Unter dem neuen Label kandidiert Valérie Dittli im kommenden Februar erneut für den Staatsrat, wie sie gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagte. Sie bestätigte damit einen Bericht der Zeitung «Le Temps».
Dittli ist in der Waadtländer Kantonsregierung für Landwirtschaft und Digitalisierung zuständig. Wenige Tage vor der Ankündigung hatte sie die Unterstützung des Vorstands der Kantonalpartei und des neunköpfigen Präsidialausschusses verloren.
Dittli hätte sich ursprünglich am kommenden Mittwoch der Delegiertenversammlung der Kantonalpartei stellen müssen. Diese sollte entscheiden, ob sie die Politikerin erneut aufstellt. Mit ihrem Austritt kam sie dem Votum der Delegierten zuvor.
Sie stehe der Mitte-Partei nicht mehr als Kandidatin zur Verfügung, sagte sie dazu «Le Temps». Was sie in den letzten Wochen erlebt habe, sei zu schwer geworden. Sie habe keine andere Wahl: «Sie können sich gar nicht vorstellen, wie sehr wir versucht haben, den Dialog zu suchen und Lösungen zu finden.»
Streit um Verfahren
Zur Begründung des Bruchs mit ihrer Partei verwies Dittli auf die Abhaltung der Delegiertenversammlung. Sie stört sich am Entscheid, nicht die gesamte Parteibasis entscheiden zu lassen.
Kantonalpräsident Giancarlo Sergi hatte zuvor argumentiert, das Vorgehen entspreche den Statuten. Dittli und mehrere ihrer Unterstützer vertraten jedoch schon in der Vergangenheit die Ansicht, sie würden dadurch benachteiligt.
Sergi räumte auf Anfrage ein, dass ihn der Austritt Dittlis nicht überrasche. In Krisen gebe es Punkte, an denen man nicht mehr zurück könne: «Da mussten wir durch.»
Weitere Abgänge
«Es ist besser so», fügte Sergi an. Nun müsse man nach vorne schauen. Er bestätigte zudem, dass die Staatsrätin die Mitte nicht allein verlässt. Drei von neun Mitgliedern des Präsidialausschusses tun es ihr gleich, unter ihnen Vizepräsidentin Jaqueline Bottlang-Pittet.
Die Delegiertenversammlung am kommenden Mittwoch in Epalinges VD findet wie geplant statt. Dort sollen mögliche Allianzen für die Kantonswahlen 2027 besprochen werden. Die Nomination eines Kandidaten oder einer Kandidatin für den Staatsrat erfolgt hingegen am 16. September im Rahmen einer weiteren Versammlung.
Dittli ihrerseits wird die Liste einer neuen Partei anführen. «All das lastete sehr schwer auf mir. Ich bin erleichtert, dass diese Personen mir angeboten haben, eine Bewegung aufzubauen, mit der ich mich zu 100 Prozent identifiziere», erklärte die Staatsrätin.
Neue Kontroverse
Wenige Stunden vor Dittlis Ankündigung war eine neue Kontroverse publik geworden. Die Sektion Lavaux-Oron der Mitte-Partei verdächtigt sie, versucht zu haben, ein Bankkonto mit einem Guthaben von 22'000 Franken zu schliessen und das Geld zu überweisen. Die Politikerin weist die Vorwürfe zurück.
In einer schriftlichen Stellungnahme verteidigte sich Dittli: «Dieses Konto wurde weder privat noch auf meine Initiative hin mit dem Ziel eingerichtet, einen Wahlkampf zu finanzieren.» Es sei vielmehr im Sinne der Transparenz von Mitgliedern der Sektion eingerichtet worden, damit Personen, die sie unterstützen wollten, dies in einem legalen und transparenten Rahmen tun könnten. «Zu diesem Zeitpunkt stellte sich die Frage einer erneuten Kandidatur für den Staatsrat ohnehin nicht», erklärte sie.
Sie wolle zudem klarstellen, dass sie keinerlei Kontakt zur Waadtländer Kantonalbank aufgenommen habe, um die Schliessung des Kontos oder die Übertragung der Guthaben zu erwirken: «Entgegenstehende Behauptungen sind unbegründet. Ich habe darum gebeten, dass alle Bankunterlagen vorgelegt werden, anhand derer sich das Vorliegen einer solchen Anweisung nachweisen und deren Urheber identifizieren lässt.»
Mehreren Medienberichten zufolge soll der Betrag von 22'000 Franken aus Spenden von Privatpersonen und Unternehmen stammen. Das Geld soll insbesondere über die persönliche Website von Valérie Dittli eingezahlt worden sein.
(AWP)
