Die sieben Alternativen zur Pensionierung

Die einen träumen jahrelang davon, die anderen fürchten sich vor dem Schritt: Die Pensionierung. Sieben Alternativen, damit der Übertritt in das Rentenalter nicht zum Schock-Erlebnis wird.
12.06.2016 23:00
Von Ivo Ruch
Senioren haben viel freie Zeit, die sie mit neuen Beschäftigungen füllen können.
Senioren haben viel freie Zeit, die sie mit neuen Beschäftigungen füllen können.
Bild: ©drubig-photo/fotolia.com

Herr Meier ist seit vielen Jahren Abteilungsleiter eines Schweizer KMU. Er ist geistig auf der Höhe, wird bei den Mitarbeitern aufgrund seiner Erfahrung sehr geschätzt - und er fühlt sich körperlich fit. Dennoch muss Herr Meier – pünktlich mit 65 – im Herbst in Rente gehen.

"Ich würde gerne weiter arbeiten", sagt er. Doch auch wenn der Ruhestand für ihn persönlich zu früh kommt, spricht sein Arbeitsvertrag eine deutliche Sprache.

So oder ähnlich geht es vielen Menschen in der Schweiz, die sich mit dem Rückzug aus dem Arbeitsleben konfrontiert sehen. Sie verlassen die Arbeitswelt, sind aber noch nicht bereit, den Rest ihres Lebens unter Palmen oder im Lehnstuhl zu verbringen. Immerhin leben Schweizerinnen und Schweizer nach dem ordentlichen Pensionierungsalter von 65 (für Männer) noch rund 20 Jahre weiter.

Dabei spielt der soziale Aspekt spielt eine wichtige Rolle. Denn mit dem Übertritt in den Ruhestand bricht ein wichtiger Teil des Alltags einfach weg. Hier einige Ratschläge, wie der Übergang von Arbeit zu Pensionierung weniger abrupt gestaltet werden kann.

1. Stufenweise Pensionierung

Ein gradueller Übertritt in den Ruhestand wäre für viele Personen das ideale Szenario: eine sukzessive Reduktion der Arbeitsstunden oder -wochen. Auch eine neue Rolle als Mentor oder Berater kann den AHV-Schock abfedern. Eine Weiterbeschäftigung über das momentane Rentenalter von 65 hinaus wäre auch aus Sicht der Vorsorgeeinrichtungen willkommen. Der liberale Think Tank Avenir Suisse sehen in den Senioren gar einen Trumpf gegen den Fachkräftemangel in der Schweiz.

Doch das Problem dabei: Nur wenige Unternehmen bieten Hand dazu und zeigen sich wenig flexibel. Schon heute haben ältere Arbeitnehmer grosse Mühe auf dem Jobmarkt. Der Trend zu mehr Digitalisierung und Automatisierung dürfte dies noch verstärken.

2. Teilzeit-Ruhestand

Wenn es beim bisherigen Arbeitgeber keine Möglichkeit für eine weitere Anstellung gibt, kann ein Teilzeit-Job bei einer anderen Firma infrage kommen. Damit kommt weiterhin ein bisschen Geld zusammen und der Alltag bleibt abwechslungsreich – trotzdem kommt die Freizeit nicht zu kurz. In Bezug auf Job-Qualität sind Einbussen allerdings sehr wahrscheinlich.

In Japan, wo die Lebenserwartung noch höher ist als in der Schweiz, sind deshalb viele Rentner in der Verkehrsregelung, der Gebäudeaufsicht oder in Supermärkten im Einsatz. Es gibt Vermittlungsportale, die sich auf Rentner spezialisiert haben. Dazu gehören arbeitsrentner.ch, silberpanther.ch oder rentarentner.ch. In Bezug auf Vorsorgeleistungen sollten aber einige Dinge beachtet werden. Eine gute Übersicht finden Sie hier.

3. Zweite Karriere

Wenn die mangelnde Lust an der Arbeit der Hauptgrund für eine möglichst baldige Pensionierung ist, dann könnte eine zweite Karriere eine Option sein. Wollten Sie nicht schon lange mal als Weinbauer arbeiten oder im Kunsthaus die Meisterwerke beaufsichtigen?

4. Zurück in die Schule

Endlich Zeit für den Italienisch-Sprachkurs oder die Photoshop-Weiterbildung: Der berufliche Ruhestand eignet sich hervorragend für eine intellektuelle Revitalisierung. Viele Rentner haben auch sehr gute Erinnerungen an ihre Studienzeit. Weshalb also nicht nochmals zurück an die Universität? Gerade geisteswissenschaftliche Fächer sind bei Pensionären sehr beliebt. In Vorlesungen zur Kunstgeschichte besetzen Personen über 65 meistens die ersten zwei Reihen des Hörsaales. Auch die Volkshochschule bietet eine breite Palette an Kursen an.

5. Unternehmertum

Wer bis 65 arbeitet, hat sich zwangsläufig eine Menge Fachwissen und ein wertvolles Netzwerk angeeignet. Es ist schade, wenn dieses Know-how von heute auf morgen nicht mehr genutzt wird. Sich selbstständig zu machen und eine eigene Firma zu gründen heisst, die Arbeit unabhängig einzuteilen zu können und sein eigener Chef zu sein. Zudem kann man sich endlich auf jene Aspekte der Arbeit konzentrieren, die einem richtig Spass machen.

6. Steckenpferd ausbauen

Keine Frage, die Freizeit kommt nach der Pensionierung nicht zu kurz. Die verschiedenen Passionen, für die immer zu wenig Zeit war, können endlich ausgiebig gepflegt werden. Wieso das Hobby nicht zu einem Job ausbauen? Wer handwerklich begabt ist, kann einen Onlineshop eröffnen. Wer musikalisches Talent besitzt, bietet Unterricht an.

7. Sabbatical

Es gibt eine wachsende Zahl Firmen, die ihren Mitarbeitenden eine oder mehrere längere Auszeiten erlauben. Wer diese Möglichkeit hat, sollte davon schon vor der Pensionierung Gebrauch machen. So entsteht eine Idee, wie sich das Leben als Senior anfühlt. Zudem gewinnt man durch ein Sabbatical neue Energie und Inspiration für den Arbeitsalltag.