Der Auftragseingang hat sich im dritten Quartal 2026 fast verdreifacht auf 696,6 Millionen Franken. Auch gegenüber dem bereits aussergewöhnlich starken Vorquartal nahmen die Aufträge um 39 Prozent zu, wie es in einer Mitteilung vom Donnerstag hiess.

«Die Nachfrage ist enorm - und als Branche brechen wir Rekorde», sagte Finanzchef Fabian Chiozza am Donnerstag an einer Telefonkonferenz. Getrieben werde die Entwicklung vom Ausbau der KI-Rechenzentren, der Knappheit bei modernsten Logik- und Speicherchips sowie dem Beginn der Serienfertigung einer neuen Chipgeneration.

Weltweit sollen in den kommenden Jahren 150 weitere Halbleiterfabriken die Produktion aufnehmen. «Die Industrie profitiert weiterhin von starken langfristigen Investitionen», betonte Chiozza.

Halbleiter- und Servicegeschäft boomen

Konkret stiegen die Aufträge im zentralen Halbleitergeschäft von VAT im Berichtsquartal um 270 Prozent. Auch für das Jahr 2027 erwartet VAT im Kerngeschäft eine hohe Auftragsdynamik.

Bei Global Service stiegen die Bestellungen um 88 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Segment profitiere von der sehr hohen Auslastung der Halbleiterfabriken sowie der steigenden Nachfrage nach Verbrauchsmaterialien und Reparaturen.

Die Aufträge im Segment Advanced Industrials blieben hingegen weitgehend stabil. Dort rechnet VAT für das laufende Jahr mit einem selektiven Auftragswachstum, vor allem in halbleiternahen Anwendungsbereichen.

Der Umsatz legte zwischen Juli und September ebenfalls stark zu. Er stieg um 46 Prozent auf 376,4 Millionen Franken. Das Verhältnis von Aufträgen zu Verkäufen (Book-to-Bill-Ratio) lag damit bei hohen 1,9. Die Aufträge schlagen sich jeweils erst verzögert im Umsatz nieder.

Hohe Visibilität erlaubt höheren Ausblick

Nach dem starken Quartal lag der Auftragsbestand per Ende September beim Rekordstand von 979,5 Millionen Franken, wie das Unternehmen weiter mitteilte. Er schaffe damit eine hohe Planungssicherheit.

Für das vierte Quartal 2026 erwartet VAT nun einen Umsatz von 420 bis 450 Millionen Franken sowie ein Book-to-Bill-Verhältnis über eins. Eine Prognose für den Aufragseingang gibt es derweil nicht. Das Unternehmen bestätigt lediglich, dass Auftragseingang, Umsatz, Ebitda, Marge, Nettogewinn und freier Cashflow im Gesamtjahr 2026 höher ausfallen sollen als 2025.

Derweil gibt es schon eine Umsatzprognose Für 2027. Der bisherige Zielkorridor von 1,5 bis 1,7 Milliarden Franken soll demnach «deutlich» übertroffen werden.

Um der hohen Nachfrage gerecht zu werden, hat VAT im letzten Quartal 450 neue Vollzeitstellen geschaffen und will die Produktionskapazität weiter ausbauen. Das Ziel ist, bis Ende 2026 eine Produktionsleistung von 450 Millionen Franken pro Quartal zu erreichen.

Aktie trotz Überraschung unter Druck

Die Erwartungen der von AWP befragten Analysten wurden insbesondere beim Auftragseingang massiv übertroffen. An der Börse ging es für die Aktien von VAT dennoch bergab: Bis am Mittag verloren die Titel knapp 4 Prozent. Damit reihte sich die Aktie in ein sehr schwaches Chip-Branchenumfeld ein.

Die Analysten bewerteten den Rekordauftragseingang und den angehobenen Ausblick zwar als klar positiv. Unsicher sei aber, wann sich der Auftragsbestand in Umsatz verwandelt.

Zudem bestehe das Risiko, dass der KI-getriebene Investitionsboom zu übermässigen Kapazitätsausbauten führt und die Ausgaben für Halbleiterfertigungsanlagen nach 2027 abbremsen könnte. Aufgrund der starken bisherigen Jahresperformance sprachen einige Marktbeobachter auch schlicht von Gewinnmitnahmen.

ls/uh

(AWP)