Die Aktie der UBS fällt am Dienstag nach Handelseröffnung in einem leicht negativen Gesamtmarkt um fast 4 Prozent auf 40,25 Franken. Das ist der tiefste Stand seit Ende Juni 2026.
In der Debatte um die Eigenkapitalausstattung der Bank veröffentlichte die UBS am Montag erneut ein Positionspapier, worin die Grossbank Werbung machte für den Vorschlag der zuständigen Ständeratskommission. Diese will, dass die UBS ihre Auslandstöchter im Stammhaus zu mindestens 50 Prozent mit CET1-Kapital (hartes Eigenkapital) und bis zu 50 Prozent mit AT1-Anleihen unterlegen kann. Eine Minderheit der Ständeratskommission will 90 Prozent Unterlegung mit hartem Eigenkapital.
Der Bundesrat verlangt eine vollständige CET1-Unterlegung - der Vorschlag wird auch von der Schweizerischen Nationalbank und der Finma unterstützt. Heute müssen die Auslandstöchter zu 45 Prozent mit CET1 und zu 17 Prozent mit AT1-Anleihen unterlegt werden. AT1-Anleihen sind hoch verzinste Anleihen, die bei einer gravierenden Schieflage der Bank entweder in Eigenkapital umgewandelt oder aber für wertlos erklärt werden.
Wenn es um die Kapitalunterlegung ausländischer Tochtergesellschaften gehe, sei eine 90-Prozent-Unterlegung mit hartem Kernkapital kein Kompromiss zum Bundesratsvorschlag, schreibt die UBS am Montag. Dies würde der Wettbewerbsfähigkeit der UBS nachhaltig schaden.
Demgegenüber schütze das sogenannte 50/50-Modell der Wirtschaftskommission des Ständerats (WAK-S) die Steuerzahlenden genauso gut wie der Vorschlag des Bundesrats, so die UBS. Stabilisierende Massnahmen würden damit im Krisenfall deutlich früher ausgelöst.
«Ein Sieg für die UBS»
«Die UBS scheint sich mit der 50/50-Unterlegung etwas angefreundet zu haben, wenngleich diese nach wie vor eine deutliche Verschärfung mit sich bringen würde», schreibt die Zürcher Kantonalbank (ZKB) am Dienstag in einem Kommentar. Auch wenn die 50/50-Lösung laut ZKB nicht signifikant «billiger» wäre, glaubt der zuständige ZKB-Analyst, dass die «Ästhetik», welche die Vergleichbarkeit der Profitabilitätsratios wie RoCET1 (Rendite auf das harte Kernkapital, Anm. der Red.) mit Peers weniger beeinträchtige, bei der Bank willkommen wäre.
Die ZKB wiederholt in der Analyse ihre Ansicht, dass sie eine vollständige Unterlegung der ausländischen Töchter mit einem Mix aus CET1 und AT1 «nicht als den entscheidenden Befreiungsschlag» erachtet und kaum zu einer höheren Bewertung der Aktie führen würde. «Jedoch dürfte es von den Märkten willkommen sein, da es eine Abwendung des Worst-Case-Szenarios bedeuten würde», so die ZKB.
Das Modell 50/50 wird in Expertenkreisen sehr unterschiedlich beurteilt. «Der Vorschlag, 50 Prozent Kernkapital und 50 Prozent AT1-Anleihen zu nutzen, ist ein Sieg für die UBS», erklärte zum Beispiel Filippo Alloatti, Anleihenexperte bei Federated Hermes, bei Reuters nach dem entsprechenden Vorschlag der Ständeratskommission. Damit müsste die UBS zwar immer noch rund 13 Milliarden Dollar an frischen Mitteln aufnehmen. Doch dieses Geld könnte sie weitgehend über günstigere AT1-Anleihen statt über CET1 beschaffen. «Damit wäre der Vorschlag für die Bank deutlich einfacher umzusetzen und kostengünstiger als der ursprüngliche Entwurf des Bundesrats», erklärte auch Luca Evangelisti, Fondsmanager bei Jupiter.
Der Ständerat hat die Vorlage am letzten Donnerstag erstmals beraten, er hat die Debatte dann aber aus Zeitgründen unterbrochen. Sie soll morgen Mittwoch fortgesetzt werden. Dann nimmt Finanzministerin Karin Keller-Sutter Stellung, bevor über die verschiedenen Anträge abgestimmt wird.

