Zehn provokante Anlagethesen für 2014

Die Saxo Bank hat ihre alljährlichen «Outrageous Predictions» für 2014 publiziert. Das Institut will mit den provokativen Thesen aufrütteln - und landet hin und wieder einen Volltreffer.
17.12.2013 00:03
Bricht der französische Leitindex 2014 um 40 Prozent ein?

In disem Jahr gelang der Saxo Bank sogar zwei Treffer ins Schwarze. So orakelte die Bank vor einem Jahr, dass der Goldpreis innerhalb dieses Jahres auf 1200 Dollar fallen könnte. Was Anfang 2013 noch als kaum denkbar galt, ist inzwischen eingetroffen. Und auch die Ansage, dass sich die Renditen 30-jähriger US-Staatsanleihen verdoppeln könnte, traf dank dem Zinssprung im Mai ein.

Die diesjährigen Prognosen reichen von der Einführung einer EU-weiten Vermögensteuer über die Ausbuchung aller Staatstitel durch die Bank of Japan und der Blase der "Fat Five" des Tech-Sektors bis hin zum Preissturz bei Brent-Preis infolge einer Ölschwemme. Eine weitere provokante These besagt, dass den USA zu Jahresbeginn deflationäre Stagnation droht, während Deutschland unter Umständen seinen Platz als Europas Konjunkturlokomotive räumen muss und in eine Rezession zurückfällt. 

"Diese Prognosen sind durchaus nicht als Unkenrufe zu verstehen. Es geht vielmehr um kritische Ereignisse, die einen Wandel anstossen könnten", sagt Steen Jakobsen, Chefökonom der Saxo Bank. Wohlstand und Einkommen seien weltweit nach wie vor völlig ungleich verteilt, insofern könnten untragbare Missverhältnisse tatsächlich zu grundlegendem Wandel führen. "2014 könnte das Jahr sein, in dem dies nicht nur Notwendigkeit ist, sondern Realität wird", so Jakobsen.
 

Die zehn provokanten Thesen im Überblick:

1.  EU-weite Einführung von Vermögensteuer läutet Rückkehr zu einer Wirtschaft im Sowjetstil ein
Deflation und mangelndes Wachstum versetzen die EU-Kommission in Panik. Sie verfällt daher auf die Idee, eine Vermögensteuer für Ersparnisse von über 100'000 Euro beziehungsweise Dollar einzuführen. Dies geschieht vorgeblich, um Ungleichheit abzubauen und ausreichende Mittel für einen "Krisenpuffer" zu beschaffen. Das wäre der letzte Schritt in Richtung eines totalitären europäischen Staates und der Tiefpunkt für individuelle und Vermögensrechte. Das hiesse: Assets wie Immobilien kaufen und Finanzanlagen verkaufen.

2.  Anti-europäische Allianz wird stärkste Fraktion im Europäischen Parlament
Aus den Wahlen zum Europaparlament im Mai geht eine transnationale anti-europäische Allianz als stärkste Kraft und grösste Fraktion im EU-Parlament hervor. Das neu gewählte Europaparlament kürt einen EU-skeptischen Präsidenten. Zugleich gelingt es den europäischen Staats- und Regierungschefs nicht, sich auf einen Präsidenten der Europäischen Kommission zu einigen. Damit verfällt Europa wieder in politisches und wirtschaftliches Chaos.

3.  Die "Fat Five" des Technologiesektors erwachen 2014 mit einem üblen Kater
Während die Aktien des amerikanischen IT-Sektors derzeit um rund 15 Prozent unter der aktuellen Bewertung des S&P 500 notieren, wird eine Handvoll von Technologieaktien mit einem massiven Aufschlag von gegen 700 Prozent über der Marktbewertung gehandelt. Diese "Fat Five" – Amazon, Netflix, Twitter, Pandora Media und Yelp – stellen sozusagen eine neue Blase innerhalb der alten Blase dar. Zu verdanken ist das dem Run von Anlegern auf seltene Wachstumstitel im Nachgang zur Finanzkrise.

4. Nachdem der Dollar auf unter 80 Yen fällt, bucht Bank of Japan Staatstitel aus
2014 erlahmt der globale Aufschwung. Die Kurse riskanter Assets purzeln, und Investoren sehen sich gezwungen, Yen zu kaufen. In der Folge fällt der USD/JPY-Wechselkurs unter 80. Daher greift die Bank of Japan zu einer verzweifelten Massnahme und bucht ihre gesamten Staatstitelbestände aus ihrer Bilanz aus. Das ist ein ebenso simpler, wie unerprobter buchhalterischer Trick, der dem Land nervenaufreibende Ungewissheit und ein potenzielles Desaster mit ungeahnten Nebenwirkungen beschert.

