Die zahlreichen Sonderzölle würden das US-Handelsdefizit nicht verringern, heisst es in einer Studie des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), die der Nachrichtenagentur Reuters exklusiv vorgelegen hat. Der Krieg gegen den Iran erhöht die ohnehin schon hohen Schulden weiter. «Gläubiger hinterfragen deshalb, ob die USA ihre ausstehenden Schulden von 40 Billionen Dollar tragen können.» Auch die von Trump angestrebte Rückholung der Industrie sei bislang nicht erkennbar. Dafür wachse die US-Wirtschaft aber robust und die Investitionen nähmen deutlich zu. Künstliche Intelligenz sei ein wichtiger Treiber dabei. Allerdings entstünden weniger Jobs als unter der Vorgängerregierung von Joe Biden. Und die Inflation liege seit längerem deutlich über dem Ziel der Notenbank von zwei Prozent.
Seit eineinhalb Jahren überzieht Trump zahlreiche Länder mit immer neuen Zöllen. Er hat dadurch etwa im Falle der EU ein für die USA vorteilhaftes Handelsabkommen ausgehandelt, das allerdings auf einem wackligen Fundament steht. Laut IW sprechen die Gesamtzahlen aber nicht für Trump. So lag das US-Defizit im Warenhandel im August 2026 bei 130 Milliarden Dollar, höher als im August 2024. «Verändert hat sich vor allem die Zusammensetzung, denn die Zölle fallen je nach Land und Warengruppe unterschiedlich aus.»
Im August 2026 entfielen auf die EU lediglich sieben Prozent des gesamten US-Defizits, gegenüber 20 Prozent im August 2024. «Dies ist weniger auf einen deutlichen Rückgang der US-Importe aus der EU zurückzuführen als vielmehr darauf, dass die USA mehr Waren, insbesondere Energieprodukte, in die EU exportieren.» Gegenüber Deutschland blieb das Defizit stabil. Chinas Anteil fiel von 29 auf 14 Prozent. Auf Mexiko und Vietnam entfielen inzwischen jeweils 20 Prozent.
2025 flossen Direktinvestitionen in Höhe von 248 Milliarden Dollar in die USA. Das waren 8,2 Prozent weniger als im Jahr zuvor und 18 Prozent weniger als im Schnitt der Jahre 2015 bis 2024. Firmen bemängeln zum Teil eine fehlende Planbarkeit mit Trump. Werden nur die Direktinvestitionszuflüsse aus der EU genommen, zeigt sich für 2025 ein leichter Anstieg um 1,4 Prozent, im Vergleich zum Durchschnittswert der vergangenen zehn Jahre aber ein Rückgang um zwölf Prozent.
Die sogenannten Midterm-Wahlen am 3. November werden den IW-Ökonomen zufolge keine grundlegende Neuausrichtung der US-Politik bringen. «Die Demokraten gelten als Favoriten für eine Mehrheit im Repräsentantenhaus; der Ausgang der Senatswahl ist offen. Jede neue Mehrheit dürfte sehr knapp ausfallen und deutlich unter der Zwei-Drittel-Mehrheit liegen, die erforderlich ist, um ein Veto des Präsidenten zu überstimmen.» Trump werde grossen Einfluss auf die Gesetzgebung behalten. Ein Politikwechsel wird erst nach den Präsidentschaftswahlen 2028 möglich. Der nächste Präsident dürfte im Januar 2029 ins Amt kommen.
Für Trump spricht laut IW das Wachstum von meist mindestens zwei Prozent im Jahr. Seine Achillesferse sei die hartnäckig hohe Inflation von zuletzt mehr als drei Prozent. Für viele Bürger seien die Lebenshaltungskosten immer schwerer zu tragen. Die starken KI-Investitionen sorgten zwar für Wachstum, machten die weltgrösste Volkswirtschaft aber auch anfälliger. Das könne sich über eine hohe Vermögenskonzentration und Schwankungen am Finanzmarkt negativ auswirken.
(Reuters)

