Zertifikat auf KryptowährungWie können Anleger in Bitcoin investieren?

Der Bitcoin-Preis schnellt wieder mal nach oben. Doch das direkte Handeln mit der digitalen Währung ist nicht jedermanns Sache. Andere Anlagemöglichkeiten sind derzeit rar, wobei sich einige Lösungen abzeichnen.
02.03.2017 08:29
Von Pascal Züger
Überweisungen von Bitcoin erfolgen ohne zentrale Abwicklungsstelle.
Überweisungen von Bitcoin erfolgen ohne zentrale Abwicklungsstelle.
Bild: Bloomberg

Bitcoin befindet sich derzeit auf einem bemerkenswerten Höhenflug: In der Nacht zum letzten Freitag erreichte die Kryptowährung erstmals die 1200-Dollar-Marke. In den letzten 52-Wochen ging es mit dem Kurs um ganze 180 Prozent aufwärts.

Die folgende Grafik zeigt diesen rasanten Anstieg, aber gleichzeitig auch die hohe Volatilität. Denn: Ende 2013 befand sich Bitcoin bereits auf ähnlichen Höhen, ehe es zum tiefen Fall kam.

Entwicklung Bitcoin-Dollar-Kurs seit 2012. Quelle: tradingview.com

Auf mittlere Frist waren Bitcoin-Investitionen bisher äusserst lukrativ: Wer im Januar 2012 Bitcoin im Wert von 10‘000 Dollar gekauft hätte, würde heute über 2 Millionen Dollar besitzen.

Bitcoin ist eine digitale Geldeinheit, mit der Überweisungen direkt zwischen den Nutzern über das Internet abgewickelt werden können, ohne dass dazu eine zentrale Abwicklungsstelle notwendig ist. Sie ist seit 2009 im Umlauf. Die Überweisung von Bitcoins wird in Transaktionen abgewickelt, die ähnlich funktionieren wie bei einer Banküberweisung, jedoch ohne Bank.

Direktinvestition oder über Zertifikat

Anleger können Bitcoin als Diversifizierungsmöglichkeit ihrem Portfolio beimischen. Bitcoin kann direkt im Internet über entsprechende Handelsplätze erworben werden. Das ist aber einerseits kompliziert, zumal gewisse IT-Kenntnisse vorausgesetzt werden. Andererseits besteht auch immer ein Restrisiko, da sich im Internet Betrüger tummeln und der Computer oder das Smartphone, worauf die Bitcoins gespeichert werden, abhandenkommen kann. Mit dem Verlust wären gleichzeitig  die ganzen Bitcoin weg.

Dem Direkterwerb bietet sich in der Schweiz seit Juli 2016 eine Alternative: Die Bank Vontobel führt als erste Anbieterin ein Tracker-Zertifikat auf Bitcoin (Valor: 32760611) mit zweijähriger Laufzeit. Abgebildet werden mit dem Zertifikat die Kurse der beiden Bitcoin-Handelsplätze Coinbase und Kraken. Als Basiswert dienen echte Bitcoin. Und wie Bitcoin geht (logischerweise) auch das Zertifikat steil nach oben: 78 Prozent Wertzuwachs seit der Emission am 15. Juli 2016.

"Seit der Lancierung des Produktes haben wir ein extremes kundenseitiges Interesse gesehen, welches unsere Erwartungen übertraf", sagt Eric Blattmann, Leiter Public Distribution Financial Products bei Vontobel. Nach Ablauf der Laufzeit im Juli 2018 werde Vontobel "sicherlich" ein Nachfolgeprodukt auf Bitcoin auflegen. Über das Volumen der bisherigen Trades gibt Vontobel allerdings keine Auskunft.

Wer auf Zertifikate setzt, sollte sich wie immer auch über die Nachteile gegenüber einer Direktinvestition im Klaren sein: Zum einen fallen Gebühren an. In diesem Falle beträgt gemäss Produkte-Beschrieb die Total Expense Ratio (TER) 2,5 Prozent. Hinzu kommen das Wechselkursrisiko, da das Produkt in Dollar geführt wird, sowie das Emittentenrisiko - geht der Zertifikate-Herausgeber konkurs, droht der Totalausfall.

Andere Schweizer Anbieter planen keine Bitcoin-Produkte

Von einem Trend hin zu Bitcoin-Produkten ist in der Schweiz hingegen nichts zu spüren. "Wir planen keine Lancierung eines strukturierten Produkts mit Basiswert Bitcoin", heisst es etwa bei Julius Bär auf Anfrage. Gleich klingt es bei anderen Banken.

Die Gründe dürften einerseits die zu geringe Nachfrage nach einem solchen Produkt seitens der Kundschaft sein, andererseits das mangelnde Vertrauen in Bitcoin. Aufgrund mehrerer Betrugsfälle in der Vergangenheit haftet noch immer ein etwas zweifelhafter Ruf an der Digitalwährung.

"Intern haben wir das Thema seit 2015 auf dem Radar, aufgrund der unklaren Regulation und der grossen Schwankungen von Bitcoin ist die Lancierung eines entsprechenden Produktes momentan aber nicht geplant“, begründet Robin Lemann, Leiter UBS Public Distribution Schweiz, die Zurückhaltung bezüglich Bitcoin. Die restlichen von cash angefragten Banken, Julius Bär, Raiffeisen und Leonteq, wollten sich zu den Gründen nicht äussern.

Bitcoin-ETF in Planung

Etwas weiter in Sachen Bitcoin-Anlagemöglichkeiten ist man in den USA. Dort wird derzeit am ersten Bitcoin-ETF gewerkelt. Der grosse Vorteil eines Exchange Traded Funds gegenüber Zertifikaten liegt darin, dass das Emittentenrisiko wegfällt - der Anleger also vor dem Konkurs des Herausgebers geschützt ist.

Am 11. März wird die amerikanische Börsenaufsicht entscheiden, ob der "Winklevoss Bitcoin Trust ETF" zugelassen wird. Dadurch würde Bitcoin plötzlich für die breite Masse - inklusive dem US-Markt und den institutionellen Investoren - erhältlich sein, was den Preis wohl nochmals in die Höhe treiben würde.

Die Aussicht auf einen möglichen Bitcoin-ETF dürfte übrigens auch ein Treiber der eingangs gesehen Kursrally der Kryptowährung sein. Allerdings gilt ein negativer Bescheid derzeit als wahrscheinlich: Die US-Investmentbank Needham & Company sieht die Zulassungschancen bei gerade Mal 25 Prozent, wie einem Bericht zu entnehmen ist.