Ausblick Credit Suisse: Quartalsgewinn von 881 Millionen Franken erwartet

Die Grossbank Credit Suisse veröffentlicht am Donnerstag, 13. Februar, die Ergebnisse zum vierten Quartal 2019. Insgesamt haben vierzehn Analysten zum AWP-Konsens beigetragen.
12.02.2020 14:00
Q4 2019E
(in Mio Fr.)            AWP-Konsens   Q3 19A   Q4 18A   

Geschäftsertrag            5'425       5'326    4'801       
Geschäftsaufwand           4'079       4'112    4'147        
Gewinn vor Steuern         1'380       1'142      595        
Reinergebnis                 881         881      259        


2019E 
(in Fr.)                              2018A

Dividende je Aktie        0,2806     0,2625           

FOKUS: Nachdem bei der Credit Suisse die Beschattungsaffäre mit dem Rücktritt von Tidjane Thiam vorerst mehr oder weniger ausgestanden ist, rückt für einmal wieder mehr das Geschäft in den Fokus. Thiams letzter öffentlicher Auftritt an der Bilanzmedienkonferenz am Donnerstag als Chef der Grossbank wird mit einiger Spannung erwartet.

Im üblicherweise schwächeren Schlussquartal dürfte die CS deutlich mehr verdient haben und dürfte auch im Gesamtjahr 2019 einen deutlich höheren Gewinn erzielt haben als im Vorjahr. Dies lässt sich nicht zuletzt am im Dezember in Aussicht gestellten Renditeziel berechnen.

Denn um dies zu erreichen, müsste - gemessen am materiellen Eigenkapital per Ende September - ein Reingewinn von mehr als 3,2 Milliarden Franken erzielt worden sein. Das entspräche einem Ergebnis von mindestens 600 Millionen Franken im vierten Quartal. Den Schätzungen der Analysten zufolge könnte auch noch deutlich mehr drin sein.

Zwei Einmaleffekte werden das Quartalsergebnis begünstigen. Zum einen rechnet die CS aus ihrer Beteiligung an der Schweizer Börse mit einem Vorsteuergewinn von "mindestens 450 Millionen Franken", der allerdings rein buchhalterischer Natur ist. Die Bank hält am Börsenbetreiber SIX 15 Prozent.

Ausserdem wurde bereits angekündigt, dass mindestens ein Immobilienverkauf voraussichtlich noch im vierten Quartal abgeschlossen werde. Die ZKB spricht von der Veräusserung eines Gebäudes in Genf mit einem Gewinn von schätzungsweise 100 Millionen Franken.

Besonderes Augenmerk liegt auch auf dem Abschneiden des Kerngeschäfts, nämlich der Vermögensverwaltung. Die UBS hatte, was das anbelangt, eher enttäuscht, auch wenn das Q4-Ergebnis der Konkurrenz insgesamt positiv überraschte.

Nicht allzu viel Fokus dürfte am Donnerstag auf der Strategie der CS liegen. Zumal der neue Chef Thomas Gottstein - derzeit noch verantwortlich für das Geschäft in der Schweiz - erst einen Tag später offiziell das Ruder übernimmt. Üblicherweise sind an der Bilanzmedienkonferenz - neben CEO und CFO - auch alle weiteren Mitglieder der Konzernleitung anwesend.

Einen radikalen Strategie-Umschwung erwartet vorerst niemand. "Vom neuen CEO wünschen wir uns erstens nach wie vor eine starke Ausrichtung auf das Vermögensverwaltungsgeschäft und zweitens eine dezidierte Kostenkontrolle", schreibt etwa die ZKB. Am Markt fragt man sich ohnehin, wie lange Gottstein CEO bleiben wird, angesichts dessen, dass Urs Rohner lediglich noch bis 2021 Verwaltungsratspräsident bleiben dürfte.

Am Donnerstag will die CS zudem auch über weitere Anträge des Verwaltungsrats an die Generalversammlung am 30. April informieren.

ZIELE: Die Credit Suisse ruderte anlässlich des Investorentags im vergangenen Dezember bei ihren Zielen zurück. Für 2019 wurde eine Rendite auf dem materiellen Eigenkapital (RoTE) von "über 8 Prozent" in Aussicht gestellt. 2018 lag sie bei 5,4 Prozent. Bei dieser Kennzahl, an der die Bank ihre Profitabilität misst, werden vom Eigenkapital Goodwill und weitere immaterielle Vermögenswerte abgezogen.

