Anlegen mit Aktien - «Short gehen»: So profitieren Sie von sinkenden Märkten

Es braucht Mut, Risikobereitschaft und auch ein wenig Glück: Als Investor auf sinkende Märkte setzen. Drei Varianten, wie man in volatilen Märkten Gewinne einfahren kann.
23.09.2019 14:09
Von Marc Forster
Auf fallende Märkte setzen kann sich lohnen.
Auf fallende Märkte setzen kann sich lohnen.
Bild: iNg

Leerverkäufer haben einen zwielichtigen Ruf, gehen ziemliche Risiken ein und gelten vielerorts schlicht als irgendwie unmoralisch. Aber sie schaffen im Idealfall, wovon eigentlich alle am Markt träumen: Sie verdienen dann noch Geld, wenn die Kurse sinken. 

Leerverkäufe, die auch bös in die Hosen gehen können, sind letztlich etwas für professionelle Anleger. Als Privatanlegerin oder Privatanleger fehlt einem in aller Regel der professionelle Hintergrund für solche Anlagemanöver. Wenn Sie aber kaltblütig genug sind, gibt es einige Möglichkeiten, bei rückläufigen Kursen Geld zu verdienen. Zum Beispiel, indem Sie mit einem Indexprodukt auf den fallenden Markt setzen: 

Short ETF

Exchange Traded Funds (ETF), also börsennotierte Fonds, bilden Indizes ab und ermöglichen es Anlegern, "den Markt zu kaufen". Short ETF setzen darauf, dass ein Index fällt. Short ETF sind eine unkomplizierte Weise, auf einen fallenden Markt zu setzen. Zum einen sind ETF generell bei den Gebühren günstig. Im Unterschied zu einer Short Position, wie Leerverkäufer sie haben, braucht man bei einem Short ETF keinen Kaptialpuffer in der Form einer Sicherheitsmarge. 

Nur sind Short ETF relativ rar. An der Schweizer Börse werden einige wenige ETF-Produkte gehandelt, die auf fallende Märkte setzen. Ein Beispiel für einen Short ETF auf den SMI ist der Lyxor SMI Daily (-2x) Inverse UCITS ETF. Er hebelt die Performance des SMI zweifach. Die Verwaltungsgebühr bei diesem ETF ist mit 0,6 Prozent etwas höher als bei anderen ETF, wo in der Regel 0,2 bis 0,4 Prozent des angelegten Gelds in Rechnung gestellt wird. Aber natürlich ist auch dieser ETF günstiger als die meisten aktiv gemanagten Fonds.

Aber Vorsicht: Für den auf längere Zeit angelegten Vermögensaufbau sind Short ETF nicht geeignet. Short ETF eigenen sich für Anleger, die mit kurzfristigen Trades Geld verdienen wollen. In einem Markt, wie wir ihn gerade beobachten, also einem Markt mit erhöhter Volatilität, versprechen Short ETF durchaus einigen Erfolg. Zu beachten gilt aber, dass bei ihnen ein Basiseffekt wirkt. Das heisst: Die Gewinne verlaufen nicht spiegelbidlich zur Performance. Der genannte Short ETF von Lyxor auf dem SMI hatte zum Beispiel 2018 den Wert um 6,4 Prozent, während der SMI selber um 10,2 Prozent nachgegeben hat. Das Phänomen erklärt sich anhand des folgendes Schemas: 

  Index ETF Bemerkung
Tag 1 100 100  
Veränderung -15 Prozent +15 Prozent inverse Abbildung
Tag 2 85 115  
Veränderung  +10 Prozent -10 Prozent inverse Abbildung
Tag 3 93,5 103,5  
Total -6,5 Prozent +3,5 Prozent Basiseffekt

Quelle: VZ Vermögenszentrum, VZ Depotbank

In der Erwartung fallender Kurse kann man alternativ auch mit Put Warrants oder Short Mini Futures hantieren. Beide wirken über einen Hebel, bieten also die Möglichkeit einer Vervielfachung der Rendite. Sind sind aber auch hoch spekulativ und bergen das Risiko, den gesamten Einsatz zu verlieren. Warrants und Mini Futures sind im Kern Wetten, die man mit dem Emittenten eingeht - also üblicherweiser mit der Bank, bei der man das Produkt kauft. Der Emittent setzt darauf, dass am Markt das Gegenteil dessen eintritt, was der Käufer erwartet.

