Zentralbanken - Bank of England erwartet zähe Erholung

Die britische Wirtschaft kann in der durch die Coronakrise ausgelösten Jahrhundertrezession weiter auf Hilfe der Bank of England zählen.
06.08.2020 20:11
Hauptsitz der Bank of England an der Threadneedle Street in London.
Hauptsitz der Bank of England an der Threadneedle Street in London.
Bild: cash / pz

Diese hielt am Donnerstag zwar die Füsse still und beliess den Leitzins bei 0,1 Prozent. Auch der Umfang ihres Wertpapierkaufprogramms blieb mit 745 Milliarden Pfund konstant.

Doch dieses dürfte gegen Ende des Jahres ausgeschöpft sein. Die Bank of England erwartet zugleich, dass die Wirtschaft erst Ende nächsten Jahres und nicht wie bislang angenommen in der zweiten Jahreshälfte 2021 das Vorkrisenniveau erreicht. Der eher skeptische Konjunkturausblick bestärkt Ökonomen in der Erwartung, dass die Notenbank der angeschlagenen Wirtschaft Ende 2020 weitere Anschubhilfe leisten könnte.

Dies auch vor dem Hintergrund, dass nach dem britischen EU-Austritt die Übergangsfrist Ende Dezember ausläuft, bis zu deren Ende ein neues Freihandelsabkommen vereinbart werden soll. Bei den festgefahrenen Brexit-Verhandlungen sieht es derzeit aber nicht nach einer raschen Einigung aus.

Konjunktureinbruch in Grossbritannien

Die BoE könnte ihr Wertpapierprogramm also auch vor diesem Hintergrund Ende des Jahres aufstocken - womöglich um zusätzliche 70 Milliarden Pfund. Die Währungshüter um BoE-Chef Andrew Bailey hatten das Volumen bereits im Juni um 100 Milliarden Pfund ausgeweitet.

Die Notenbank geht in ihrer aktualisierten Prognose davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) dieses Jahr um 9,5 Prozent schrumpfen wird - ein Konjunktureinbruch, wie ihn Grossbritannien seit rund 100 Jahren nicht mehr erlebt hat. Nächstes Jahr soll das BIP dann wieder um 9 Prozent zulegen.

Die Wirtschaft auf der Insel war im Frühjahr im Zuge des Lockdowns unter die Räder gekommen. Doch mittlerweile mehren sich die Anzeichen, dass es wieder aufwärtsgeht. So haben die Einzelhandelsumsätze schon fast wieder Vorkrisenniveau erreicht.

Und Konjunkturbarometer signalisieren das schnellste Wachstum seit Mitte 2015. Doch einige Notenbanker haben bereits davor gewarnt, dass die Erholung ins Stocken geraten könnte - auch wegen der noch längst nicht gebannten Gefahren durch die Virus-Ausbreitung. "Die Herausforderung ist natürlich, dafür zu sorgen, dass der Wirtschaft nicht die Luft ausgeht", meint Ökonom Philip Shaw vom Vermögensverwalter Investec.

Wertpapierkäufe als Kriseninstrument

Die Notenbank erklärte, sie prüfe weiterhin, ob ein negativer Leitzins als geldpolitisches Kriseninstrument angemessen sein könnte. Doch könne er sich negativ in den Bankenbilanzen niederschlagen. Sie habe allerdings noch "andere Instrumente zur Hand" - etwa Wertpapierankäufe.

In ihrem Finanzstabilitätsbericht kommt die BoE zudem zu dem Schluss, dass die Kapitalausstattung der Banken voraussichtlich ausreichend sein wird, um die wegen der Corona-Krise drohenden Verluste zu verkraften und weiter als Kreditgeber fungieren zu können.

Die Währungshüter schätzen die Höhe der zu erwartenden Kreditverluste für die Geldhäuser auf weniger als 80 Milliarden Pfund

(Reuters/cash)

 
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