Leasen oder kreditfinanzieren? - Auto-Leasing lohnt sich meistens nicht

In der Schweiz werden auffallend viele Fahrzeuge geleast. Dabei werden die effektiv anfallenden Kosten häufig unterschätzt. In vielen Fällen wäre eine Kreditfinanzierung günstiger.
20.07.2017 00:48
Von Pascal Züger
Noch immer ein Statussymbol, egal ob geleast oder gekauft: Ein Mercedes.
Noch immer ein Statussymbol, egal ob geleast oder gekauft: Ein Mercedes.
Bild: Pixabay

Mit Werbeslogans wie "Auf einfache Weise zum Traumwagen" oder "Rechnen Sie mit ein bisschen Neid" wird Auto-Leasing dem Konsumenten schmackhaft gemacht. Und in der Schweiz stossen solche Botschaften offensichtlich auf offene Ohren.

Denn: Gemäss Daten des Leasingverbandes wurden in der Schweiz im Jahr 2016 47 Prozent aller Neuwagen geleast. In absoluten Zahlen betrug der Umsatz knapp 10 Milliarden Franken.

Glaubt man der Werbung, ist Leasing eine unkomplizierte Lösung, um sich sein Traumauto zu günstigen Konditionen zu sichern. Doch in der Realität kommt nicht selten das böse Erwachen: "Das Leasing steckt voller Fallen", warnt Sébastien Mercier, Geschäftsleiter der Schuldenberatung Schweiz, auf cash-Anfrage. Die vorzeitige Kündigung des Leasingvertrages sei sehr teuer. Darüber hinaus komme es am Ende der Laufzeit häufig zu unerwarteten Mehrkosten. Etwa dann, wenn die maximale Kilometerzahl pro Jahr überschritten wurde.

Und der Schuldenberater weist noch auf ein weiteres Problem hin: Viele Personen würden die genauen Leasing-Vertragsbestimmungen gar nicht kennen und gingen teilweise sogar davon aus, dass der Wagen nach Vertragsablauf ihnen gehöre. Dem ist aber nicht so: Wer ein Auto least, ist nicht der Besitzer. Er bekommt bestenfalls ein vertraglich vereinbartes Recht, dieses nach Ende der Leasinglaufzeit kaufen zu können.

Kredite mit weniger «versteckten» Kosten

Gemäss einer Faustregel des Touring Club Schweiz (TCS) sollte beim Leasing für die effektiven Monatskosten mit dem Dreifachen der monatlichen Leasingrate gerechnet werden. Günstiger kommt ein Barkauf, wo mit etwas Verhandlungsgeschick der Preis des Wagens um bis zu 10 Prozent gedrückt werden kann.

Jedoch ist das benötigte Bargeld oftmals nicht verfügbar. Für solche Fälle bleibt neben dem Leasing als Alternative der Privatkredit. Das Finanzinstitut stellt dem Kreditnehmer den Kaufbetrag des Autos zur Verfügung und erhält dafür Ratenzahlungen über eine bestimmte Laufzeit.

Beim direkten Vergleich der Zinssätze zwischen einem Privatkredit und dem Leasing schneidet letzterer üblicherweise besser ab. Doch der Schein trügt: Werden die Kosten für die Versicherung - die beim Leasing höher sind - miteinberechnet, sind die Kosten in etwa gleich hoch. Das zeigen Berechnungen von comparis.ch:

Leasing vs. Kredit 

Annahmen: Neuwagen zum Kaufpreis von 30'000 Franken mit einem Restwert von 12'000 Franken nach 48 Monaten. Der Finanzierungsbetrag für das Leasing beträgt daher 18'000 Franken.

