Belastet wurden die Anleihen durch die zuletzt erneut gestiegenen Rohölpreise. Die weiter angespannte Lage im Nahen Osten sorgt für Verunsicherung und stützt die Inflationserwartungen. Kurz vor dem Verstreichen einer 60-tägigen Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran bleibt die Lage in der faktisch blockierten Strasse von Hormus weiter angespannt. Eine nachhaltige Öffnung ist weiterhin nicht in Sicht.
Schwache Konjunkturdaten aus den Vereinigten Staaten stützten die Anleihekurse nicht nachhaltig. Die US-Einzelhandelsumsätze sind im Juli unerwartet und merklich gefallen. Vor allem die sinkenden Benzinpreise hätten das Umsatzergebnis im Juli belastet, kommentierte Helaba-Analyst Ralf Umlauf. «Ein nennenswerter Effekt wegen der Fussball-WM in den USA ist nicht zu konstatieren.» Die Erwartung auf eine Leitzinserhöhung durch die US-Notenbank Fed dürfte weiter gedämpft werden. Zudem hat sich das von der Universität von Michigan erhobene Konsumklima im August unerwartet deutlich eingetrübt.
Bei einer Auktion von US-Anleihen mit einer Laufzeit von 30 Jahren lag die Rendite am Donnerstagabend bei 5,216 Prozent und damit auf dem höchsten Stand seit 25 Jahren. Experten sehen in den steigenden Kosten für die hohe Staatsverschuldung zunehmend ein Problem für die US-Regierung unter Präsident Donald Trump vor den Zwischenwahlen im November.
Die vergleichsweise hohe Rendite «unterstreicht die klare Forderung der Investoren nach einer höheren Kompensation für die Finanzierung des wachsenden Defizits», schreiben Analysten der französischen Bank BNP Paribas. Für die US-Administration und Finanzminister Scott Bessent werde die Lage schwierig: «Nach Jahren erhöhter Inflation und massiver Staatsausgaben fressen sich die immensen Finanzierungskosten zunehmend durch die breitere Wirtschaft.»/jsl/he
(AWP)
