Den Vorschlag der Ständeratskommission bezeichnete er als «verkraftbar». Mit dem Kommissionsvorschlag müsste die UBS laut Ermotti rund 13 Milliarden Dollar zusätzliches Tier-1-Kapital aufbauen. Die jährlichen Zusatzkosten durch die CS-Akquisition würden sich damit auf 2 Milliarden Dollar belaufen.

Die Kommission (WAK-S) will, dass die UBS ihre Auslandtöchter im Stammhaus zu mindestens 50 Prozent mit CET1 und bis zu 50 Prozent mit AT1-Anleihen unterlegen kann. Der Bundesrat verlangt eine vollständige CET1-Unterlegung. Heute müssen die Auslandtöchter zu 45 Prozent mit CET1 und zu 17 Prozent mit AT1-Anleihen unterlegt werden.

Als schlimmstmöglichen Ausgang nannte Ermotti eine Unterlegung mit 90 oder 100 Prozent hartem Kernkapital. Der Bundesratsvorschlag würde die UBS laut ihm jährlich rund 3 Milliarden Dollar kosten; der 90-Prozent-Vorschlag sei ähnlich teuer.

«Mit einem blauen Auge können wir leben, aber zwei blaue Augen und eine gebrochene Nase sind zu viel», sagte Ermotti. Es sei der UBS klar, dass sie einen «politischen Preis» zahlen müsse.

Bereits UBS-Verwaltungsratspräsident Colm Kelleher hatte vergangene Woche an der Bankiervereinigung in St. Gallen erklärt, er könne mit dem Kommissionsvorschlag leben, auch wenn es die Bank mehr koste.

Kritik an den Behörden

Die Darstellung der Behörden sei teils «verkürzt und irreführend», sagte Ermotti. Den Ständeräten seien Fakten zum Teil nicht richtig dargestellt worden. Die CS habe nur so lange überleben können, weil ihr die Finma weitgehende Zugeständnisse gemacht habe.

Und die SNB habe die Probleme ignoriert: In ihrem Bericht zur Finanzstabilität finde sich kein Wort dazu, dass sich die CS seit mindestens 2019 in einer sehr schwierigen Lage befunden habe.

Die Behörden hätten kein Interesse daran, dass die tatsächlichen Lehren aus dem CS-Untergang gezogen würden, sagte Ermotti. Auf die Nachfrage, ob er das Finanzdepartement, die SNB und die Finma meine, sagte er, das Finanzdepartement «vielleicht auch». Finma und SNB seien aber «sicher mitverantwortlich» für das, was mit der CS passiert sei.

Rücktritt «derzeit kein Thema»

Zu seiner Zukunft sagte Ermotti, ein Rücktritt sei derzeit kein Thema. Die Situation sei ähnlich entscheidend wie im März 2023. «Zentral für mich und für den Verwaltungsrat ist nicht, wann ich gehe, sondern wie stark die UBS ist, die ich hinterlasse.»

Der Ständerat hatte die Vorlage am Donnerstag beraten, aber noch nicht entschieden. Die Beratung wird am Mittwochmorgen fortgesetzt, dann äussert sich auch Finanzministerin Karin Keller-Sutter.

ra/

(AWP)