  Leasing Konsumkredit
Laufzeit, in Monaten 48 48
Zinssatz 4,9% 7,9%
Monatliche Belastung, in Franken 458,90 727,15
Gesamtkosten der Raten, in Franken 22'027 34'903
Mehrkosten Versicherung* + 804  
Gesamtkosten inkl. Fahrzeug-Übernahme, in Franken** 34'831 34'903

Quelle: comparis.ch

*Gemäss comparis.ch ist die Vollkasko-Versicherung bei einem geleasten Auto rund 200 Franken teurer pro Jahr als bei gekauften Fahrzeugen.

**Vorausgesetzt, dass das Fahrzeug beim Leasing zum Preis des Restwerts (12'000 Franken) übernommen werden kann.

Im oben erwähnten Beispiel ist das Leasing zwar noch immer um 72 Franken günstiger, doch sind viele potenzielle Kostenfaktoren noch unberücksichtigt: 

  • Beim Leasing ist die Vollkaskoversicherung Pflicht. Beim Konsumkredit ist nicht nur die Vollkaskoversicherung günstiger, darüber hinaus besteht auch die Möglichkeit, durch eine Teilkasko-Versicherung zusätzliches Geld zu sparen.
  • Im Leasingvertrag sind häufig 10'000 bis 15'000 Fahrkilometer pro Jahr inbegriffen. Für jeden zusätzlich gefahrenen Kilometer fallen weitere Kosten an.
  • Privatpersonen können Leasingkosten nicht von den Steuern abziehen, Kredite hingegen schon.
  • Oft sind Leasingnehmer dazu verpflichtet, den Service beim Vertragshändler zu verrichten. "Diese Einschränkung kann zu Mehrkosten führen, da nicht auf günstigere Alternativen zurückgegriffen werden kann", sagt Dominik Weber, Bankenexperte von Comparis, auf cash-Anfrage. Beim Konsumkredit besteht die freie Wahl, da man selbst Eigentümer des Wagens ist.
  • Durch Leasing wird die finanzielle Flexibilität eingeschränkt: Ein Ausstieg aus einem laufenden Leasingvertrag ist nur gegen Bezahlung eines hohen Betrages möglich, wodurch finanzielle Probleme entstehen können. Kredite hingegen können frühzeitig zurückbezahlt werden, die Bank muss gemäss Gesetz die Zinsen für die nicht beanspruchte Kreditdauer erlassen.
  • Nach Ablauf des Leasingvertrages kann das Fahrzeug nicht zwingend zum Restwert übernommen werden. Teilweise ist der Preis höher oder gar kein Kauf möglich. Die Kaufoption muss schon beim Abschluss des Leasingvertrags geregelt werden.

Unter Einbezug dieser "versteckten" Kosten entpuppt sich die Kreditfinanzierung häufig als die günstigere Option. Wobei der Schweizerische Leasingverband (SLV) gegenüber cash betont, dass es keine versteckten Kosten oder unklare Kommunikation beim Leasing gäbe. Die Verbandsmitglieder hielten sich an den Leasing-Codex, wonach die Leasingnehmer vom ersten Kontakt bis zur Beendigung des Vertrages fair behandelt werden müssen.

Aber wann eignet sich das Leasing? "Ein Leasing ist besonders dann die richtige Wahl, wenn der Gebrauch des Leasingobjekts über eine bestimmte Dauer im Vordergrund steht", schreibt Cornelia Stengel, stellvertretende Geschäftsführerin des SLV, auf Anfrage. Wenn jedoch der Erwerb des Eigentums an einem Fahrzeug finanziert werden soll, stehe eher ein Kredit als ein Leasing im Vordergrund.

Leasing ist also etwas für Auto-Liebhaber, die gerne regelmässig auf das neueste Modell wechseln und keinen Wert darauf legen, den Wagen tatsächlich zu besitzen. Wichtig ist auch, dass ein genügend hohes finanzielles Polster vorhanden ist, um nicht in die Schuldenfalle zu tappen, zum Beispiel im Fall von Arbeitslosigkeit. Für alle anderen drängt sich eher ein Privatkredit auf. Wobei grundsätzlich immer eine Einzelfallprüfung zu empfehlen ist, wie auch Weber von Comparis betont.