Vorsorge - So viel Geld brauche ich nach der Pensionierung

Mit der Rente beginnt bei vielen Pensionierten ein Vermögensverzehr. Eine frühzeitige Finanzplanung hilft, diesbezüglich Ängste abzubauen.
29.01.2018 18:55
Von Marc Forster
Zahlen über Zahlen: Die Finanzierung des Alters sollte durchgerechnet werden.
Zahlen über Zahlen: Die Finanzierung des Alters sollte durchgerechnet werden.
Bild: Pixabay

Statistisch gesehen verbleiben einem Menschen nach der Pensionierung noch etwa ein Viertel der Lebenszeit. In dieser Phase leben Rentnerinnen und Renter von der Penionskasse und der AHV sowie je nach dem weiteren Einnahmequellen. Tatsache ist aber: Eine grosse Zahl von Pensionierten beginnt mit dem Übertritt in den Ruhestand damit, Vermögen aufzubrauchen. Dies ist ein beunruhigender Gedanke - den Schrecken verliert er dann, wenn eine saubere und ehrliche Finanzplanung vorliegt.

Eine solche sollte in den Lebensjahren zwischen 50 und 55 vorgenommen werden. Unser Rechenbeispiel geht von einem Mann aus, der im Alter von 65 Jahren in Rente geht. Während er im Berufsleben 92'000 Franken im Jahr verdiente, kommt er mit AHV- und Pensionskassenrente auf Einkünfte von 72'000 Franken. Die PK-Rente lässt sich nach Wunsch aufbessern: Wohlüberlegte Einkäufe in die Pensionskasse, die während der Zeit der Berufstätigkeit möglich sind, erhöhen die Bezüge.

Angesichts dieses Unterschieds zwischen bisherigem Lohn und künftigen Altersbezügen zeigt sich aber auch, dass die übrigen Einnahmen eine wichtige Rolle spielen, wenn es um die Stabilisierung der Vermögenssituation im Alter geht: Weitere Einnahmen wie Zinsen, Dividenden oder Erträge aus dem Handel mit Aktien oder anderen Finanzanlagen polstern die Einkommenssituation unter Umständen erheblich auf. Wer beispielsweise ein Aktienpaket im Wert von 20'000 Franken hat, kommt bei einer Performance von 15 Prozent im Jahr - so entwickelte sich der Schweizer Leitindex SMI im vergangenen Jahr - in den Genuss einer Wertsteigerung von 3000 Franken. Wer gar Einnahmen aus der Vermietung einer Immobilie hat, steht in der Regel noch besser da.

Einnahmen- und Ausgabenbilanz eines Mannes mit Pensionsalter 65

Alter 63 64 65 66 67
Einnahmen (Fr.)          
Einkommen 92'000 92'000      
AHV-Rente     25'000 25'000 25'000
Pensionskasse     47'000 47'000 48'000
weitere Einnahmen 8000 8000 8000 8000 8000
Total 100'000 100'000 80'000 80'000 80'000

Quelle: cash Pensionscoach

Demgegenüber stellen sich die Ausgaben wie folgt dar:

Alter 63 64 65 66 67
Ausgaben (Fr.)          
Lebenshaltungskosten 45'000 45'000 40'000 40'000 40'000
Miete/Versicherungen 25'000 25'000 25'000 25'000 25'000
Krankenkasse 4000 4000 4000 4000 4000
Grössere Anschaffung/Ausgabe       20'000  
Steuern/Abgaben 18'000 18'000 15'000 15'000 15'000
Total 92'000 92'000 84'000 104'000 84'000
Sparteil/Finanzierungslücke 8000 8000 -4000 -24'000 -4000
Finanzvermögen 396'000 404'000 400'000 376'000 372'000

Quelle: cash Pensionscoach/cash.ch

Bei den Lebenshaltungskosten wird davon ausgegangen, dass sie mit dem Pensionsalter sinken. Berufsbedingte Ausgaben beispielsweise fallen weg. Auch wenn man annimmt, dass Fixkosten wie Miete, Versicherungen und die Krankenkassenbeiträge stabil bleiben - es muss damit gerechnet werden, dass ausserordentliche Ausgaben anfallen. Dies kann eine grössere Anschaffung wie der Kauf eines Autos sein, eine längere Reise, Renovationen an einer Immobilie, aber vor allem auch die eigene Kostenbelastung bei der Gesundheit, etwa bei Operationen und längeren Spitalaufenthalten.

Die Belastung mit Steuern sinkt mit der Pensionierung in der Regel, weil das Einkommen tiefer ist. Allerdings unterschätzen viele den positiven Effekt, weil umgekehrt die berufsbedingen Ausgaben nicht mehr in der Steuererklärung angeben werden können.

Bei den Ausgaben kommen noch andere Punkte dazu, die oft wenig beachtet werden, wie cash Pensionscoach Gabor Gaspar sagt: "Bei den Ausgaben ist unbedingt eine Inflationsrate einzuberechnen." Wer im Monat 5000 Franken ausgibt, braucht innerhalb von zehn Jahren 6100 Franken, wenn die Inflationsrate 2 Prozent beträgt. 2017 betrug die Teuerung in der Schweiz gemäss dem Staatssekretariat für Wirtschaft Seco nur 0,5 Prozent, für 2018 wird sie bei 0,3 Prozent prognostiziert. Die höhere Annahme von 2 Prozent ist aber gerechtfertigt: Über die langen Zeiträume hinweg, wie sie bei der Finanzplanung fürs Alter eine Rolle spielen, kann man eine solche volkswirtschaftliche Kennzahl nicht verlässlich voraussagen.

Nach der Gegenüberstellung von Einnahmen und Ausgaben wird ersichtlich, was für Sparanteile entstehen (noch während der Berufstätigkeit), beziehungweise wie Vermögen reduziert wird (Finanzierungslücke nach der Pensionierung). Je höher das Finanzvermögen zum Zeitpunkt der Pensionierung ausfällt und je genauer die späteren Ausgaben eingeschätzt werden können, desto gelassener können Pensonierte dem langsamen Verzehr des Vermögens entgegensehen.

Sparen lohnt sich

Wichtig für eine entspannte Finanzsituation im Alter ist die Höhe des Vermögens bei der Pensionierung. Sparanstrenungen während der Berufszeit zahlen sich aus. Dazu gehören Sparen auf dem Konto, Fondsparpläne, Lebensversicherungen oder die steueroptimierende Säule 3a.

Wer Geld aus der Säule 3a bezieht, polstert das Vermögen unter Umständen noch beträchlich auf. Wer 27 Jahre lang den Betrag von 6768 Franken einzahlt (aktueller Maximalwert für unselbständig Berufstätige), kommt bei durchschnittlich 1 Prozent Verzinsung am Schluss auf einen gesparten Beitrag von 197'800 Franken.

Bezüge aus der Säule 3a müssen versteuert werden, daher empfiehlt sich das Einzahlen in mehrere Säule-3a-Konten und ein gestaffelter Bezug in verschiedenen Steuerperioden. Frauen können Säule-3a-Beiträge ab dem Alter 59 beziehen, Männer ab 60. Der Bezug kann auf bis zu fünf Jahre nach der Pensionierung aufgeschoben werden.