Mit Kinder-Konten Zinsen kassieren?

Sparkonti sind wegen des Tiefzinsniveaus kaum mehr attraktiv. Die Ausnahme: Jugendkonten. Diese laden zum «legalen Missbrauch» ein. Mit möglicherweise negativen Folgen für die eigentlich Begünstigten.
05.03.2015 00:10
Von Marc Forster
Das «Sparsäuli» der Kinder - eine Quelle für Zinserträge?

Wie eine Insel ragen Jugendsparkonten noch aus dem Meer der Null- und Negativzinsen. Für die Bankprodukte, die Kindern und jungen Menschen bis 18 Jahre einen finanziellen Start ins Leben geben sollen, gibt es derzeit Zinsen zwischen 1,5 Prozent (Crédit Agricole Suisse) und 0,108 Prozent  (Neue Aargauer Bank, Angaben gemäss Comparis).

Auch Studentenkonten bringen noch Ertrag: Die Zahl der Banken, die ein solches "akademisches" Konto anbieten, das ein Inhaber in der Regel bis zum Alter von 26 Jahren benutzen kann, ist zwar beschränkt. Doch auch dort bewegt sich die Verzinsung bei 25'000 Franken Guthaben zwischen 1 Prozent (Credit Suisse) und 0,25 Prozent (Kantonalbanken von Zürich, Aargau und Bern).

Man könnte auf Ideen kommen...

Dies mutet fast traumhaft an, vergleicht man dies mit Sparzinsen: Dort bewegen sich die Zinsen nahe oder in einigen Fällen ganz bei null. 

Die immer noch besser verzinsten Jugendsparkonten könnten den einen oder anderen auf die Idee bringen, Geld auf den Konten von Kindern zu parken, um von höheren Zinsen zu profitieren. Ein grundsätzlich legaler Kniff mit Potenzial: Auf einem Jugendsparkonto können bis zu 25'000 Franken liegen. Mehrere Kinder und mehrere Konten – die Eltern nutzen die Bankverbindungen ihrer noch nicht volljährigen Kinder mit und streichen höhere Zinsen ein.

"Zinslipicker" könnten auf die Idee kommen, bei drei Kindern sechs Konten zu eröffnen und den Maximalbetrag auszureizen: 150'000 Franken zu 0 oder 0,75 Prozent verzinst machten definitiv einen Unterschied – so könnte der Gedankengang sein.

Solche "Runs" auf Jugendsparkonten gab es schon früher, denn auch bei den früher üblichen Zinsen gab es auf den Kinderkonten bis zu drei Mal mehr Zins. Die 25'000-Franken-Grenze haben Banken nicht zuletzt deswegen gesetzt, um solchen Möglichkeiten Grenzen zu setzen.

...aber der Zug geht in nur eine Richtung

Aber dann: Das Tiefzinsmeer wogt, und mit den nun ins negative gekippten Zinsen drohen auch die letzten "Zinsparadiese" weggespült zu werden. Denn die Finanzinstitute sind wachsam. Die relativ hohen Zinsen auf Jugendkonten haben viele Banken mit einigem Goodwill auf dem derzeitigen Niveau behalten.

Denn profitabel sind diese Konten für die Banken nicht. Sollten die Guthaben auf Jugendsparkonten wegen des "legalen Missbrauchs" der "Zinslipicker" sichtbar zunehmen, wird die Verzinsung von Jugendsparkonten wohl ebenfalls ziemlich schnell auf null oder knapp darüber fallen. Damit würden auch junge Kontoinhaber - unfreiwillig - zu den Opfern der Tief- und Negativzinsen.

Das wäre fatal für beide Seiten. Denn die bessere Verzinsung von Jugend- und Studentenkonten hat ja ursprünglich zwei Beweggründe: Zum einen sollen junge Menschen beim Grundstock für ihren Vermögensaufbau unterstützt werden. Oft gehören zu diesen Konten auch Kreditkarten oder andere Bankdienstleistungen zu Vorzugskonditionen.

Eine andere Überlegung der Banken ist jene der Kundenbindung. Dieser Aspekt rückt aber in den Hintergrund, wenn den Banken wegen der Negativzinsen hohe "Strafzinsen" drohen. Den Banken bleibt dann eine Abwägung: Kundenbindung - bei immer mobileren Kunden, gerade in jungen Jahren – oder die Weitergabe des Negativzinses an alle Kunden.