Matolcsy war von 2010 bis 2013 Wirtschaftsminister in der damaligen Orban-Regierung und von 2013 bis 2025 Chef der Ungarischen Nationalbank (MNB), der Notenbank des mitteleuropäischen EU-Landes. Die Oberstaatsanwaltschaft für Zentrale Ermittlungen (Knyf) brachte gegen ihn noch keine konkreten Beschuldigungen vor, nahm aber weitere Personen fest und führte in den Anwesen von Matolcsy und von anderen Verdächtigen Hausdurchsuchungen durch, wie ungarische Medien berichteten.

Untypische Stiftungen im Fokus der Ermittler

Die Staatsanwaltschaft sprach von Ermittlungen im Zusammenhang mit der «Causa MNB». Unter der Leitung von Matolcsy gründete die MNB mehrere Stiftungen, die der Förderung von Kultur und Wissenschaften dienen sollten und in die sie mehrere Milliarden Euro pumpte. Ein Teil dieser Gelder soll aber verschwunden sein. Der ungarische Rechnungshof bezifferte die mutmassliche Schadenssumme im März des Vorjahres mit mindestens 375 Millionen Euro. Matolcsy bestritt jegliches schuldhaftes Verhalten. Eine Strafanzeige des Rechnungshofs soll schliesslich auch die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ausgelöst haben.

Diese begannen unmittelbar nach der Parlamentswahl im April, die zum Sturz Orbans und zur Regierungsübernahme durch den bürgerlichen Ministerpräsidenten Peter Magyar geführt hatte. Magyar, der selbst aus Orbans Machtpartei Fidesz kommt, mit dieser aber vor mehr als zwei Jahren radikal gebrochen hatte, hatte im Wahlkampf versprochen, die unter Orban grassierende Korruption zu beenden und die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen.

Bereits zwei Ex-Minister in U-Haft

Matolcsy, der sich als Mitstreiter Orbans gerne als «Vordenker» einer «unkonventionellen Wirtschaftspolitik» inszenierte, ist die bislang symbolträchtigste Persönlichkeit der Orban-Zeit, die die Justiz in Gewahrsam genommen hat. Seit drei Wochen befinden sich Ex-Kultusminister Balazs Hanko und Ex-Entwicklungsminister Miklos Sesztak in Untersuchungshaft. Hanko soll Kulturfonds-Gelder für Wahlkampfzwecke missbraucht, Sesztak von überteuerten Beschaffungen von öffentlichen Bussen profitiert haben./gm/DP/he

(AWP)