Anlegen - Verstehen Sie das ABC der Aktienfonds-Kürzel?

Wer in einen Fonds investieren will, steht zunächst einmal vor einem Rätsel: Fondsnamen enthalten häufig Abkürzungen und Buchstabenkürzel, die nicht auf Anhieb eingeordnet werden können. cash.ch schafft Abhilfe.
28.05.2018 18:25
Von Marc Forster
Hinter Buchstaben befinden sich in der Finanzwelt alle möglichen Angaben.
Hinter Buchstaben befinden sich in der Finanzwelt alle möglichen Angaben.
Bild: Pixabay

Der Fantasie der Fondsmanager sind wenig Grenzen gesetzt: Sie geben ihren Fonds wohlklingende Namen wie "Oyster", "China Panda", "Cristal" oder "Archimedes". Sie werfen mit Aktienkategorien wie "Technology" oder "Digital Health" um sich. Mit Begriffen wie "Opportunity", "Growth" oder "Conservative" wollen Fondsgesellschaften etwas über Risikoprofile, Aktienanteile oder Bewertungsmodelle aussagen. So weit, so gut.

Aber wenn Sie die Fondsbezeichnung UBS (Lux) Equity Fund - China Opportunity (USD) (RMB hedged) P-acc mit der ISIN-Nummer LU1115430461 lesen - was fällt Ihnen dazu ein? Dass es sich um ein UBS-Anlageprodukt für chinesische Aktien handelt, ist auf den ersten Blick noch einigermassen zu zu erkennen. Ein Factsheet klärt im Detail darüber auf.

Aber die anderen Begriffe aus dem Fondsnamen erscheinen fast so rätselhaft wie  Schriftzeichen aus anderen Sprachen. Diese Fondskürzel geben aber nichtsdestotrotz Hinweise darauf, um was für einen Fonds es sich handelt. Hinter diesen Ziffern und Chiffren verbergen sich Infomationen wie Währungsrisiken, Länderdomizile oder eine Antwort auf die Frage, was beispielsweise mit Dividenden passiert - und nicht zuletzt, wer diese Fonds überhaupt kaufen kann.

Aber der Reihe nach. Folgende Abkürzungen sollten Sie kennen:

