Zentralbank - EZB sieht bei Auslandsbanken noch Handlungsbedarf nach Brexit

Auslandsbanken haben nach dem Brexit zwar Tochterunternehmen im Euroraum eingerichtet, sind aber beim Risikomanagement immer noch zu sehr von Mitarbeitern und Systemen außerhalb der Region abhängig.
22.05.2022 16:00
Der Sitz der Europäischen Zentralbank in Frankfurt, im Vordergrund die Flösserbrücke über den Fluss Main.
Der Sitz der Europäischen Zentralbank in Frankfurt, im Vordergrund die Flösserbrücke über den Fluss Main.
Bild: imago images / Marcel Lorenz

Eine als “Desk Mapping” bekannte Untersuchung der EZB ergab, dass 21 Prozent der 264 von ihr überprüften Handelsabteilungen “gezielte Aufsichtsmaßnahmen rechtfertigen”, erklärte Andrea Enria, Leiter des Aufsichtsgremiums der EZB, in einem Blogbeitrag, der am Donnerstag auf der Website der EZB veröffentlicht wurde. Die Banken dürften nun gedrängt werden, mehr Arbeitsplätze aus London in die Europäische Union zu verlagern. Bloomberg berichtete über Teile der Studie am Mittwoch.

In der ersten Phase der Prüfung, die 2020 begonnen hatte, ergab sich, dass die Banken “noch nicht die volle Kontrolle über ihre Bilanzen haben”, so Enria. “Für die als wesentlich identifizierten Abteilungen werden wir den Banken individuelle verbindliche Entscheidungen zukommen lassen.”

Ungern weg von London

Der Streit mit den Banken darüber, wie viel Geschäft und Personal sie nach dem Brexit in die EU verlagern müssen, dauert bereits Jahre. Die Geldhäuser wandern angesichts der hohen Liquidität und des breiten und tiefen Talentpools nur ungern aus London ab. Die EZB hingegen will die finanziellen Risiken in den Bilanzen der Banken im Auge behalten und fürchtet Kontrollverlust, wenn diese in London geführt werden.

Die erste Phase der Überprüfung deckte 264 Handelsabteilungen in sieben Banken und den mit ihnen verbundenen Wertpapierfirmen ab, schrieb Enria. Etwa 70 Prozent der Abteilungen verlagern nach wie vor einen Teil oder sogar das gesamte EU-Risiko nach außerhalb des Blocks.

(Bloomberg)