Was Sie über die Vorsorge wissen müssen

Vorsorge ist kompliziert. cash beantwortet die wichtigsten Fragen zur Altersfinanzierung.
13.09.2015 13:01
Von Marc Forster
Es genügt nicht, einfach etwas Geld fürs Alter beiseitezulegen. Wichtig ist, ein Ziel zu definieren und sich dafür einen Plan zurechtzulegen.
Es genügt nicht, einfach etwas Geld fürs Alter beiseitezulegen. Wichtig ist, ein Ziel zu definieren und sich dafür einen Plan zurechtzulegen.
Bild: ©sakkmesterke/fotolia.com

Was ist eigentlich mein Ziel?

Zentral ist die Finanzplanung zum Erhalt des Lebensstandards im Alter. Es gilt also, rechtzeitig eine Abschätzung über den Betrag zu treffen, den man nach der Pensionierung benötigt. Damit lässt sich klarer ein Sparziel festlegen. Das Altersvermögen setzt sich zusammen aus den Beträgen und finanziellen Anrechten, die sich aus den drei Säulen AHV, Berufsvorsorge und private Vorsorge ergeben. Es muss in zwei Teilen betrachtet werden: Geld, das man zum  täglichen Leben braucht und das sich damit im Laufe der Jahre reduziert, und Geld, das man möglichst lange erhalten will.

Warum muss ich überhaupt sparen?

AHV und Berufsvorsorge reichen meist nicht, um den Lebensstandard zu erhalten. Regelmässig Geld zur Seite legen lohnt sich. Mit einem Säule-3a-Konto, bei dem pro Jahr maximal 6768 Franken einbezahlt werden können, spart man zudem Steuern. Nicht zu unterschätzten ist auch der Zinseffekt: Zahlt man ab dem 25. Lebensjahr im Monat 100 Franken auf ein Säule-3a-Konto ein, das bis zur Pensionierung im Schnitt 3 Prozent Zinsen gibt, hat man mit 65 Jahren (vor Steuern) 92'000 Franken. 44'000 Franken ergeben sich dank Zinsen und Zinseszinsen.

Wann muss ich anfangen?

In jungen Jahren ist es wichtig, rechtzeitig einen Grundstock zu legen: Schon ein diszipliniert geführtes Jugendsparkonto kann den Anfang bilden. Wer studiert hat, muss sich auch bewusst sein, dass er während der Ausbildung länger nicht in die AHV und die Pensionskasse einbezahlt hat als Menschen, die Anfang 20 ins Berufsleben eingetreten sind.

Steigt mit dem Alter das Einkommen, wird der finanzielle Spielraum grösser: Vor allem Lebensversicherungsprodukte richten sich zum Teil gezielt an Menschen über 45 Jahre. Es ist ratsam, zwischen 45 und 50 Jahren eine Zwischenbilanz vorzunehmen und sich vertieft mit der weiteren Finanzplanung auseinanderzusetzen.

Wer eine Frühpensionierung, einen Kapitalbezug oder Einkäufe in die Pensionskasse ins Auge fasst, sollte sich auch schon in diesem Alter die ersten Gedanken über die Umsetzung machen.

Was für Produkte soll ich wählen?

Möglichkeiten zum Alterssparen gibt es zahlreiche. Banken und Versicherungen halten dafür eine grosse Palette bereit. Säule-3a-Konten gehören zu den gängigsten Vorsorgeformen, bei denen man sich aber bewusst sein muss, dass ein Bezug vor dem Pensionsalter nur etwa beim Wegzug in ein anderes Land, für gewisse Immobilienfinanzierungen oder für die berufliche Selbstständigkeit möglich sind.

Lebensversicherungen enthalten die Garantie, dass das Geld einmal ausbezahlt wird. Man muss aber genau darauf achten, welche regelmässigen Zahlungsverpflichtungen man eingeht, denn aus Lebensversicherungen vorzeitig auszusteigen ist kostspielig.

Fonds und Bankenangebote können für die Vorsorge verwendet werden, sind streng genommen aber Anlageprodukte und damit etwa nicht steuerbegünstigt. Bankprodukte sind, salopp gesagt, so sicher wie die Bank, die sie zur Verfügung stellt.

