Handelskonflikte, geopolitische Spannungen und neue Technologien verändern die Weltwirtschaft. Das betrifft Schweizer Anleger: Viele börsenkotierte Unternehmen erzielen einen grossen Teil ihres Umsatzes im Ausland.
2025 exportierte die Schweiz gemäss Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit BAZG Waren im Wert von rund 287 Milliarden Franken (konjunkturelles Total). Mehr als die Hälfte entfiel auf chemische und pharmazeutische Produkte. Politische Entscheidungen im Ausland beeinflussen damit auch Schweizer Unternehmen.
Vier Entwicklungen zeigen, welche Chancen und Risiken Anleger im Blick behalten sollten.
1. Künstliche Intelligenz und die Abhängigkeit von Taiwan
Künstliche Intelligenz treibt Investitionen in Rechenzentren, Halbleiter und digitale Infrastruktur an. Doch die Herstellung modernster Hochleistungschips ist stark auf wenige Unternehmen konzentriert. Eine Schlüsselrolle spielt der taiwanische Hersteller TSMC.
Spannungen zwischen China und Taiwan sowie Exportbeschränkungen für Chips verdeutlichen die Risiken. Auch Strombedarf und hohe Investitionskosten können das Wachstum bremsen.
Für Schweizer Anleger lohnt sich daher ein Blick über die grossen US-Technologiekonzerne hinaus. Auch Unternehmen aus den Bereichen Industrie, Elektrotechnik, Automation oder Präzisionsfertigung könnten indirekt von den Investitionen in die digitale Infrastruktur profitieren. Gleichzeitig eröffnet der produktive Einsatz von KI vielen Unternehmen die Möglichkeit, Prozesse effizienter zu gestalten und Kosten zu senken.
Entscheidend wird jedoch sein, ob die hohen Erwartungen an die Technologie langfristig auch durch entsprechende Gewinnsteigerungen gerechtfertigt werden. Gerade bei stark gestiegenen Technologiewerten können Enttäuschungen zu erheblichen Kurskorrekturen führen.
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2. Kupfer als Schlüsselrohstoff der Elektrifizierung
Stromnetze, Elektrofahrzeuge, Windkraftanlagen und Rechenzentren benötigen Kupfer. Die Internationale Energieagentur (IEA) rechnet langfristig mit einer deutlich steigenden Nachfrage. Zugleich dauert es oft viele Jahre, neue Minen zu erschliessen. Förderung und Verarbeitung sind zudem geografisch konzentriert.
Für die Schweizer Wirtschaft ist diese Entwicklung besonders relevant. Unternehmen aus der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie sind sowohl von den Rohstoffpreisen als auch von der weltweiten Investitionstätigkeit abhängig.
Steigende Kupferpreise können Produzenten und Rohstoffunternehmen begünstigen, während sie bei industriellen Abnehmern die Kosten erhöhen. Umgekehrt kann eine schwächere Weltkonjunktur die Nachfrage und damit auch die Preise unter Druck setzen.
Kupfer ist deshalb nicht nur ein möglicher Profiteur der Energiewende, sondern gilt auch als wichtiger Gradmesser für die Entwicklung der Weltwirtschaft.
3. Sicherheit wird wirtschaftlich wichtiger
Die geopolitischen Spannungen der vergangenen Jahre haben die Prioritäten vieler Staaten verändert. Gemäss dem Friedensforschungsinstitut SIPRI erreichten die weltweiten Militärausgaben 2025 rund 2,89 Billionen US-Dollar. Die Militärausgaben in Europa stiegen gegenüber dem Vorjahr real um 14 Prozent.
Neben Rüstungsunternehmen können Anbieter von Cybersicherheit, Sensorik, Satellitentechnik und sicherheitsrelevanter Infrastruktur von zusätzlichen Investitionen profitieren. Auch Schweizer Technologie- und Industrieunternehmen sind in einzelnen dieser Bereiche tätig.
Die Nachfrage hängt jedoch von politischen Beschlüssen und Budgets ab. Manche Aktienkurse spiegeln bereits hohe Erwartungen wider.
4. Indien gewinnt für die Schweiz an Bedeutung
Indien überholte China 2023 als bevölkerungsreichstes Land der Welt. Seine vergleichsweise junge Bevölkerung, der wachsende Binnenmarkt und Infrastrukturinvestitionen bieten langfristige Chancen. Internationale Unternehmen diversifizieren zudem ihre Produktionsstandorte.
Für die Schweiz ist die Verbindung konkreter geworden: Seit dem 1. Oktober 2025 ist das Freihandelsabkommen zwischen Indien und den EFTA-Staaten in Kraft. Es verbessert den Marktzugang für Schweizer Unternehmen. Davon könnten insbesondere exportorientierte Branchen profitieren.
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Der Schweizer Franken: Ein oft unterschätzter Faktor
Bei internationalen Anlagen kommt für Schweizer Investoren eine zusätzliche Dimension hinzu: das Währungsrisiko. Steigt etwa der Franken gegenüber dem US-Dollar, kann dies Dollar-Gewinne teilweise oder ganz aufzehren. Umgekehrt kann eine Frankenabwertung die Rendite erhöhen.
Gleichzeitig beeinflussen Wechselkurse auch die Wettbewerbsfähigkeit exportorientierter Schweizer Unternehmen. Die Schweizerische Nationalbank beliess ihren Leitzins daher im September 2026 unverändert bei 0 Prozent und verwies weiterhin auf die Unsicherheiten im internationalen Umfeld.
Für Anleger bedeutet dies: Neben der geografischen und sektoralen Diversifikation verdient auch die Währungszusammensetzung des Portfolios Aufmerksamkeit.
Was Anleger daraus mitnehmen können
Künstliche Intelligenz, Rohstoffe, Sicherheit und Indien stehen stellvertretend für langfristige Veränderungen der Weltwirtschaft. Sie schaffen neue Absatzmärkte, verändern Lieferketten und beeinflussen die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen, auch in der Schweiz.
Wer sein Portfolio ausschliesslich auf den heimischen Aktienmarkt ausrichtet, ist nicht automatisch vor internationalen Risiken geschützt. Gleichzeitig kann eine breite internationale Streuung helfen, die Abhängigkeit von einzelnen Unternehmen, Branchen oder Wirtschaftsregionen zu reduzieren.
Entscheidend ist jedoch nicht, jedem neuen Trend hinterherzulaufen. Nachhaltiger Anlageerfolg basiert auf soliden Unternehmensdaten, angemessenen Bewertungen und einem Anlagehorizont, der zu den persönlichen Zielen passt.
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