Zielvorgaben bestätigt - Roche-Aktionäre dürfen fürs Erste aufatmen

Weil sich die umsatzstärksten Medikamente im dritten Quartal besser als befürchtet verkauften, bestätigt Roche entgegen den Erwartungen die diesjährigen Zielvorgaben. Dennoch gibt der Genussschein frühe Gewinne preis.
17.10.2018 14:37
Von Lorenz Burkhalter
Tabletten von Roche.
Tabletten von Roche.
Bild: Bloomberg

Roche steigert den Konzernumsatz im zurückliegenden dritten Quartal um 7 Prozent und übertrifft damit die Analystenschätzungen leicht. Wurde dem Pharma- und Diagnostikkonzern im Vorfeld der Quartalsumsatzpräsentation eine Reduktion der diesjährigen Zielvorgaben nachgesagt, bleibt diese aber aus (cash berichtete).

Insbesondere die beiden in Europa vom Patentablauf betroffenen Schlüsselmedikamente Rituxan/Mabthera und Herceptin verkauften sich zwischen Juli und September besser als gedacht. Die Aktionäre dürften deshalb fürs erste Aufatmen.

Nach einem frühen Vorstoss in die Nähe von 244 Franken, verliert der Genussschein von Roche an der Schweizer Börse SIX zur Stunde 1 Prozent auf 238,20 Franken. Die Tagestiefstkurse liegen gar bei 235,90 Franken. Beobachter berichten von Umschichtungen in Richtung der Novartis-Aktie.

Ermutigende Entwicklung bei jungen Medikamenten

Wie die UBS schreibt, liegt der Umsatzbeitrag aus dem Pharmageschäft über, jener aus dem Diagnostikgeschäft hingegen unter den bankeigenen Schätzungen. Beides gleicht sich aus, weshalb sich der Gruppenumsatz letztendlich im Rahmen der Erwartungen der UBS bewegt. Allerdings räumt die Schweizer Grossbank ein, dass die Markterwartungen in beiden Geschäftszweigen übertroffen worden seien.

Positiv hebt man bei der UBS auch die Absatzentwicklung bei jungen und zukunftsträchtigen Medikamenten wie Tecentriq, Ocrevus oder Hemlibra hervor. Dennoch wird der Genussschein vorerst nur mit "Neutral" und einem 12-Monats-Kursziel von 253 Franken eingestuft.

Die Bank Vontobel findet hingegen sichtlich Gefallen am soliden Umsatzwachstum. Mit 7 Prozent bewegt sich dieses im Rahmen der ersten sechs Monate. Auch der von Erfolg gekrönte Markteintritt junger Präparate wie Ocrevus, Perjeta, Alecensa und Tecentriq kommt bei der Zürcher Bank gut an. Das Anlageurteil lautet "Buy", das Kursziel wird weiterhin mit 280 Franken angegeben.

Bei Baader-Helvea fühlt man sich von der Umsatzentwicklung zwischen Juli und September in der Kaufempfehlung für den Genussschein bestätigt. Angesichts der starken Wachstumsentwicklung in den ersten neun Monaten hält der verantwortliche Analyst die diesjährigen Zielvorgaben gar für "konservativ".

Sein für J.P. Morgan tätiger Berufskollege weist darauf hin, dass Roche die Zielvorgaben im bisherigen Jahresverlauf bereits zwei Mal in Folge erhöht hat. Er bezeichnet die Quartalsumsatzzahlen als stark und empfiehlt den Genussschein mit "Overweight" und einem Kursziel von 300 Franken zum Kauf.

Nach Rituxan auch Herceptin in Europa unter Druck

Seit Monaten werden bei Roche immer wieder Horror-Szenarien herumgereicht, wonach die Umsätze der beiden Schlüsselmedikamente Rituxan/Mabthera und Herceptin regelrecht wegbrechen könnten. Von ungefähr kommen diese Ängste nicht, ist Rituxan/Mabthera in Europa und Japan nach dem Ablauf des Patentschutzes doch der Konkurrenz günstigerer Nachahmerpräparate ausgesetzt. Zudem bringen sich in den USA erste Hersteller von Nachahmermedikamenten in Stellung, um eigene Versionen des Krebsmedikaments zu verkaufen. Und auch Herceptin ist in Europa nicht länger patentrechtlich geschützt.

Rückblickend geriet der Absatz mit den beiden Schlüsselpräparaten in Europa allerdings nicht ganz so stark ins Stocken. Mit Rituxan/Mabthera erzielte Roche im dritten Quartal weltweit einen Umsatz von 1,66 Milliarden Franken und mit Herceptin gar 1,68 Milliarden Franken. Entsprechende Analystenerwartungen lagen bei beiden Medikamenten bei jeweils 1,6 Milliarden Franken.

Negative Überraschungen bleiben damit erneut aus. Wie es bei der Zürcher Kantonalbank heisst, ist das letzte Wort diesbezüglich allerdings noch nicht gesprochen. Die Bank spielt damit auf den bevorstehenden Markteintritt von Nachahmermedikamenten im Schlüsselmarkt USA an.