Warsh sagte zwar, dass jüngste Konjunkturdaten eine leichte Abkühlung gezeigt hätten. Allerdings sehe er darin nicht, dass sich an der grundlegenden Entwicklung etwas geändert habe.
Im Juli sank die Inflation zwar auf 3,4 Prozent, nachdem sie im Vormonat noch 0,1 Prozentpunkte höher lag. Dennoch liegt die Teuerungsrate in den USA damit seit mehr als fünf Jahren weiter über dem von der US-Notenbank Fed angestrebten Ziel von 2 Prozent.
Das liegt auch am Iran-Krieg und der daraus resultierenden Energiekrise. «Daher sollte sich die Fed derzeit vorrangig auf die Preise konzentrieren», sagte Warsh nun weiter. Die Teuerungsrate nannte er «zu hoch».
In Fed-Gremium gibt es bereits Bereitschaft für Straffung
Bereits beim vergangenen Zinsentscheid Ende Juli hatten sich drei der zwölf stimmberechtigten Mitgliedern des Zentralbankrates offen für eine Zinserhöhung im weiteren Jahresverlauf gezeigt, um damit die Inflation zu bremsen. Warsh enthielt sich. Seit Dezember 2025 rührte die Fed fünfmal in Folge den Leitzins nicht an, die Spanne bleibt damit bei 3,5 bis 3,75 Prozent.
Warsh wiederholte beim Zinsentscheid, dass die Fed Preisstabilität garantieren werde - ein Indiz dafür, dass er der Bekämpfung der Inflation Vorrang einräumen will. Die USA stünden bei der Entwicklung der Vollbeschäftigung zwar gut da, «aber bei den Preisen deutlich schlechter», sagte er und betonte zugleich, dass diese Bemühungen noch mehr Zeit in Anspruch nehmen dürften.
«Der Fed-Chef ist bereit, an der Zinsschraube zu drehen, falls die Inflationslage sich nicht zügig aufhellt», kommentierte Elmar Völker, Volkswirt bei der LBBW. Warsh erhöhe so die Spannung vor der nächsten Zinssitzung, die Mitte-September anstehe. «Die US-Inflationsdaten für August, die wenige Tage vor diesem Termin veröffentlicht werden, bilden mutmasslich das Zünglein an der Waage.»
Der Euro sank nach den Aussagen kurzzeitig unter 1,16 US-Dollar. Zuletzt erholte er sich aber wieder ein wenig und wurde bei 1,1608 Dollar gehandelt. Vor den Aussagen von Warsh hatte er bei 1,1640 Dollar gelegen. Am Anleihemarkt stiegen vor allem die Renditen von Papieren mit kurzer Laufzeit. Diese reagieren auf mögliche Leitzinsveränderungen besonders stark. Der US-Aktienmarkt wurde etwas belastet.
Der Goldpreis sank auf ein Tagestief von 4.535 US-Dollar je Feinunze (etwa 31,1 Gramm). Zuletzt erholte er sich jedoch auch wieder etwas. Vor den Aussagen von Warsh hatte der Preise noch bei über 4.600 Dollar je Feinunze gelegen. Mögliche Zinserhöhungen belasten Gold tendenziell, da es keine Zinsen abwirft./ngu/jsl/he
(AWP)
