«Zinsen drehen 2018 wieder ins Positive»

Für negativzinsgeplagte Sparer und Anleger sieht die St. Galler Kantonalbank Licht am Ende des Tunnels. Anlagechef Thomas Stucki sagt im Interview aber auch, weswegen die Durststrecke noch ein Weilchen dauert.
26.05.2016 13:05
Von Marc Forster
Thomas Stucki, Chief Investment Officer der St.Galler Kantonalbank.
Bild: cash

"Die Nationalbank wird in nächster Zeit erst einmal nichts unternehmen, sondern darauf warten, bis die Zinsen bei der Europäischen Zentralbank (EZB) angehoben werden", sagt Thomas Stucki im cash-Video-Interview. "Ich denke, dass es bis Mitte 2018 geht, dass in Europa und der Schweiz die Geldmarktzinsen angehoben werden."

Laut der SGKB-Einschätzung besteht eine Art Kettenreaktion, an dessen Anfang die US-Inflation und die Notenbank Federal Reserve stehen. Die Fed dürfte ihre im Dezember begonnene Straffung ihrer geldpolitischen Zügel sogar rasch weiterführen. Den nächsten Zinsschritt der Notenbank in Washington erwartet die SGKB wie mittlerweile viele Marktbeobachter im nächsten Monat, dann folgen häufiger geldpolitische Straffungen, so dass der Leitzins Ende 2018 bis zu 3 Prozent betragen könnte.

Die EZB orientiere sich letztlich an Washington und warte bis 2018, um dann den Leitzins von derzeit Null Prozent auf 1 Prozent zu erhöhen, sagt Stucki. Im Windschatten der Euro-Zentralbank gehe dann auch die SNB rasch vor und erhöhe den Leitzins quartalsweise auf Null Prozent und damit wieder an den Anfang des positiven Bereichs.

Leitzinsprognosen der St. Galler Kantonalbank

  Aktuell Ende 2016 Ende 2017 Ende 2018
Schweiz -0,75 Prozent -0,75 Prozent -0,75 Prozent 0 Prozent
Eurozone 0 Prozent 0 Prozent 0 Prozent 1 Prozent
USA 0,25 bis 0,5 Prozent 0,75 bis 1 Prozent 1,75 bis 2 Prozent 2,75 bis 3 Prozent

Quelle: St. Galler Kantonalbank

Den Freiraum zu den Zinsschritten gebe der Fed die US-Inflation, hält das wichtigste Kreditinstitut der Ostschweiz fest. Die Teuerung zieht laut Stucki in den USA vor allem wegen Engpässen auf dem Arbeitsmarkt und damit steigenden Löhnen relativ rasch an. In Europa bilde sich die Teuerung indessen weiterhin nur schwach heraus. "In den nächsten zwei Jahren sehe ich keine Inflation, sie wird sich erst später einstellen."

Aktien und Obligationen

Die Zinsanstiege in den USA dürften wiederum die Obligationenrendite in der Schweiz, die sich seit vergangenen Herbst mehrheitlich im Minus bewegt, wieder nach oben hieven. Die Entwicklung trägt demnach auch dazu bei, dass die SNB genügend Freiraum für eine Abschaffung des Negativzinses bekomme.

In den nächsten zwei Jahren bleibt Anlegern aber nicht viel anderes übrig, als Risiko unter anderen im Form von Aktien auf sich zu nehmen, wie Stucki weiter sagt. Obligationen von Schuldern mit geringerer Bonität wären sicherlich auch ein Weg zu mehr Rendite, wobei Stucki diese Variante selber etwas meiden möchte: "Wenn es sein muss, nehme ich lieber eine etwas länger laufende Obligation, mit zehn oder zwölf Jahren Restlaufzeit." Laut der SGKB sind Obligationen mit einer langen Laufzeit auch für professionelle Anleger mit Anlagenotstand ein gerne verwendeter Notnagel.