Grenzsteuersatz - Wenn Sie diese Zahl kennen, sparen Sie Geld

Die Schweiz erlaubt auf ganz legale Weise eine Reihe von Steueroptimierungen. Um ein Sparpotential besser zu erkennen, sollte man sich mit dem Grenzsteuersatz etwas vertraut machen.
06.08.2020 06:15
Von Marc Forster
Einen grossen Teil der Einkommenssteuer geht an die Kantone: Wegweiser zum Genfer Steueramt.
Einen grossen Teil der Einkommenssteuer geht an die Kantone: Wegweiser zum Genfer Steueramt.
Bild: imago images / Steinach

Zum Wesen des schweizerischen Steuersystems gehört die Progression. Mit steigendem steuerbarem Einkommen erhört sich überproportional die Steuerlast. Selbst in Kantonen mit einer "Flat Tax" - also einer linear ansteigenden prozentualen Steuerbelastung bei der Einkommenssteuer – gibt es wegen der separat erhobenen direkten Bundessteuer eine Progression.

Die Progression hat politische, soziale und historische Gründe. Der Gedanke ist seit langem, dass jene mit mehr Einkommen auch überproportional mehr finanziell zur Allgemeinheit beitragen sollen. Dies ist weitestgehend akzeptiert, allerdings auch deswegen, weil der Schweizer Staat gleichzeitig Optimierungen der Steuerbelastung zulässt.

Lohnerhöhung ist nicht gleich viel mehr Geld

Eine oft unterschätzte Kennzahl beim Optimieren der Steuern ist der Grenzsteuersatz. Dieser verdeutlicht, wie sich die Steuerbelastung verändert, wenn ein steuerbares Einkommen höher oder tiefer ausfällt. Anders formuliert: Von einer Lohnerhöhung um beispielsweise 1000 Franken haben unter dem Strich nicht alle gleich viel. 

Angenommen, für ein steuerbares Einkommen von 80'000 Franken werden 9000 Franken Steuern bezahlt. Steigt das Einkommen auf 81'000 Franken, erhöht sich die Steuer auf 9280 Franken. Für eine Veränderung um 1000 Franken werden also 280 Franken mehr Steuern bezahlt: Der Grenzsteuersatz in diesem Falle ist 28 Prozent. Von zusätzlichen 1000 Franken Einkommen bleiben nur 720 Franken übrig. 

Je höher ein Einkommen ist, desto mehr steigt der Grenzsteuersatz. Je nach Einkommen bleibt also von einer fixen Einkommenserhöhung immer weniger übrig, wie die Tabelle (mit fiktiven Zahlen) zeigt: 

Steuerbares
Einkommen
50'000 80'000 120'000
Einkommenssteuer 5000 9000 23'000
Steuersatz 10 Prozent 11,25 Prozent 19,2 Prozent
Steuerbares 
Einkommen
+1000
51'000 81'000 121'000
Einkommenssteuer 5150 9280 23'600
Steuersatz 10,3 Prozent 11,6 Prozent 19,7 Prozent
Steuerdifferenz 150 280 600
Grenzsteuersatz 15 Prozent 28 Prozent 60 Prozent
Mehreinkommen
nach Steuern
850 720 400

Angaben in Franken / Darstellungen: cash.ch

Dank des Grenzsteuersatzes lässt sich also auch erahnen, wie eine Reduktion des steuerbaren Einkommens finanzielle Vorteile bringt. Dies geschieht durch Abzüge, zu denen beispielsweise auch eine jährliche Einzahlung in die dritte Säule gehört.

Zum Berechnen des Grenzsteuersatzes braucht es zuerst die aktuelle Einkommensteuer. Der Bund und die Kantone bieten online einen Steuerrechner an (für den Kanton Zürich beispielsweise hier, von der Eidgenössischen Steuerverwaltung hier). Indem man dann ein tieferes steuerbares Einkommen eingibt, erhält man einen neuen, tieferen Steuerbetrag.

Steuerbares Einkommen 50'000 80'000 120'000
Einkommenssteuer 5000 9000 23'000
Steuersatz 10 Prozent 11,25 Prozent 19,2 Prozent
Steuerbares 
Einkommen
-2000 
48'000 78'000 118'000
Einkommenssteuer 4750 8600 22'000
Steuersatz 9,9 Prozent 11 Prozent 18,3 Prozent
Steuerdifferenz 250 400 1000
Grenzsteuersatz 12,5 Prozent 20 Prozent 50 Prozent

 

Interessant ist dann die Differenz zwischen den beiden Beträgen. Diese wird durch die Differenz der beiden Einkommen geteilt - und voilà, man hat den Grenzsteuersatz. Bei sinkenden steuerbaren Einkommen verhält es sich genau umgekehrt zu den steigenden Einkommen: Hier ist es wünschenswert, auf einen möglichst hohen Grenzsteuersatz zu kommen. Denn dieser deutet an, welche Ersparnis möglich ist.