Das wolle Orcel über eine ausserordentliche Hauptversammlung erreichen, die nach Erhalt aller nötigen behördlichen Freigaben stattfinden solle. In einem grundlegenden Szenario würde es bis Ende Februar dauern, Kontrolle über die Commerzbank zu erlangen, im besten Fall gelinge es aber auch schon im Januar. Bisher hatten die Italiener das zweite Quartal 2027 in Aussicht gestellt.

Orcel wolle auch den Forderungen der Bundesregierung eine Absage erteilen, weiterhin mit zwei Sitzen im künftigen Aufsichtsrat vertreten zu sein, schreibt die «FT». Der Bund ist mit einem Anteil von - aktuell nach Aktienrückkäufen der Commerzbank - gut 13 Prozent zweitgrösster Aktionär. Ein Sprecher der Unicredit wollte sich auf Anfrage nicht zu dem «FT»-Bericht äussern.

Stellenabbau und Kürzungen im Auslandsnetz

Die Unicredit sieht in einer Übernahme Potenzial für Milliardeneinsparungen inklusive des Abbaus Tausender Stellen. Orcel will zudem das Auslandsnetz der Commerzbank beschneiden. Bei dem Dax -Konzern sorgt man sich vor einem Kahlschlag. Zudem gibt es in Frankfurt Befürchtungen, dass die Commerzbank mit der vor Jahren von der Unicredit übernommenen Hypovereinsbank (HVB) verschmolzen werden und dann auch München als Hauptsitz infrage kommen könnte.

Die Unicredit hatte im September 2024 einen Aktienverkauf des Bundes für den Einstieg bei Deutschlands zweitgrösster börsennotierter Bank genutzt und hat inzwischen inklusive Kaufoptionen Zugriff auf fast 50 Prozent der Anteile.

De facto habe die Commerzbank nun «einen Kontrollaktionär», sagte Konzernchefin Orlopp Anfang August. «Vom Zeitplan gehen wir davon aus, dass es im vierten Quartal die Genehmigungen alle geben wird», sagte sie mit Blick auf Prüfungen der Unicredit-Pläne durch die Aufseher./men/ben

(AWP)