Bei so einer Entwicklung werde die Wirtschaftsleistung (das reale Bruttoinlandsprodukt) ab 2050 konstant rund zehn Prozent niedriger liegen als in einem Szenario, in dem die Handelskooperation ausgebaut wird, schreibt die WTO in einer Studie. Der Titel: «Ein entscheidender Moment für das Welthandelssystem».

Die Exporte dürften nach der Simulation der WTO im Szenario «verstärkte Kooperation» ab 2050 pro Jahr fast 45 Prozent höher liegen als im Szenario, in dem Zölle nur noch innerhalb bestimmter Freihandelszonen niedrig gehalten werden. Mit «verstärkter Kooperation» ist ein Ausbau von Regeln wie in der WTO gemeint, in der alle Länder untereinander die Zölle und Kosten des internationalen Handels senken.

Schwerwiegende Turbulenzen

«Die globale Handelspolitik und die WTO erleben derzeit die schwerwiegendsten und anhaltenden Turbulenzen seit der Gründung des multilateralen Handelssystems vor 80 Jahren», heisst es in dem Bericht. Dass die Weltwirtschaft stärker integriert sei, habe neue Konfliktquellen geschaffen und Freihandelsverhandlungen teils erschwert. Die WTO gibt es seit 1995, ihr Vorläufer war das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen (GATT) von 1947.

Zwar finden noch 72 Prozent des weltweiten Warenhandels noch nach den WTO-Freihandelsregeln statt, also dem Meistbegünstigungsprinzip (MFN). Das besagt, dass ein Mitgliedsland Handelsvorteile, die es einem anderen WTO-Mitglied gewährt, auch mit wenigen Ausnahmen allen anderen zugesteht. Allerdings waren es vor zwei Jahren noch 80 Prozent, wie WTO-Chefökonom Robert Staiger sagt.

Neue Regeln nötig

Die bei der Gründung der WTO 1995 ausgehandelten Regeln müssten aktualisiert werden, weil die Welt sich stark geändert habe. So seien viele Länder hinzugekommen, unter anderem China 2001.

«Es geht darum, wie man Regeln formuliert, die eine erfolgreiche Schnittstelle zwischen Volkswirtschaften schaffen, die sich in vielerlei Hinsicht stark unterscheiden», sagte Staiger der dpa. «Einige sind stärker staatlich gelenkt, andere eher marktorientiert; einige verfolgen eine stärker interventionistische Politik, andere eine weniger interventionistische; einige weisen einen höheren Entwicklungsstand auf, andere einen geringeren.» Wie neue Regeln aussehen sollten, müssten die 166 Mitgliedsländer aber selbst aushandeln, die zusammen 98 Prozent des Welthandels repräsentieren. Staiger nennt keine Vorschläge.

WTO in der Krise

Die WTO steckt seit Jahren in der Krise. Zuletzt wurde 2001 eine grosse multilaterale Verhandlungsrunde gestartet, die Doha-Runde. Sie ist aber gescheitert. Sie sollte Entwicklungs- und Schwellenländer stärker in den Welthandel integrieren. Unter anderem kritisieren viele Länder, die mit China auf dem Weltmarkt konkurrieren, dass das Land bis heute mit dem Status «Entwicklungsland» und damit verbundenen Vorteilen in der WTO ist. Ebenso ist umstritten, wie mit der Staatskontrolle vieler Firmen in manchen Ländern umgegangen werden soll. Weder die Reformbemühungen der Botschafter am Sitz in Genf noch die jüngsten Ministertreffen haben Fortschritte gebracht./oe/DP/jha

(AWP)