Zinsmarge bei Schweizer Retailbanken unter Druck

Wie eine Erhebung von Ernst & Young zeigt, ist die Zinsmarge im Kreditgeschäft der Schweizer Retailbanken erneut rückläufig. Werden nun die Sparer zur Kasse gebeten?
21.09.2016 08:33
Von Lorenz Burkhalter
Im Zinsdifferenzgeschäft bleibt immer weniger bei den Schweizer Retailbanken hängen.
Im Zinsdifferenzgeschäft bleibt immer weniger bei den Schweizer Retailbanken hängen.
Bild: pixabay.com

Nicht nur die Anleger, auch die Schweizer Retailbanken hadern mit dem von Negativzinsen geprägten Umfeld. Das zumindest zeigt die diesjährige Zinsmargenanalyse von Ernst & Young (EY).

Über die 348 Retailbanken aus der Schweiz hinweg betrachtet ist die Zinsmarge zuletzt auf durchschnittlich 117 Basispunkte gefallen. Die Zinsmarge misst die Differenz zwischen dem vertraglich vereinbarten Zinssatz und den Refinanzierungskosten im Kreditgeschäft. Mit der Zinsmarge werden die Betriebskosten, die Risikokosten sowie die Kapitalkosten einer Bank bedient.

Seit Ausbruch der Finanzkrise rückläufig

Die Verfasser der Analyse machen unter anderem das Negativzinsumfeld für diesen Rückgang verantwortlich. Dieses führe dazu, dass traditionelle Methoden der Banksteuerung versagten. Aufgrund des wenig liquiden Franken-Anleihenmarktes, der damit verbundenen Bedeutung von Einlagen bei der Refinanzierung von Krediten und der Dominanz der Banken im Kreditmarkt hätten sich die Verhältnisse am Geld- und Kapitalmarkt von den Kreditmärkten und jenen für Einlagen entkoppelt, so schreibt der Leiter Strategieberatung Banking & Capital Markets von EY.

Entwicklung Zinsmarge und Zinserfolg von Schweizer Retailbanken seit 2003, Quelle: EY

Seit 2007 und damit seit unmittelbar vor Ausbruch der von den Vereinigten Staaten ausgehenden Finanzkrise besteht bei den Schweizer Retailbanken ein Trend zu sinkenden Zinsmargen. Den Vertretern von EY zufolge hat sich dieser Trend gegenüber den Jahren 2013 und 2014 sogar wieder leicht beschleunigt.

Noch immer grosse Unterschiede zwischen den einzelnen Banken

Wie die Analyse weiter zeigt, konnte das Volumenwachstum den Margenrückgang wie bereits 2013 und 2014 auch 2015 nicht kompensieren. Folglich kam es zu einem Rückgang des durchschnittlichen Zinserfolgs um 1,5 Prozent. Für 2016 liegen hingegen noch keine Zahlen vor.

Weiterhin gross bleiben die Unterschiede zwischen den einzelnen Instituten. Wie sich der von EY durchgeführten Erhebung entnehmen lässt, verfügten 2015 noch zehn Prozent der Banken über eine Zinsmarge von mehr als 138 Basispunkten und damit sogar über dem Durchschnittswert aller Schweizer Retailbanken von 2007. Die Verfasser der Analyse erklären sich dies mit der günstigen Bilanzstruktur der Institute und der Lage in einem wachstumsstarken Hypothekarmarkt.

Linderung in Bezug auf den Trend hin zu einer rückläufigen Zinsmarge verspricht man sich bei EY von der schrittweisen Einführung negativer Einlagezinsen bei auserwählten Kundensegmenten auf dem Finanzplatz Schweiz. Aufgrund der Bedeutung von Einlagen für die Refinanzierung und der Wettbewerbssituation sei es eine potenzielle Lösung, dem Kunden vor der Einführung von Negativzinsen Freigrenzen einzuräumen und erst in einem zweiten Schritt - wenn die wichtigsten Wettbewerber ebenfalls Freigrenzen eingeführt hätten - Negativzinsen durchzusetzen, so die Empfehlung des Leiters Strategieberatung Banking & Capital Markets von EY.