Private Vorsorge - Säule 3a: Auf das Alter kommt es an

Sparkonto, Wertschriften, Aktienquote? Beim Einzahlen in die 3. Säule gibt es verschiedene Eintscheidungen zu fällen. Welche die beste ist, hängt stark vom Anlagehorizont und somit vom Lebensalter ab.
10.12.2018 23:10
Von Ivo Ruch
Bei der Vorsorge ist eine frühzeitige Planung wichtig.
Bei der Vorsorge ist eine frühzeitige Planung wichtig.
Bild: pixabay.com

Noch rund zwei Wochen haben Sie Zeit, um für dieses Jahr Geld in die 3. Säule einzuzahlen. Zeit auch, um sich für eine Anlagestrategie zu entscheiden. Ob Sie Ihr Geld mit einer simplen Kontolösung oder in Wertschriften anlegen, der Maximalbetrag bleibt derselbe: 6768 Franken für Arbeitnehmer mit Pensionskasse. Im kommenden Jahr steigt der Betrag dann auf 6826 Franken.

Entscheidend ist, wie lange Ihr Geld in der 3. Säule liegt. Denn der Anlagehorizont hat grossen Einfluss auf Ihre Möglichkeiten, die Schwankungen an den Finanzmärkten auszusitzen und somit auf die Wahl der Vorsorgelösung.

Einzahlungen in die 3. Säule sind grundsätzlich möglich, sobald man AHV-pflichtig ist. Das Ende der Einzahlungsmöglichkeit markiert die Pensionierung. Theoretisch sind also Beitragszahlungen im Alter zwischen 18 und 65 möglich. Wer über das ordentliche Rentenalter hinaus arbeitet, darf gar während fünf zusätzlichen Jahren einzahlen. Soweit zum Grundsätzlichen. Jede Lebensphase hat noch einmal ihre eigenen Stolpersteine und Faustregeln, wie der folgende Überblick zeigt:

Zwischen 20 und 35 Altersjahren

Wer sich noch in der Berufslehre befindet, studiert oder sonst eine Ausbildung absolviert, für den ist das Einkommen in der Regel schlicht zu knapp, um etwas zur Seite legen zu können. Sobald der Lohn aber einen Sparbatzen erlaubt, sollte auch die persönliche Vorsorge ein Thema werden. 

Da die Zinsen auf 3a-Konten historisch tief sind, lohnen sich die Einzahlungen vor allem aufgrund der Steuerersparnis. Denn der einbezahlte Betrag kann im Beitragsjahr vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden. Berechnungen des Online-Vergleichsdienstes comparis.ch zufolge kann durch diese Steuerersparnis – je nach Wohnort – bis zu 36 Prozent "Rendite" erzielt werden.

Gerade bei tiefen oder unregelmässigen Einkommen, wie sie im Alter zwischen 20 und 30 häufig vorkommen, ist das Sparpotenzial aber begrenzt. Verantwortlich dafür ist die Steuerprogression: Je höher das Einkommen, desto positiver wirkt sich eine Einzahlung in die 3. Säule auf die Steuerrechnung aus. Die 3a-Gelder müssen bei der Auszahlung versteuert werden, was ebenfalls auf die Gesamtrendite drückt. Wie viel Steuern im individuellen Fall unter dem Strich gespart werden können, lässt sich einfach mit einem Online-Rechner herausfinden.

In jungen Jahren sollte man 3a-Lebensversicherungen gegenüber sehr skeptisch sein. Ein Todesfall muss zum Beispiel nicht versichert werden, wenn noch keine Familie vorhanden ist. Auch fehlt bei solchen Produkten häufig die Möglichkeit der flexiblen Einzahlung – entscheidend für junge Leute mit schwankendem Einkommen. Was hingegen Sinn machen kann, sind Anlagen in Aktien. Ab einem Anlagehorizont von 15 Jahren raten Experten zu Aktien-Investments. Zahlreiche Anbieter führen Anlagefonds im Rahmen der Säue 3a, wobei sie unterschiedlich stark auf Aktien setzen.

Je höher allerdings der Aktienanteil, desto riskanter – und in der Regel teurer – ist der Fonds. Der Online-Vergleichsdienst moneyland.ch hat ausgerechnet, dass die Kosten von Schweizer Vorsorgefonds zwischen 0,24 und 1,69 Prozent pro Jahr variieren. Moneyland.ch bietet auch eine ausführliche Übersicht zu den wichtigsten Schweizer Vorsorgefonds. Wer es sich zutraut, die Anlagestrategie selbst zu bestimmen, findet bei VIAC eine komplett digitale Lösung.

