Derivate: Welche Strategien sind sinnvoll?

Hebelprodukte bieten viele Möglichkeiten: Neben der Depotabsicherung eignen sich Optionen auch für Spekulationen. cash erläutert die verschiedenen Strategien.
16.09.2014 14:00
Von Frédéric Papp
Wer mit Derivaten handelt, muss dem Markt täglich den Puls fühlen.
Wer mit Derivaten handelt, muss dem Markt täglich den Puls fühlen.
Bild: ©hfox/Fotolia.com

Wertpapiere mit Hebel haben etwas Faszinierendes, weil sich der Gewinn auf das eingesetzte Kapital schnell vervielfachen, aber auch wie Schnee an der Sonne rasch wegschmelzen kann. Mit einem Hebel können Anleger mit relativ wenig Geld grös­sere Summen bewegen. Zu den bekanntesten Hebelpapieren zählen die Optionen. Diese Produkte beziehen sich auf die unterschiedlichen Anlagekategorien wie Indices, Aktien, Devisen, Zinsen oder Rohstoffe. Hier die beliebtesten Einsatzgebiete für Derivate:

Für steigende Aktienkurse: Long Call

Wer steigende Aktienkurse erwartet, setzt auf die Strategie «Kauf von Kaufoptionen» - im Fachjargon Long Call genannt. Der Käufer eines Calls erwirbt durch die Zahlung einer Optionsprämie das Recht, einen bestimmten Basiswert zu einem vereinbarten Preis innerhalb einer bestimmten Zeitspanne vom Verkäufer dieser Option zu beziehen. Das maximale Verlustrisiko ist auf die Höhe der Optionsprämie beschränkt.

Für fallende Aktienkurse: Long Put

Wer hingegen ein Depot absichern will oder auf fallende Kurse setzt, kann einen Put kaufen. Denn der Käufer eines Puts hat das Recht, der Gegenpartei den jeweiligen Basiswert zum zuvor fixierten Preis zu verkaufen. Auch hier ist der maximale Verlust auf die bezahlte Optionsprämie limitiert.

Für Verkäufer: Short Call

Ein Short Call, also der Verkauf von Kaufoptionen, bietet sich an, wenn der Verkäufer mit fallenden oder stagnierenden Kursen an den Finanzmärkten rechnet. Denn der Verkäufer einer Kaufoption erhält vom Käufer eine Prämie dafür, dass er die Verpflichtung eingeht, am Verfallstag oder während der Laufzeit den Basiswert an den Käufer zu liefern.

Beim Short Call ist der Gewinn auf die Optionsprämie begrenzt. Allerdings trägt man als Verkäufer einer Kaufoption ein sehr hohes Verlustrisiko, wenn der Verkäufer «uncovered» ist, das heisst, er hat den Basistitel gar nicht in seinem Depot. Wird der Verkäufer ausgeübt, muss dieser den Basiswert auf dem Markt zum dort angebotenen Preis kaufen und ihn dem Berechtigten liefern. Gerade bei Aktien kann dies teuer werden. Viele Spekulanten haben sich mit solchen Geschäften schon die Finger verbrannt. Daher gilt: Wenn Short Call, dann nur wenn die Titel auch im Depot sind.

Für stagnierende oder steigende Kurse: Short Put

Beim Short Put spekuliert der Verkäufer einer Put-Option im Gegensatz zu einem Short Call auf steigende oder stagnierende Kurse. Läuft der Kurs des Basiswerts gegen den Put-Verkäufer, muss er den Basiswert zum vereinbarten Preis abkaufen. Der maximale Verlust ist abhängig vom vereinbarten Preis, von der vereinnahmten Optionsprämie und der Wertentwicklung des Basiswerts. Die Höhe möglicher Gewinne ist auf die vereinnahmte Prämie limitiert.

Bei Seitwärtsbörsen: Short Strangle

Erwartet der Investor eine Seitwärtsbewegung des Basiswerts innerhalb eines bestimmten Zeitraums, kann ein Short Call mit einem Short Put kombiniert werden. In der Fachsprache heisst diese Strategie «Short Strangle». Ein Beispiel dazu: Der SMI steht bei 8300 Punkte. Erwartet wird, dass der Leitindex nicht unter 8000 fällt, aber auch nicht über 8700 steigt. Notiert der SMI beim Verfall der Optionen innerhalb dieses Kursbands, dann kassiert der Verkäufer sowohl die Prämie für den Short Call als auch jene für den Short Put. Ist die Preisfixierung aber deutlich ausserhalb dieses Kursbands, drohen auch mit Short Strangles grössere Verluste.

Allgemein gilt für den Handel mit Optionen: Bevor diese eingesetzt werden, müssen sich Anleger unbedingt mit der Funktion, den Usanzen sowie den Chancen und Risiken dieser Instrumente vertieft befassen; damit nicht nur die richtige Option, sondern auch die richtige Dosis gewählt wird. Denn schon der Schweizer Arzt Paracelsus sagte: «... allein die Dosis machts, dass ein Ding kein Gift ist.»
 

Wichtige Begriffe für Anleger, die mit optionen hantieren
Hebel
Jede Option hat einen Hebel. Dieser gibt an, wie stark sich der Optionspreis ändert, wenn sich der Basiswert um 1 Prozent verändert. Je höher der Hebel, desto grösser der potenzielle Gewinn und Verlust.
Basispreis
Auch Ausübungspreis oder Strike genannt. Das ist der Preis, zu dem man den Basiswert am Verfallstag - oder bei einer amerikanischen Option während der gesamten Laufzeit - 
erwerben oder veräussern kann.
Laufzeit
Je länger die Laufzeit einer Option, desto höher der Zeitwert und somit der Optionspreis. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Call oder der Put einen positiven Wert entwickelt, ist in einem längeren Zeitraum grösser als in einem kürzeren Zeitabschnitt.
Volatilität
Neben dem Basispreis hat auch die Volatilität einen grossen Einfluss auf den Preis einer Option. Die Volatilität ist ein Mass für die Schwankungsintensität eines Basiswerts. Je höher die Volatilität ist, desto höher wird gleichzeitig der Optionspreis. Denn je stärker eine Aktie schwankt, desto höher wird die Wahrscheinlichkeit, dass der Optionsschein am Ende der Laufzeit einen positiven Wert erreicht, falls man die richtige Option gekauft hat.

 

Diesen Ratgeberartikel finden Sie auch im Jubiläums-Magazin «cash VALUE Trading» 2014. Das Magazin können Sie gratis bestellen, als PDF herunterladen oder als ePaper lesen.