«Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung nehmen vor allem aus jahreszeitlichen Gründen im Juli spürbar zu. Insgesamt setzt sich am Arbeitsmarkt die schwache Entwicklung der letzten Monate fort», sagte Daniel Terzenbach, Mitglied im Vorstand der Bundesagentur.

Stagnation erwartet

Für den Rest des Jahres erwartet er eine weitgehend stagnierende Entwicklung. «Der Herbst wird wieder eine Belebung haben, aber die wird nicht so stark ausfallen wie sonst», sagte der Arbeitsmarktexperte. Angesichts der Umstände in aller Welt, vor allem der Energiepreissituation infolge des länger anhaltenden Krieges in Nahost, sei die Entwicklung in Deutschland aber nicht enttäuschend.

In der Industrie fielen weiterhin jeden Monat 15.000 Arbeitsplätze weg - teilweise werde diese Entwicklung aus anderen Branchen kompensiert. «Unsere Industrie steht weiter vor grossen Herausforderungen. Kriege und Krisen belasten unsere Wirtschaft und unseren Arbeitsmarkt», sagte auch Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD). Die Bundesregierung unterstütze Betriebe und Bürger mit Rekordinvestitionen in Infrastruktur, Forschung und Digitalisierung.

Teure Arbeitslosigkeit

Für die Bundesagentur ist die anhaltende Konjunkturkrise mit seit vier Jahren steigenden Arbeitslosenzahlen jedoch auch ein finanzielles Problem. Terzenbach geht von einem angehäuften Defizit in Höhe von neun bis zehn Milliarden Euro am Jahresende aus.

Für dieses Jahr seien Ausgaben in Höhe von 53 Milliarden Euro geplant gewesen, inzwischen gehe man von 59 Milliarden bis 60 Milliarden aus. Die Steigerungen kommen vor allem durch Mehrausgaben beim Arbeitslosengeld, aber auch beim Kurzarbeitergeld zustande.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund forderte die Bundesregierung auf, der Bundesagentur einen Schuldenerlass zu gewähren. Die Lage am Arbeitsmarkt bleibe schwierig, ein Sparkurs wäre die falsche Antwort. «Gegen hohe Arbeitslosigkeit helfen nur schnelle Vermittlung und gute Arbeisförderung», sagte DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel, die auch im Verwaltungsrat der Bundesagentur sitzt.

Nachfrage nach Arbeitskräften bleibt schwach

Auch die Nachfrage nach Arbeitskräften bleibt schwach. Im Juli waren 653.000 freie Arbeitsstellen bei der Bundesagentur gemeldet. Das sind zwar 25.000 mehr als noch vor einem Jahr, das Angebot bleibt aber insgesamt eher zurückhaltend.

1,108 Millionen Menschen haben nach einer Hochrechnung im Juli Arbeitslosengeld erhalten. Das sind 107.000 mehr als ein Jahr zuvor. Die Zahl der erwerbsfähigen Bürgergeldberechtigten belief sich auf 3,775 Millionen. Das war ein Rückgang um 121.000 Menschen im Vergleich zu Juli 2025. Nicht alle Bürgergeldempfänger sind ohne Job - zum Teil stocken sie die Bezüge aus Arbeitslohn auf, um das Existenzminimum zu erreichen.

Viele junge Leute auf Lehrstellensuche

Auf dem Ausbildungsmarkt haben sich bei den Arbeitsagenturen und Jobcentern 418.000 Bewerberinnen und Bewerber um eine Lehrstelle gemeldet, das ist ein Plus von 4.000 gegenüber Juli 2025. 126.000 haben bis Juli mitgeteilt, dass sie mit ihrer Suche erfolgreich waren. Die BA-Statistik weist auf der anderen Seite 437.000 gemeldete Lehrstellen aus, 35.000 weniger als im Juli 2025.

Terzenbach rief die jungen Männer und Frauen auf, sich ausbilden zu lassen und nicht eine ungelernte Arbeit etwa zum Mindestlohn anzunehmen. Dieser Weg sei vor allem typisch für Migranten, weil die duale Berufsausbildung im nicht deutschsprachigen Ausland oft gar nicht bekannt sei. Die Arbeitgeber rief er auf, Ausbildungsbetriebe an die Bundesagentur zu melden. Bisher erführen die Arbeitsagenturen nur von etwa drei Vierteln des Ausbildungsangebotes./dm/DP/mis

(AWP)