«Nur Obligationen und Zinskonten für Vorsorge ist der falsche Weg»

Die UBS empfiehlt Vorsorgesparern mehr Wertschriften für die Altersfinanzierung. Bank-Ökonomin Veronica Weisser äussert sich zu Erwartungshaltungen, Verzinsungsaussichten in der Säule 3a und zur Angst vor hohen Risiken.
13.09.2016 13:39
Von Marc Forster
Veronica Weisser ist für die UBS-Vermögensverwaltung als Ökonomin und Vorsorgespezialistin tätig.
Bild: cash

30 Prozent der Schweizer erwarten laut einer Studie der UBS, dass sie nach der Pensionierung mit einem Einkommen rechnen können, das noch mindestens 90 Prozent ihres letzten Lohns als Arbeitstätige ausmacht. Für Veronica Weisser ist dies mehr als optimistisch und deutlich zu hoch gegriffen, wie sei im im cash-Video-Interview sagt: "Für zukünftige Generationen dürfte man im besten Fall mit 50 bis 65 Prozent rechnen." Es gibt laut der UBS-Expertin aber keine Garantie, dass dies nicht gar noch weiter sinken könnte.

Die zu hohen Erwartungen haben laut der Ökonomin und Vorsorgespezialistin damit zu tun, dass die junge Generation den Lebensstandard der heute von der Rente lebenden Bevölkerungsgruppe auch als künftigen Standard ansieht. Grundlage der Vorstellungen seien die Eltern und Grosseltern: "Wir wissen, das es den heutigen Rentnern sehr gut geht." Teilweise können selbst Pensionierte noch sparen, erhalten also mehr Rente, als ihr Bedarf ausmache.

Säule-3a-Verzinsung geht gegen Null

Doch dieses Bild trügt offensichtlich. Je jünger man sei, desto höher seien auch die potentiellen Einbussen, sagt Weisser. Die UBS hat die Umfrage im Juli gemeinsam mit der dem Institut gfs-zürich erstellt. Dabei wurden 1200 Teilnehmer im Alter von 18 bis 84 Jahren in der deutsch-, west- und italienischsprachigen Schweiz befragt. Dabei zeigten sich regionale Unterschiede: So hat die Bevölkerung in der Westschweiz und im Tessin höhere Erwartungen als die in der Deutschschweiz.

Mit Zinsen im Minusbereich sinken zum Beispiel die Verzinsungen der beliebten Säule 3a: "Wir haben dort die Zinskonten, wo die Rendite 2010 noch zwei Prozent betrug, davor natürlich noch viel mehr. Heute ist die durchschnittliche Rendite unter 0,5 Prozent und da müssen wir sagen, dass die Renditen auf den Zinskonten sehr wahrscheinlich noch weiter sinken werden", sagt Weisser.

In die Säule 3a zahlen 52 Prozent der Teilnehmer der Teilnehmer der UBS/gfs-Umfrage ein. Als Hauptgrund für diese Wahl nennen aber viele den steueroptimierenden Charakter der Säule-3a-Systeme: Die Einzahlung - maximal gehen aktuell 6768 Franken im Jahr - lässt sich steuerlich abziehen und muss erst bei Bezug versteuert werden. Der Bezug ist frühestens fünf Jahre vor der Pensionierung möglich und wer mehrere Säule-3a-Konten hat, kann sich diese gestaffelt auszahlen lassen.

Inflations-Risiko bei Zinskonten

Dennoch rät die UBS-Ökonomin zu Finanzmarktanlagen. Bei der jungen Generation sieht Weisser aber einen Vorteil, wenn sie - wie die UBS generell allen Vorsorgesparern rät - zu mehr Wertschriften greift. Der Anlagehorizont sei dann besonders lang, was die allgemeinen Anlagerisiken glätte: "Ein Vorsorgesparer interessiert sich dafür, was am Ende des Anlagehorizonts bleibt."

Sicher anlegen bedeute nicht gleichzeitig Anlegen in Obligationen und Zinskonten: "Das ist meiner Ansicht nach der völlig falsche Ansatz und ist sogar grossen Risiken ausgesetzt. Wenn sich etwa nur ein bisschen Inflation, würden solche Ersparnisse sogar schnell eliminiert.

"Viel sicherer, wenn man einen langen Anlagehorizont hat, ist anzulegen: In Wertschriften, Aktien, Immobilien, durchaus auch einige Obligationen, so dass man mit einem diversifizierten Portfolio langfristige Renditen erreichen kann." Trotz der Schwankungen bleibe am Ende ein Gewinn.

Im cash-Video-Interview sagt Veronica Weisser auch, welche Altersgruppe den grössen Vorsorge-Risiken ausgesetzt ist und warum Vorsorge oft mit Vorsicht gleichgesetzt wird.

(Mit Material der Nachrichtenagentur AWP)