Die Talanx-Aktie gewann am Vormittag zeitweise fast sechs Prozent. Zuletzt lag sie noch mit gut fünf Prozent im Plus bei 120,40 Euro und gehörte damit zu den stärksten Titeln im MDax , dem Index der mittelgrossen Werte.
Im ersten Halbjahr verdiente Talanx bereits 1,5 Milliarden Euro und damit neun Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Dabei legten die Privat- und Firmenversicherung im In- und Ausland ebenso zu wie die Industrieversicherung und der weltweit drittgrösste Rückversicherer Hannover Rück , an dem Talanx die Mehrheit hält. Alle Geschäftsbereiche hätten Ergebnisse auf Rekordniveau abgeliefert, sagte Leue.
Zwar stagnierte der Versicherungsumsatz des Gesamtkonzerns mit der Hauptmarke HDI bei knapp 24,3 Milliarden Euro, doch das Kapitalanlageergebnis sprang um mehr als ein Fünftel nach oben. Zudem gingen die Grossschäden von gut 1,1 Milliarden auf 942 Millionen Euro zurück.
Am teuersten schlugen der Wintersturm «Fern» in den USA und Kanada und die Atlantikstürme auf der Iberischen Halbinsel und in Marokko zu Buche. Ausserdem legte Talanx 200 Millionen Euro für die Folgen des Iran-Kriegs zur Seite.
Weitere Grossschäden zeichnen sich allerdings schon ab: Das verheerende Erdbeben in Kolumbien koste den Konzern samt der Hannover Rück voraussichtlich eine dreistellige Millionen-Euro-Summe, sagte Finanzvorstand Jan Wicke.
Auch die Waldbrände in Südeuropa und die Hitzewelle dürften den Konzern finanziell treffen. Neben den Zerstörungen durch Feuer in Frankreich und Spanien gehe es dabei auch um die Schiffstransporte auf dem Rhein, der derzeit unter extremem Niedrigwasser leidet. Falls Schiffe dort nicht mehr fahren könnten, griffen möglicherweise Versicherungsverträge gegen Betriebsunterbrechungen.
Bei Talanx ist man von den extremen Wetterereignissen keineswegs überrascht. Das seien die Folgen des Klimawandels, erklärte Wicke. «Es wird mehr Starkregenfälle geben, es wird mehr Brände geben und es wird mehr Tropical Events geben.» Was man derzeit erlebe, sei noch lange nicht die Spitze dessen, was der Versicherer in seinen Berechnungen einkalkuliert habe: «Es ist durchaus möglich, dass es Phasen gibt, wo es noch deutlich schlimmer wird», stellte Wicke klar./stw/lew/jha
(AWP)