Put Warrants

Bei Warrants oder Optionen besteht das Recht (aber nicht die Pflicht), einen Basiswert zu einem bestimmten Preis zu handeln. Bei Call Warrants wird auf steigende Kurse des Basiswerts gesetzt und man erwirbt das Recht, diesen Basiswert zu kaufen. Bei Put Warrants setzt man auf fallende Kurse und erhält das Recht, einen Basiswert später zu verkaufen.

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Call und Put Warrants gehören zu den Hebelprodukten. Warrants gibt es auf Indizes, Aktien, Währungen oder Rohstoffe. Eine Übersicht zu derzeit an der Schweizer Börse handelbaren Produkten findet sich hier. Bei Warrants ist es wichtig, eine eigene Einschätzung zu den möglichen Kursverläufen und Schwankungen eines Basiswerts zu besitzen. Einschätzen muss man aber auch die Volatilität. Zudem: Die Bewegungen des Basiswerts hebeln den Warrant. Je höher der Hebel ist, desto spekulativer beziehungsweise risikoreich ist ein Warrant. 

Erwartet man beispielsweise einen fallenden Kurs bei einer Aktie, erwirbt man bei der Bank einen Put Warrant auf diesen Titel. Je nach Kursentwicklung bilden sich folgende Szenarien: 

Zwei Szenarien für Put Warrant (1 Jahr Laufzeit)

  Fallende Kurse Steigende Kurse
Preis Basiswert (CHF) 100  100
Ausgabepreis Option (CHF) 10 10
Eingesetztes Kapital 10'000 Franken (1000 Optionen zu 10 Fr.) 10'000 Franken (1000 Optionen zu 10 Fr.)
Basiswert bei Emission (CHF) 100 100
Basiswert bei Verfall (CHF) 80 120
Aktienperformance -20 Prozent +20 Prozent
Berechnung Auszahlung (100-80) x 1000 Optionen  0 x 1000 Optionen
Auszahlung (CHF) 20'000 0
Gewinn/Verlust +100 Prozent -100 Prozent

Quelle:  Zürcher Kantonalbank (ZKB)

Short Mini Futures

Wie bei Warrants gibt es bei Mini Futures verschiedene Anlageklassen als Basis. Bei diesen Produkten teilen sich Emittent und Käufer den Kauf eines Basiswerts auf und vereinbaren dazu ein so genanntes Finanzierungslevel. Dieses ist vom Emittenten festgelegt. Eine begrenzte Laufzeit besteht in der Regel nicht. 

Bei Long Mini Futures, die auf steigende Kurse setzen, liegt das Finanzierungslevel unter dem aktuellen Preis des Basiswerts. Short Mini Futures setzen auf fallende Kurse. Dies sieht so aus: Angenommen, eine Aktie hat den Basiswert von 200 Franken. Das Finanzierungslevel wird bei 240 festelegt. Damit hat der Mini-Short einen Wert von 40, der Hebel beträgt 5. Das erwünschte Szenario des Käufers ist nun, dass der Kurs der Aktie sinkt. Fällt der Kurs auf 180 Franken, erhöht sich der Wert des Mini Shorts auf 60, womit er eine Wertsteigerung um die Hälfte erfährt. Steigt aber der Kurs der Aktie, reduziert sich der Wert des Mini Shorts.

Stand des Basiswerts (Fr.) Finanzierungslevel Wert des Mini Short Performance Mini Short
200 240 40 0
180 240 60 +50 Prozent
220 240 20 -50 Prozent
240 240 Auflösung Mini Short -

Quelle: BNP Paribas

Ein wider Erwarten steigender Kurs ist beim Short Mini Future ausgesprochen unangenehm für den Käufer. Das Finanzierungslevel von 240 Franken wirkt auch als Stopp-Loss-Level. Steigt der Kurs bis dahin, wird der Mini Future aufgelöst. Der Käufer geht leer aus, allenfalls gibt es vom Emittenten noch eine Entschädigung oder Teilrückzahlung - vom Betrag her aber sicherlich tiefer als beim ursprünglichen Investment. 

Der Vorteil von Mini Futures ist, dass sie transparent aufgebaut sind und der Anleger zur Kontrolle seines Investments nur den Kurs des Basiswerts verfolgen und diesen in Relation mit dem Finanzierungslevel setzen muss. Die komplizierte Korrelation von Laufzeit, Volatilität und Leverage wie bei den Warrants ist bei Mini Futures zweitrangig. Und: Ein kleiner Kapitaleinsatz kann schon beträchtliche Gewinne bringen - oder aber den Totalverlust.