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Die gute Nachricht für die leidgeplagten Aktionärinnen und Aktionäre von Idorsia zuerst: Das Pharmaunternehmen aus Allschwil hat noch immer etwas mehr als 300 Millionen Franken an liquiden Mitteln in den Büchern – der kürzlich getroffenen Vereinbarung mit der amerikanischen Viatris sei Dank.

Die schlechte Nachricht: Schon Mitte Juli wird eine Wandelanleihe im Umfang von 200 Millionen Franken fällig. Im Hinblick darauf befinden sich die Baselbieter im Gespräch mit den Gläubigern dieser Anleihe. Denn schliesslich verschlingt das Tagesgeschäft unter dem Strich ja auch immer noch Geld.

Und an grössere Medikamentenumsätze ist auch weiterhin nicht zu denken, wie das Ergebnis für das zurückliegende erste Quartal zeigt. Magere 10 Millionen Franken setzte das Unternehmen zwischen Januar und März um und schrieb dabei einen operativen Verlust (EBIT) von 85 Millionen Franken.

Da überrascht es mich nicht, wenn Idorsia in einer Mitteilung an die Medien davor warnt, dass ein Zahlungsausfall nicht ausgeschlossen werden kann und Zweifel an der Unternehmensfortführung wachwerden könnten. Das sind ziemlich dramatische Worte, welche die Baselbieter da wählen.

Ich könnte mir allerdings gut vorstellen, dass diese Worte durchaus Kalkül haben könnten. Versucht das Unternehmen angesichts der laufenden Gespräche mit den Anleihegläubigern Druck aufzubauen? Dabei könnten kurzfristige Kursverwerfungen bei den eigenen Aktien durchaus in Kauf genommen werden. Das sind Vermutungen. Wurden heute Mittwoch vorbörslich noch höhere Kurse gestellt, verlieren sie mittlerweile mehr als 17 Prozent.

Kursentwicklung der Idorsia-Aktien im bisherigen Tagesverlauf (Quelle: www.cash.ch)

Vontobel-Analyst Stefan Schneider trifft den Nagel auf den Kopf, wenn er schreibt, dass beim Medikamentenumsatz weiterhin Flaute herrscht und die Betriebskosten trotz Sparbemühungen noch immer hoch sind. Für ihn erschliesst sich daher nicht, wie das Unternehmen seinen laufenden Betrieb finanzieren will, zumal es die Rechte an Aprocitentan zurückgekauft hat und in der zweiten Jahreshälfte auf den Markt bringen will.

Solche Markteinführungen seien mit erheblichen Kosten verbunden, wie Schneider zu bedenken gibt. Er macht kein Geheimnis daraus, dass eine Markteinführung von Aprocitentan ohne die volle finanzielle Unterstützung eines Partners scheitern könnte. Die Abdeckung der Aktien hat der Vontobel-Analyst schon vor Wochen ausgesetzt und rät Anlegerinnen und Anlegern wie bis anhin dazu, an der Seitenlinie zu verharren.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass Idorsia für Aprocitentan einen finanzstarken Partner mit an Bord holt. Ausserdem kann ich mir fast nicht vorstellen, dass das Gründer-Ehepaar Jean-Paul und Martine Clozel ihr Unternehmen einfach so in die Zahlungsunfähigkeit schlittern lässt. Ihnen floss aus dem Verkauf von Actelion an die amerikanische Johnson & Johnson ja bekanntlich ein Milliardenbetrag zu.

Meines Erachtens trägt das Management eine Mitschuld an der momentanen Miesere. Als die Aktien noch 10 Franken und mehr kosteten, sträubte man sich nämlich gegen eine weitere Kapitalerhöhung und liess einen geeigneten Zeitpunkt einfach so verstreichen. Rückblickend ist man bekanntlich immer schlauer.

Kurszerfall bei den Aktien von Idorsia in den letzten Jahren (Quelle: www.cash.ch)

Gerade die Aktionärinnen und Aktionäre sollten sich ihrer Sache jedoch nicht zu sicher sein, könnten sie doch als die Verlierer aus einer Bilanzsanierung hervorgehen. Vor diesem Hintergrund bin ich mir nicht sicher, inwiefern da die besser gestellten Anleihegläubiger zu Zugeständnissen – beispielsweise einer (Teil-)Wandlung in Aktien – bereit sind.

Bei einer Bilanzsanierung hätten die Leerverkäufer wohl gewonnen. Wie Erhebungen der Beratungsfirma S&P Global zeigen, wetteten sie Ende März mit knapp 22 Prozent aller ausstehenden Aktien gegen das Pharmaunternehmen. Bei rund einem Drittel davon dürfte es sich um Absicherungstransaktionen seitens von Wandelanleihegläubigern handeln.

Die Aktien von Idorsia bleiben auch weiterhin ein Spielball der Spekulanten und sind mit beträchtlichen Risiken verbunden.

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