientierten Anlagehorizont an - nicht zuletzt als Altersvorsorge.

Bei der Auswahl von Titeln nennt Eric Steinhauser, Anlagechef der Privatbank Rahn & Bodmer, zwei Hauptpunkte. Erstens sollte man auf Geschäftsmodelle setzen, die nachhaltigen und beständigen Charakter haben. "Also Firmen, die von menschlichen Bedürfnissen profitieren, die auch in Zukunft noch bestehen", so Steinhauser.

Das sind beispielsweise Unternehmen aus der Landwirtschafts- oder der Nahrungsmittelindustrie wie Syngenta oder Nestlé: Der Saatguthersteller Syngenta konnte seinen Börsenwert in den letzten zehn Jahren um 300 Prozent steigern, Nestlé ist um 150 Prozent gewachsen.

Dividende ist nicht gleich Dividende

Kommt hinzu, dass diese Titel eine attraktive Dividendenrendite von 3 Prozent bieten. Womit der zweite Tipp von Steinhauser zum Tragen kommt: "Das Unternehmen sollte in der Lage sein, einen hohen freien Cashflow zu generieren, der eine konstante Dividendenpolitik ermöglicht, ohne dass damit die Bilanz ausgehöhlt wird." Mit einer hohen Dividendenrendite von 4 Prozent ist diesbezüglich auch die Swisscom-Aktie zu nennen. Wegen seiner impliziten Staatsgarantie wird der Titel auch "Obligationen-Aktie" genannt.

Eine hohe Dividendenrendite alleine macht aber wenig Sinn. Genauso wichtig wie die Höhe der Ausschüttung ist ihre historische Konstanz. Internationale Musterschüler sind diesbezüglich Coca-Cola, McDonald's oder Colgate-Palmolive.

In einem Schweizer "Buy and Hold"-Portfolio dürfen auch die beiden Pharma-Schwergewichte Roche und Novartis nicht fehlen. Neben einer soliden Dividende widerstehen die Basler dank ihres defensiven Charakters auch wirtschaftlich turbulenten Zeiten. Weitere Aktien, welche die Dauerläufer-Eigenschaften mitbringen, sind: Ems Chemie, Geberit, Kühne + Nagel oder Lindt & Sprüngli.

"Kaufen und vergessen"?

"Kaufen und halten" heisst aber trotz allem nicht "kaufen und vergessen". Ein langfristiges Investment braucht nicht nur eine sorgfältige Auswahl, sondern auch eine regelmässige kritische Überprüfung. Handeln ist dann angebracht, wenn sich Unternehmen oder Industrien grundlegend verändern oder eine neue Führungsmannschaft installieren. Denn auch sogenannte Urgesteine können in kurzer Zeit von der Bildfläche verschwinden. Denn wer hätte schon gedacht, dass es das SMI-Gründungsmitglied Swissair dereinst nicht mehr gibt?

Anlegern, die sich noch mehr Passivität wünschen, empfiehlt Andreas Homberger von Hinder Asset Management einen Exchange Traded Fund (ETF) auf den SMI oder einen Obligationen-ETF, wie sie iShares anbietet. Dabei werden nicht nur Bonds mit AAA berücksichtigt, sondern die ganze Bandbreite des Investment-Grade abgedeckt.