Ziel sei es, die Energiebranche des Landes nach der Festnahme von Staatschef Nicolas Maduro wieder aufzubauen und die Ölförderung massiv auszubauen. «US-Konzerne werden die Gelegenheit haben, die verrottende Energie-Infrastruktur Venezuelas wieder aufzubauen», sagte Trump zu Beginn des Treffens im Weissen Haus. Zudem lobte er eine Vereinbarung mit der venezolanischen Übergangsführung über ​die Lieferung von 50 Millionen Barrel Rohöl an die USA.

Die Konzerne Exxon und ‌ConocoPhillips hatten Venezuela vor fast 20 Jahren verlassen, nachdem ihre Vermögenswerte dort verstaatlicht ‌worden waren. Trump sagte bei dem Treffen, die USA würden den Konzernen zudem Schutz für Personal und Anlagen sowie finanzielle Garantien für ihre Investitionen in Aussicht stellen. Zudem hatte Energieminister Chris Wright die Möglichkeit ins Spiel gebracht, die US-Export-Import-Bank zur Finanzierung grosser Ölprojekte einzusetzen.

Während die Branchenriesen skeptisch sind, zeigten sich bei dem Treffen anwesende kleinere, unabhängige Unternehmen bereit, in dem Land zu investieren. Chevron, der einzige US-Ölmulti, der noch in dem Land tätig ist, bekräftigte zwar sein ⁠Engagement, sieht aber vor allem durch neue Genehmigungen der US-Regierung einen Weg, seine Produktion dort in den nächsten 18 bis 24 Monaten um 50 Prozent zu steigern, wie US-Energieminister Chris Wright sagte.

Im Gegensatz zu den Ölkonzernen haben die grossen Rohstoff-Handelshäuser Trafigura und Vitol auf Anfrage ​der US-Regierung bereits zugestimmt, bei der Vermarktung des venezolanischen Öls zu helfen. Trafigura werde sein erstes Schiff bereits in ‌der kommenden Woche beladen, sagte Firmenchef Richard Holtum bei dem Treffen zu Trump. Ein Vitol-Manager erklärte, ‍man sei erfreut, die eigene Expertise einzusetzen, um das Öl auf den Markt zu bringen. Energieminister Wright sprach von «enormem Interesse» bei dem Treffen und nannte die Interaktionen mit Venezuela «fantastisch».

Die Ankündigung ​löste mehreren mit der Angelegenheit vertrauten Personen zufolge umgehend hektische Bemühungen aus, Tanker zu finden und den sicheren Abtransport des Rohöls zu organisieren. Venezuela hat Öl in alten, schlecht gewarteten Tankern gelagert. Ein direkter Kontakt mit diesen Schiffen ist aus Haftungs- und Versicherungsgründen selbst mit US-Lizenzen problematisch. Auch die Lagertanks an Land seien ‌seit Jahren nicht gewartet worden. Laut den Insidern prüfen Reedereien nun, ihre Operationen für Schiff-zu-Schiff-Umladungen ⁠auszuweiten.

US-Streitkräfte hatten am 3. Januar den venezolanischen Staatschef ‌Maduro in der Hauptstadt Caracas gefasst. Das Vorgehen der USA stiess international auf Kritik. Das UN-Menschenrechtsbüro bezeichnete die Aktionen als Verletzung des Völkerrechts. US-Präsident Donald Trump hatte diese Woche erklärt, die USA ‍würden die Aufsicht über Venezuela «deutlich länger» als ein Jahr aufrechterhalten. Vertreter der Regierung haben den Wunsch geäussert, Venezuelas Ölverkäufe und Einnahmen auf unbestimmte Zeit zu kontrollieren. Dies solle sicherstellen, dass das Land im Interesse Amerikas handelt, hiess es.

Trump hat Öl zur Priorität seiner ​Strategie für das südamerikanische Land erklärt. Wie er bereits angekündigt hatte, wollen die USA 30 bis 50 Millionen ‍Barrel Öl aus Venezuela übernehmen. Laut Trump habe Venezuela zugestimmt, die Erlöse aus dem Verkauf seines Öls ausschliesslich für den Kauf von Waren aus amerikanischer Produktion zu verwenden. Dabei gehe es etwa um Produkte aus der Landwirtschaft, Medikamente, medizinische Geräte sowie Ausrüstung zur Verbesserung des Stromnetzes und der Energieanlagen. 

(Reuters)