  • Land: Anhand der ISIN-Nummer lässt sich das Herausgeberland des Fonds ablesen. ISIN steht für "International Securities Identification Number" und bezeichnet mittles einer 12-stelligen Kombination aus Buchstaben und Zahlen Wertpapiere und Fonds. In der Schweiz enthält die ISIN-Nummer jeweils die Valoren-Nummer. Am Anfang steht ein Länderkürzel wie zum Beispiel CH für die Schweiz, DE für Deutschland, LU für Luxemburg oder IE für Irland. Auch die Europäische Union hat mit EU ein Kürzel. XS wiederum steht für internationale Wertpapiere, die bei speziellen Abwickungsgesellschaften verwahrt werden. Wichtig bei der Länderbestimmung von Fonds ist die Zulassung. Anleger müssen in Erfahrung bringen, ob der Fonds in der Schweiz zugelassen ist. Der Fondsguide von cash.ch führt alle in der Schweiz zum Vertrieb zugelassenen Fonds.
  • Fondstranchen: Manche Fonds sind in Tranchen aufgeteilt: Zwar gibt es die gleiche Anlagepolitik und die gleichen Anlagen im Fonds, aber die Tranchen richten sich an unterschiedliche Investoren, verfügen über unterschiedliche Bestimmungen bezüglich der Gebühren, der Währung oder anderen Charakteristika. Gewisse Fondsgesellschaften unterscheiden sie schlicht mit A, B, C usw. Daneben gibt es auch Teilfonds, die  durchnummeriert werden: In ihrer Bezeichnung haben beispielsweise Schweizer Fonds dann die Kürzel CH1, CH2 etc
  • Anlegertyp: Für in der Schweiz zugelassene Fonds wird am häufigsten zwischen den Tranchen P für private Anleger und I für institutionelle Anleger unterschieden. Fonds für institutionelle Anleger wie Banken, Versicherungen oder Pensionskassen setzen zum Teil hohe Anlage-Mindestsummen voraus. In einem Fonds für Privatinvestoren bekommt man einen Anteil schon für weniger Geld. Doch Vorsicht: Es gibt auch andere Buchstabenbezeichungen, die auf die gleiche Unterscheidung hinweisen: So kann für Privatinvestoren auch ein R gelten, für "Retail". Institutionelle Anleger müssen genauso auf ein Q achten, für "qualifizierter Investor".
  • Ausschüttungsart: Wichtig ist auch die Unterscheidung zwischen thesaurierenden und ausschüttenden Fonds. Erstere legen Dividenden und Zinsen wieder an, letztere überweisen diese Art der Erträge stichtagbezogen an die Investoren. Für thesaurierende Fonds wird häufig das Kürzel Acc verwendet, vom englischen Begriff "to accumulate", also aufhäufen, oder ein T für "thesaurierend", oder auch ein C respektive Cap für "capitalisation". Diese Fonds erlauben es Anlegern, vom Zinseszins-Effekt zu profitieren, was bei Langfrist-Investitionen beträchtliche Performancewerte ermöglichen kann. Fonds mit der Ertragsverwendung "Ausschüttend" verwenden ein A oder die Kürzel Inc für "income"(Einkommen) bzw. Dist für "distrubition" (Verteilung).
  • Währungen: Die Währung, in der der Fonds denominiert ist, sollte mit den Währungskürzeln angegeben sein: CHF für Franken, EUR für Euro, USD für Dollar, GBP für das Pfund, etc. Wichtig für Investoren ist auch die Angabe, ob ein Fonds mit Auslandsaktien währungsabgesichert ist. Dafür steht dann der Betriff hedged oder manchmal ein kleines h. Währungsabsicherungen werden für alle Anleger empfohlen, die das Wechselkursrisiko vermeiden möchten. Hedging bedeutet in der Regel aber auch höhere Gebühren. Wichtig ist auch: Wenn ein Fonds auf einer anderen Währung läuft, gibt es zwei Angaben der Perfomance, nämlich in Landeswährung und in Franken.
  • Besonderheiten von ETF: ETF oder "Exchange Traded Funds" (börsengehandelte Indexfonds) bilden Indices wie beispielsweise den SMI nach . Die Performance wird durch diese bestimmt – man spricht dabei auch von "passiven" Investments. Enthält der Fonds-Name das Kürzel DR, heisst dies "direct replication". Der ETF bildet den Index physisch nach – denn es gibt auch ETFs, die dies genaugenommen nicht machen. Bei ETF werden Tranchen übrigens auch mit Bezeichnungen wie 1C, 3C etc. unterschieden.
  • Rechtsformen, Regulierung und Anlegerschutz: Fondsbezeichnungen können auch Angaben über regulatorische Details geben. Der verbreitete Zusatz SICAV steht für "Société d’Investissement à Capital Variable", also Gesellschaft mit variablem Kapital. Verschiedene Länder verwenden diesen Begriff. Es handelt sich um eine spezielle Rechtsform für Fonds, deren Zahl an Aktien nicht von vornherein festgelegt ist, also ein offener Fonds. Davon unterschieden wird SICAF für "Societé d’Investissement à Capital Fixe", also geschlossene Fonds. UCITS bedeutet "Undertakings for Collective Investments in Transferable Securities": Es geht dabei um Pflichtinformationen, die diese Fonds ihren Anlegern zukommen lassen müssen. UCITS ist ein Instrument des Anlegerschutzes und basiert auf einer Richtlinie der EU.

Zugegeben, weil es je nach Fondsgesellschaft oder Land unterschiedliche Fondskürzel gibt, die das gleiche meinen, lässt sich bei dieser Form der Zahlen- und Zeichensprache keine abschliessende Klarheit schaffen. Bei den regulatorischen Aspekten müssen seitenlange Verordnungen gelesen werden, um genau zu verstehen, um was es sich handelt.

Aber immerhin lässt sich der eingangs erwähnte Fonds nun entschlüsseln: Der UBS (Lux) Equity Fund - China Opportunity (USD) (RMB hedged) P-acc ist ein in Luxemburg domizilierter Fonds der UBS, der Aktien enthält und in chinesische Titel investiert, denen die Fondsmanager besonderes Potential zutrauen. Er ist in Dollar denominiert und Werte in der chinesischen Währung Renminbi (RMB) sind abgesichert: Man trägt bei diesen Fonds also das Währungsrisiko des Dollars, nicht aber der chinesischen Devise.

Es handelt sich des Weiteren um einen Fonds, der Gewinne wieder anlegt, also einen thesaurierenden Fonds. Zugänglich ist er in der Tat auch für private Invstoren.