2020 soll sich die Kapitalrendite dann "bei günstigen Marktbedingungen" um rund 175 Basispunkte verbessern. Das würde per Jahresende 2020 einen Wert von etwa 10 Prozent bedeuten. Sollten die Marktbedingungen für ein Wachstum der Erträge günstig sein, ist laut der Bank gar eine Rendite von rund 11 Prozent möglich. Mittelfristig sind "über 12 Prozent" das Ziel.

PRO MEMORIA: Im September 2019 kam heraus, dass die Credit Suisse ihren früheren Top-Manager Iqbal Khan von Privatdetektiven beschatten liess, nachdem dieser angekündigt hatte zur UBS zu wechseln. Einer internen Untersuchung zufolge soll COO Pierre-Olivier Bouée in Eigenregie gehandelt und Konzernchef Thiam nichts davon gewusst haben. Später flog dann auf, dass es kein Einzelfall war und Bouée auch den früheren Personalchef Peter Goerke überwachen liess.

Die Bank sprach von einem schwerwiegenden Reputationsschaden durch die ganze Affäre. Am vergangenen Freitag war Thiam als Chef dann per Ende dieser Woche zurückgetreten. Ab Freitag ist Gottstein in Charge. Dessen Posten übernimmt wiederum André Helfenstein - bisher verantwortlich für das Geschäft mit institutionellen Kunden in der Schweiz, der damit auch in die Konzernleitung eintritt.

KOSTEN: In Sachen Kosten hiess es zuletzt, die Kostendisziplin solle beibehalten werden. Bis Ende 2018 hatte die Bank ihre operative Kostenbasis auf 16,5 Milliarden Franken gesenkt. Dabei handelt es sich um den Geschäftsaufwand bereinigt um verschiedene Kosten unter anderem für Restrukturierung, Rechtsstreitigkeiten oder durch den Verkauf von Geschäftsbereichen.

Diese Aufwand wollte/will die CS auch 2019 und 2020 unter 17 Milliarden halten. Ausserdem soll die Effizienz der Bank jedes Jahr um 2 bis 3 Prozent steigern.

KAPITALISIERUNG: Die Kapitalquoten sollen bis 2020 bei über 12,5 Prozent (harte CET1-Kernkapitalquote) beziehungsweise 3,5 Prozent (CET1 Leverage Ratio) liegen. Die harte Kernkapitalquote lag Ende September 2019 bei 12,4 Prozent und die entsprechende Leverage Ratio, also die nicht risikogewichtete Verschuldungsquote, bei 4,1 Prozent.

KAPITALRÜCKFÜHRUNG: Die Bank hält zudem an ihren Ausschüttungsplänen fest: Für die Geschäftsjahre 2019 und 2020 soll jeweils mindestens 50 Prozent des Reingewinns an die Investoren gehen. Zum einen soll die Dividende jährlich um mindestens 5 Prozent angehoben werden. Für 2019 würde sich damit eine Ausschüttung von mindestens 0,2756 Franken je Aktie ergeben - nach 0,2625 Franken für das Geschäftsjahr 2018.

Gleichzeitig will die Credit Suisse über Aktienrückkäufe Kapital an die Aktionäre zurückführen. 2019 wurden Aktien für rund 1 Milliarde Franken zurückgekauft. Für das laufende Jahr genehmigte der Verwaltungsrat bereits einen Rückkauf von bis zu 1,5 Milliarden Franken. Am Ende sollen es 2020 mindestens 1 Milliarde Franken werden.

AKTIENKURS: Credit Suisse kosten 13,11 Franken je Aktie (Stand Dienstag 14.40 Uhr). Im vergangenen Jahr legten die Papiere gut ein Fünftel zu. Gegenüber dem Zeitpunkt des Antritts von Thiam Anfang Juli 2015 notieren sie allerdings knapp 40 Prozent tiefer. Bei der UBS beträgt das Minus im gleichen Zeitraum aber auch 35 Prozent.

Homepage: www.credit-suisse.com

an/jl/ys

(AWP)

 

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