Zenith bestätigte am Donnerstag der Nachrichtenagentur AWP entsprechende Berichte der Zeitungen «Arcinfo» und «Le Temps». Das Unternehmen habe im Rahmen einer strategischen Neuausrichtung ein Konsultationsverfahren für eine Massenentlassung eingeleitet, erklärte eine Sprecherin. Das Verfahren dauert drei Wochen. Bis zu dessen Abschluss will Zenith keine weiteren Angaben machen.
Laut einer unternehmensinternen Quelle, die AWP zitierte, sind in der Uhrenmanufaktur in Le Locle rund 100 der insgesamt 196 Beschäftigten betroffen. Im internationalen Vertriebsnetz stehen weitere 101 Stellen auf dem Spiel.
Konzentration auf oberstes Luxussegment
Zenith will sich künftig auf das oberste Luxussegment konzentrieren. Die Neuausrichtung soll 2029 abgeschlossen sein. Sie sei eine Frage des Überlebens, erklärte die von AWP zitierte Quelle. Die bisherigen Produktionsmengen entsprächen nicht mehr der Nachfrage. Abgesehen von einem Aufschwung nach der Corona-Pandemie schreibe die Marke seit Jahren Verluste, obwohl sich einzelne Kollektionen gut verkauften.
Die Beschäftigten erfuhren am Donnerstagmorgen von den Plänen. «Wir durchleben in unserem mittleren Preissegment eine sehr schwierige Zeit», erklärte Zenith-Chef Benoît de Clerck laut «Arcinfo» gegenüber der Belegschaft.
Als Gründe nannte er den starken Franken, die US-Zölle und den Rückgang in wichtigen Absatzmärkten wie dem Nahen Osten und Asien. Es handle sich nicht um eine vorübergehende Schwächephase, sondern um eine dauerhafte Veränderung des Marktes.
Hinzu kämen strukturelle Probleme, erklärte die von AWP zitierte Quelle. Die Produktions- und Vertriebsorganisation sei überdimensioniert und verursache hohe Kosten.
Kein Verkauf geplant
Gerüchte über einen Verkauf der defizitären Uhrenmarke hatte LVMH bereits im vergangenen Januar entschieden zurückgewiesen. Auch die von AWP zitierte Quelle aus dem Umfeld der Geschäftsleitung bestritt entsprechende Pläne.
Die Gewerkschaft Unia will sich am kommenden Montag mit den Beschäftigten treffen, wie «Arcinfo» berichtete.
(AWP)