Ist ein Pensionskassen-Einkauf ­sinnvoll?

Wem Beitragsjahre fehlen, beispielsweise durch einen späten Beginn des Berufslebens oder eine Mutterschafts- oder Vaterschaftspause, sollte sich überlegen, wie er die Lücken schliessen kann.

Zusätzlich in die Pensionskasse einzu­zahlen kann aber auch mit der Überlegung zu tun haben, dass die Renten künftig eher kleiner werden: Der Umwandlungssatz, mit dem Pensionsguthaben verzinst werden - aktuell mit 6,2 Prozent berechnet - wird ziemlich sicher sinken.

Oder man will eine zusätzliche Absicherung für den Fall, dass man länger lebt als gedacht. Der Vorteil von Pensionskassen-Einkäufen ist, dass sie steuerbegünstigt sind. Der Nachteil ist wie etwa beim Säule-3a-Konto, dass Vorbezüge erschwert sind. Wichtig ist auch: Beim Einkauf müssen der zusätzliche Finanzbedarf und der Netto-Steuereffekt ausgerechnet werden.

 

«Man muss beim Bezug von Kapital ­vorsichtig sein»

cash: Willi Graf, wann kann ich mir eine Früh­pensionierung erlauben?

Willi Graf: Wenn die Einnahmen aus Renten das Haushaltsbudget decken. Darunter verstehen wir alle Ausgaben für den Lebensstandard inklusive Steuern. Bei den Renten zählt man die nach Alter 64 bei Frauen und Alter 65 bei Männern zustehende AHV-Rente und die beim geplanten Pensionierungsdatum aus dem Pensionskassenausweis heute schon ersichtliche Rente zusammen. Sind diese beiden höher als das Haushaltsbudget, ist eine Frühpensionierung möglich. Falls genügend Geld in der Säule 3a angespart ist, eine Erbschaft ausstehend ist oder sonst genügend zusätzliche Mittel verfügbar sind, dürfen die Renteneinnahmen ausnahmsweise unter dem Haushaltsbudget liegen. Eine unabhängige Beratung ist aber auf jeden Fall sinnvoll.

Soll ich Pensionskassengeld für Wohneigentum beziehen?

Was heute in Beton gegossen wird, kann in der Pension nicht zur Deckung des Haushaltsbudgets beigezogen werden. Also aufgepasst! Wenn die Renteneinnahmen aus AHV und Pensionskasse das Budget trotz Bezugs decken, dann ist das problemlos möglich. Sonst gilt es, vorsichtig mit dem Kapital umzugehen. Man sollte zudem bei einer Rentenlücke das Bezogene wenigstens teilweise wieder in die Pensionskasse einzahlen. Der Bezug kann dann ein Vorteil sein, wenn jemand über genügend andere Mittel verfügt, weil dann die Hinterbliebenen bei einem Todesfall über das Kapital verfügen können und es nicht in der Pensionskasse verbleibt.

Soll ich Kapital oder Rente wählen?

Das ist eine der schwierigsten Fragen in der Vorsorgewelt und kann nur individuell beantwortet werden. Das Kapital kann beim Tod vererbt werden. Andererseits wird man immer gesünder älter und so gesehen ist die Rente wohl attraktiver, weil die Pen­sionskasse die Rente lebenslänglich zahlt. Möglich ist eine Mischform. Die Lücke bei einem teilweisen Kapitalbezug berechnet man, indem man den Umwandlungssatz mit der gewünschten Kapitalmenge multipliziert. Ein Beispiel: Man bezieht 100 000 Franken bei einem Umwandlungssatz von 6 Prozent, dann reduziert sich die Rente um 6000 Franken pro Jahr.

Willi Graf ist Inhaber und Geschäftsführer der Beratungsfirma VVK Vorsorge- und Vermögenskonzepte in Teufen AR.

 

Dieser Beitrag ist Teil des am 8. September 2015 publizierten cash-Anlegermagazins «VALUE». Dort erfahren Sie unter anderem, wie Sie an der Börse richtig investieren, was eine Analystin den lieben langen Tag macht oder was Sie über die Vorsorge unbedingt wissen sollten.

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