Zwischen 35 und 50 Altersjahren

Auch mit 35 Jahren kann der Anlagehorizont immer noch genügend lang sein, um die Säule 3a für Aktieninvestments zu nutzen. Gerade, wenn das Geld für lange Zeit nicht benötigt wird. Das ändert sich aber für viele Leute im Hinblick auf einen Immobilienkauf oder in der sogenannten Familienphase. Das Kapital in der Säule 3a ist zwar bis zur Pensionierung blockiert, kann aber in Ausnahmefällen (Erwerb von Wohneigentum, Amortisation einer Hypothek, Invalidität, Auswanderung, Selbstständigkeit) vorbezogen werden.

Bahnt sich eine solche Entscheidung an, gewinnt die 3a-Kontolösung an Attraktivität. Dort ist das Geld den geringsten Schwankungen ausgesetzt. Auch wenn die Kontozinsen immer tiefer fallen (sie variieren zwischen 0 und 0,45 Prozent), ist der Vergleich der verschiedenen Anbieter wichtig. Denn schon kleine Unterschiede bei den Zinsen fallen aufgrund des Zinseszinseffekts in der Endabrechnung ins Gewicht.

Die besten Anbieter von Säule-3a-Konten

Anbieter Zinssatz, in %
WIR Bank 0,45
Neue Aargauer Bank 0,425
Bank CIC, Bank EKI, Cornèr Bank, Saanen Bank, Bezirks-Spark. Dielsdorf 0,4
Clientis CEC 0,375
Appenzeller KB, Obwaldner KB 0,35

Quelle: moneyland.ch, nur Anbieter ohne Spezialkonditionen wie Bankpakete oder Wohnort (Stand: 10.12.18)

Wichtig sind dabei die Details zur Kontoführung. Bei den meisten Säule-3a-Anbietern sind Kontoführung und Auflösung kostenfrei. Doch einige verlangen Saldierungsspesen oder haben eine unüblich lange Kündigungsfrist von bis zu mehreren Monaten. Das genaue Studieren der Kontounterlagen ist unerlässlich. Checken sollte man unbedingt, ob die Kontoeröffnung an Sonderbedingungen geknüpft ist.

Das Alter ab 40 eignet sich aber auch dazu, seine Einkommenssituation und die Sparquote im Hinblick auf die Pensionierung ein erstes Mal genauer zu überprüfen. Denn schon ab 40 ist in vielen Fällen einigermassen abschätzbar, wie sich AHV und Pensionskasse entwickeln werden – vorausgesetzt, das Einkommen bleibt einigermassen stabil. Ergibt ein solcher Check eine Pensionierungslücke, ist jetzt noch genügend Zeit da, um mit Hilfe der Säule 3a die Rente aufzubessern.

Zwischen 50 und 65

Mit 50 beginnt das letzte Drittel des Erwerbslebens. Themen wie Ruhestand, Frühpensionierung oder Hypotheken-Rückzahlung können dann an Bedeutung gewinnen. Verändern sich damit die Risikofreudigkeit oder der Bedarf an Bargeld, gilt es das auch in der Säule 3a zu berücksichtigen. Wer aber zum Beispiel plant, sein Kapital nach der Pensionierung weiterhin langfristig zu investieren, kann durchaus an einem hohen Aktienanteil festhalten. Denn nach der Auszahlung der 3a-Gelder wandert das Kapital einfach von der Säule 3a ins Privatvermögen.

Wer den Fonds nach der Pensionierung als herkömmlichen Anlagefonds weiterführen möchte, kann das nicht bei allen Banken tun. Am besten informiert man sich schon beim Fondskauf, bei welchen Anbietern das möglich ist. Haben Sie auf ihrem 3a-Fonds bereits eine Rendite erzielt, die ihren Zielen entspricht? Dann wäre jetzt der Zeitpunkt, um den Fonds zu verkaufen und das Geld auf ein 3a-Sparkonto zu legen.

In der Lebensphase ab 50 erreichen die meisten Beschäftigten auch ihre höchste Lohnstufe. Die Einzahlungen in die dritte Säule sollten dann nach Möglichkeit voll ausgereizt werden. Gleichzeitig beginnt nun auch die Zeit der Auszahlungen. Gesetzlich sind die angesparten Gelder für Frauen ab 59 und für Männer ab 60 freigegeben. Dann kann mit dem Bezug begonnen werden. Aber: Bei der Auszahlung wird eine Steuer fällig, und jedes 3a-Depot muss vollständig bezogen werden. Teilzahlungen sind keine möglich, und etwaige Vorbezüge aus der Pensionskasse im selben Jahr werden dazu addiert.

Deshalb macht es Sinn, die Gelder gestaffelt in unterschiedlichen Steuerperioden zu beziehen. Wer bis zur ordentlichen Pensionierung arbeitet, kann sich die Säule 3a fünfmal auszahlen lassen. Es drängt sich deshalb auf, mehrere 3a-Depots zu führen. Dann kann in jedem Jahr ein Konto aufgelöst werden.