Worauf Obligationen-Anleger achten müssen

Trotz Tiefzinsphase gehören Obligationen 2014 zu den besten Anlageklassen. Bond-Spezialist Stephen Cohen sagt im cash-Video-Interview, wo in den nächsten Monaten Chancen und Risiken lauern.
08.04.2014 14:09
Von Pascal Meisser
Obligationen-Experte Stephen Cohen im cash-Video-Interview.
Bild: cash

Aktien top, Obligationen flop – das war letztes Jahr. Seit Januar setzen Anleger wieder vermehrt auf Bonds, obwohl das Umfeld für diese Anlageklasse auch 2014 nicht einfacher geworden ist. "Während Jahren hatte die konsistente Liquiditätspolitik der globalen Notenbanken die Kurse angetrieben", sagt Stephen Cohen im cash-Video-Interview.

Das habe sich nun aber deutlich geändert, so der Investment-Chefstratege von Blackrock Fixed Income. "Während die US-Notenbank ihr Gelddruckprogramm zurückfährt, wird bei der Europäischen Zentralbank noch immer über eine weitere Zinssenkung spekuliert". Diese Regimeänderung hat laut Cohen Auswirkungen auf Investoren, die einen Teil ihres Vermögens in Obligationen investieren.

Kurzläufer bleiben gefragter

"Wer auf Bonds setzt, muss künftig agiler und flexibler agieren", sagt Cohen. Er meint damit, dass Anleger vermehrt auf so genannte Kurzläufer – also Bonds, die noch eine Restlaufzeit von maximal vier Jahren aufweisen – setzen sollten. Langläufer, die noch mehr als acht Jahre vom Verfall entfernt sind, empfiehlt Cohen wegen des Zinsänderungsrisikos zu meiden.

Cohen sieht bei Obligationen noch Möglichkeiten auf Kursgewinne. In Europa setzt er vor allem auf Staatsanleihen von Portugal und Slowenien. "Wir erwarten in Slowenien eine Verbesserung der Kapitalisierung im Bankensektor", so der Blackrock-Experte.

Wieder deutliche Zuflüsse in Obligationenfonds

Die wachsende Beliebtheit von Obligationen im laufenden Jahr zeigt sich auch anhand von statistischen Daten. So gehörten Bonds im ersten Quartal 2014 zu den besten Anlageklassen weltweit. Mit einem Plus von 2 Prozent liessen sie den Aktiensektor, der unverändert blieb, hinter sich. Auch Fonds-Statistiken zeigen einen deutlich gestiegenen Zuwachs bei Obligationen-Produkten.

Gemäss Zahlen von Swiss Fund Data flossen den Schweizer Obligationenfonds im Februar mit 1,5 Milliarden Franken so viel Neugeld zu wie seit Mai 2013 nicht mehr – als die Fed erstmals ein mögliches Tapering angekündigt hatte. Im vergangenen Herbst waren noch markante Geldabflüsse aus Fixed-Income-Produkten verzeichnet worden.

Blackrock sieht zwei Hauptgründe für die Outperformance der Anlageklasse Obligationen. Erstens blieb das sich beschleunigende Wirtschaftswachstum unter den Erwartungen der Experten, und zweitens blieb die Inflation niedrig, was generell ein gutes Marktumfeld für Obligationen darstellt.

Fonds oder ETF?

Auch wenn die Marktbeobachter für die kommenden Monate wieder Aktien gegenüber Obligationen bevorzugen, empfiehlt Cohen Anlegern, in ihren Portfolios eine Ankerposition an festverzinslichen Anlagen zu halten – wegen des schwierigen und wenig transparenten Bonds-Markts entweder über Obligationenfonds oder über die erst seit kurzem handelbaren börsenkotierten Obligationen-Indexfonds (ETF).

Für die kostengünstigere ETF-Lösung spricht der aktuelle Trend zu flexibleren Bond-Portfolios. "ETF bieten eine einfache Möglichkeit zur Diversifizierung", sagt Cohen. Bereits der Bereich der Unternehmensanleihen böten tausende von Möglichkeiten. "Da wäre es aufwändig für Investoren, selber den Überblick zu behalten."

Allerdings klappt gerade bei Obligationen die für ETF klassische Nachbildung von Indizes nicht immer so einfach wie bei Aktien. Zahlreiche Bond-ETF setzen auf fiktive Anleihen und werden deshalb künstlich nachgebildet – was wiederum mit höheren Risiken für den Anleger verbunden ist.

Im Video-Interview nennt Cohen weitere interessante Anlagemöglichkeiten bei Obligationen.