«Wollen die teuerste Aktie im Markt sein»

Weshalb Lindt & Sprüngli keinen Aktiensplit plant, erklärt CEO und VR-Präsident Ernst Tanner im Video-Interview mit cash. Ausserdem sagt er, warum vor allem im zweiten Halbjahr 2016 das Wachstum anziehen wird.
08.03.2016 16:02
Von Pascal Züger
Lindt & Sprüngli-Chef Ernst Tanner im Interview mit cash.
Bild: cash

(Hinweis: Das Video mit Ernst Tanner ist derzeit auf mobilen Endgeräten nicht abspielbar)

68'745 Franken – so viel muss ein Investor aktuell hinblättern, wenn er sich eine einzige Namenaktie von Lindt & Sprüngli leisten will. Damit hat Lindt die mit Abstand schwerste Aktie der Schweiz – und wird auch im weltweiten Vergleich nur von wegen anderen Titeln überboten.

Bei einem solch hohen Preis stellt sich zwangsläufig die Frage nach einem Aktiensplit. Dies würde den Nennwert heruntersetzen und die Anzahl Aktien vergrössern. Ein solcher Split wirkt sich meist kursbegünstigend aus, da die Aktien durch die Stückelung erschwinglicher werden und so leichter gehandelt werden können.

Doch bei Lindt ist dies offenbar kein Thema. "Wir wollen die teuerste Aktie im Markt sein", sagt Ernst Tanner im Video-Interview mit cash. Dies habe den grossen Vorteil, dass die Aktie in aller Munde sei. Über Aktien mit einem Wert von einigen hundert oder tausend Franken würde hingegen kaum gesprochen. "Wir sind ein Premiumprodukt-Unternehmen und wollen auch an der Börse einen Premium-Preis haben."

Die Namenaktie von Lindt, die letztes Jahr 30 Prozent zugelegt hatte und auf einen Rekordstand von 76'000 Franken gestiegen war, fällt am Dienstag an der SIX in einem allgemein negativen Markt um 1,1 Prozent. Die Partizipationsscheine geben 0,5 Prozent nach.

Wachstums-Verlangsamung soll sich 2016 nicht fortsetzen

2015 kam es im üblicherweise umsatzstärkeren zweiten Halbjahr zu einer signifikanten Abkühlung des organischen Wachstums auf 7,1 Prozent nach 9,4 Prozent im ersten Halbjahr. Das soll sich 2016 nicht wiederholen.

Tanner zeigt sich für das laufende Geschäftsjahr zuversichtlich und sieht das Wachstum bei 6 bis 8 Prozent. Wobei die Verkäufe im ersten Halbjahr eher am unteren Ende der Bandreite, in der zweiten Hälfte dann in der oberen liegen würden.

Weshalb die grössere Zuversicht für die zweite Jahreshälfte? Tanner begründet dies damit, dass im Jahr 2017 die Daten für Valentinstag und Ostern günstiger gelegen seien als in diesem Jahr, was einen positiven Einfluss auf das zweite Semester haben soll – denn dann erfolgt die Produktion für das Folgejahr.

An der Pressekonferenz am Dienstagmorgen in Kilchberg ZH erläuterte Tanner etwas genauer, was er mit den günstiger gelegenen Daten im Jahr 2017 meint: In diesem Jahr ist der Valentinstag am Sonntag, da seien vor allem Nachtessen als Geschenke hoch im Kurs. 2017 wird Valentinstag hingegen an einem Dienstag gefeiert – was Partner viel eher dazu veranlasse, Lindt-Schokolade zu kaufen, so Tanner.

Im cash-Video-Interview sagt Ernst Tanner ausserdem, ob Zukäufe geplant sind, weshalb die Dividendenrendite im Vergleich zu anderen Aktien eher tief ist und was er von Aktien-Verkäufen von Management-Mitgliedern hält.