5.  US-Deflation: Bald auch in Ihrer Nähe!
Zwar mögen einige Indikatoren darauf hindeuten, dass die US-Wirtschaft sich erholt hat, doch der Häusermarkt bleibt schwach und die Löhne stagnieren. Für Januar steht im Kongress der zweite Akt der Tragikomödie "Wie man die US-Wirtschaft am besten sabotiert" auf dem Programm. Die Leidtragenden sind Investitionen, Beschäftigung und Zuversicht der Verbraucher. Im Ergebnis würde die Inflation sinken, und Deflation stände wieder ganz oben auf der Tagesordnung des FOMC.

6.  Quantitative Lockerung erfasst sogar Hypothekenanleihen
Durch die quantitative Lockerung in den USA sind die Zinskosten gesunken und die Preise für riskante Assets in die Höhe geschnellt. Dadurch ist der trügerische Eindruck entstanden, die Wirtschaft erhole sich. Es gibt immer noch massive Probleme, vor allem am Häusermarkt, der künstlich gestützt wird. Daher wird der FOMC die dritte Runde seiner quantitativen Lockerung 2014 auf den Hypothekenanleihemarkt ausweiten. Anstatt mit dem Tapering zu beginnen, wird die Fed ihr nunmehr völlig auf Mortgage Bonds ausgerichtetes Ankaufprogramm auf ein Volumen von über 100 Milliarden US-Dollar pro Monat hochschrauben.

7.  Brent-Rohölpreis fällt infolge von Ölschwemme auf 80 Dollar/Barrel
Durch die zunehmende Ölförderung mit neuen Methoden und dem wachsenden Fördervolumen Saudi-Arabiens entsteht ein Überangebot am Markt. Erstmals seit vielen Jahren bauen Hedgefonds umfassende Short-Positionen auf. Im Ergebnis fällt der Preis für Brent Crude auf 80 Dollar pro Barrel. Sobald die Ölproduzenten ihren Output jedoch drosseln, wird der Ölpreis wieder in die Höhe schnellen. Letztlich wird die Branche realisieren müssen, dass hohe Preise durchaus nicht selbstverständlich sind.

8.  Deutschland in der Rezession
Der anhaltende Aufwärtstrend in Deutschland wird 2014 enden und die Konsensprognosen widerlegen. Nach Jahren übertriebener Sparsamkeit in Deutschland wenden sich jetzt sogar die USA gegen Europas grösste Volkswirtschaft. Es ist durchaus möglich, dass man gemeinsam mit anderen grossen Volkswirtschaften einen koordinierten Plan ausarbeitet, um den übermässigen Handelsüberschuss zu verringern. Hinzu kommen sinkende Energiepreise in den USA, die deutsche Firmen dazu veranlassen, ihre Produktion gen Westen zu verlagern. Weitere Faktoren sind sinkende Wettbewerbsfähigkeit infolge steigender Reallöhne, mögliche Forderungen der SPD, des Juniorpartners in der Grossen Koalition, zur Verbesserung der Situation einkommensschwacher Schichten in Deutschland und zunehmende Konzentration auf die Binnennachfrage in China im Anschluss an das Dritte Plenum der KP.

9.  Aufgrund der französischen Misere purzelt der CAC 40 um 40 Prozent
Der Aufwärtstrend bei den Aktienkursen findet ein jähes Ende und die Kurse gehen in den freien Fall. Grund: Es setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass das Einzige, was den Markt treibt, die Hoffnung ist, es finde sich bestimmt jemand, der eine überbewertete Aktie zu einem noch höheren Kurs kauft. Gleichzeitig vertieft sich die Misere in Frankreich infolge der Misswirtschaft der Regierung Hollande. Die Häuserpreise, die sich nach der Krise nie richtig erholt haben, rutschen ins Bodenlose. Das belastet Konsum und Zuversicht. Zum Jahresende bricht der CAC 40 Index gegenüber seinem Höchststand von 2013 um über 40 Prozent ein, als sich die Anleger scharenweise vom Markt verabschieden.

10.  "Fragile Five" fallen um 25 Prozent gegenüber dem Dollar
In den USA führt der erwartete allmähliche Ausstieg aus der QE (Tapering) infolge steigender Zinsen zu höheren Grenzkosten für Kapital. In der Folge sinkt der Risikoappetit bei weiten Teilen der globalen Anlegerschaft. Davon sind insbesondere Länder mit wachsenden Leistungsbilanzdefiziten betroffen, die ihre Währung schliesslich – vor allem gegenüber dem US-Dollar – abwerten müssen. Bei diesen sogenannten Fragile Five handelt es sich um Brasilien, Indien, Südafrika, Indonesien und die Türkei.

(cash)