Dividende ist nicht gleich Dividende

Aristokraten, Könige, Perlen: Bei Dividendenaktien können die Begriffe nicht edel genug tönen. Doch das kann trügerisch sein.
08.09.2015 13:30
Von Ivo Ruch
An den Börsen gibt es echte und selbst gekrönte Dividendenkönige.
An den Börsen gibt es echte und selbst gekrönte Dividendenkönige.
Bild: Pixabay

Die historisch tiefen Zinsen bedeuten Anlagenotstand für Investoren. Bei ihrer Suche nach Rendite sind die Anleger in den letzten Jahren immer häufiger auf Aktien mit hohen Dividenden gestossen. Jahr für Jahr robuste Auszahlungen zu bekommen, ist verlockend. Doch Dividende ist nicht gleich Dividende. Denn das alleinige Lechzen nach möglichst viel Gewinnbeteiligung führt nicht selten in die falsche Richtung. Anleger müssen bei hohen Dividendenrenditen aufpassen.

Nebst der Höhe ist auch die Konstanz der Dividende entscheidend

Denn eine zu hohe Ausschüttung des Gewinns an die Aktionäre kann die Substanz  einer Firma aushöhlen. Hohe Dividenden können zudem auch ein Zeichen sein, dass Firmen ihre Probleme zuschütten und die Aktionäre zufriedenstellen wollen.

Für Anleger ist deshalb neben der Höhe der Ausschüttung vor allem ihre Konstanz entscheidend. Nur Unternehmen, die auf einem gesunden Fundament stehen und einen regelmässigen Cashflow generieren, können die Dividende über einen langen Zeitraum garantieren. Hinzu kommt, dass die Beliebtheit von dividendenstarken Titeln vielerorts zu hohen Bewertungen der Aktien geführt hat. Am Schweizer Aktienmarkt ist dies beispielsweise bei Kaba, ­Valora oder Burkhalter der Fall.

Auch Starinvestor Warren Buffett steht auf die Coca-Cola-Aktie

Neben Dividenden muss eine Aktie somit auch Potenzial in ihrem zukünftigen Kursverlauf aufweisen. Erst dann wird sie zur "Perle". Um solche Titel zu identifizieren, lohnt sich ein Blick auf den Ausschüttungsverlauf vergangener Jahre. Börsianer nennen Aktien "Aristokraten", wenn sie in den mindestens letzten 25 Jahren ihre Ausschüttung regelmässig erhöhten. "Könige" schafften das sogar während 50 Jahren.

Solche Musterschüler sind häufig in Branchen wie Nahrungsmittel oder Konsumgüter zu finden, wie zum Beispiel Coca-Cola. Der Getränke-Gigant hat in diesem Jahr die Dividende zum 53. Mal gesteigert. Seit 1920 erhalten die Aktionäre nun schon eine Dividende, zuletzt wurde sie um 9 Prozent erhöht. Kein Zufall also, dass Staranleger Warren Buffett ebenfalls Coke-Aktien in seinem Portfolio hat.  Ähnlich beeindruckende Zahlen kann der US-Konsumgüterkonzern Procter & Gamble liefern. Die Dividendenrendite – also das Verhältnis von Dividende pro Aktie zum Aktienkurs – liegt sogar noch höher. Weitere internationale Dividendenperlen sind Danone, Novo Nordisk oder McDonald’s.

Regelmässig höhere Dividenden sind positiv für den Aktienkurs

Die kanadische Bank of Montreal gibt ihren Eigentümern sogar seit 1829 Gewinnanteile ab. Und der Werkzeughersteller Stanley Black & Decker beweist seit 1877 Ausschüttungsdisziplin. Daten aus den USA zeigen überdies, dass Firmen, die ihre Dividenden regelmässig erhöhen, eine bessere Kursperformance hinlegen als der Gesamtmarkt. Gleichzeitig kann eine Dividendenkürzung ein deutliches Warnsignal sein, sich von einem Investment zu trennen. Eine Studie zum amerikanischen Aktienmarkt über einen Zeitraum von 40 Jahren ergab eine deutlich schlechtere Performance von Aktien, die ihre Dividenden kürzen oder sogar streichen mussten. Auch am Schweizer Aktienmarkt gibt es Dividendentitel mit internationalem Top-Format.

Als Vorbild schlechthin galt lange Zeit Swisscom. Zwischen dem Börsengang 1998 und 2011 ist die Dividende kontinuierlich gewachsen und hat sich von 11 auf 22 Franken verdoppelt. Doch seither stagniert die Dividende. Mit einer Dividendenrendite von 4,1 Prozent ist Swisscom aber immer noch ein beachtenswerter Dividendentitel. Ebenfalls interessant sind die Schwergewichte Nestlé, Novartis und Roche. Nicht in erster Linie wegen der Höhe ihrer Ausschüttungen, sondern weil die Aktien defensiven Charakter haben und die Unternehmen einen soliden Cashflow erwirtschaften. Wer vor zehn Jahren eine Nestlé-Aktie gekauft und die Dividende jedes Jahr reinvestiert hat, konnte sein Geld locker ver­doppeln.

Dividendenfonds oder Indexfonds bieten sich an

Wie schnell sich Dividendenträume indes in Luft auflösen können, zeigt das Beispiel von Transocean. Die Ölservicefirma war 2014 noch die grosszügigste Firma des Swiss Market Index (SMI). Nach massiven Wertberichtigungen und Abschreibungen sowie einem heftigen Kurssturz wurde die Dividende von 3 Dollar auf 0,6 Dollar heruntergekürzt.

Wem die Beschäftigung mit Einzeltiteln zu aufwendig oder kompliziert ist, sollte einen Dividendenfonds oder einen börsengehandelten Indexfonds (ETF) kaufen. Die Schweizer Börsenbetreiberin SIX erstellt seit einigen Monaten einen Dividendenperlen-Index, der die zwanzig besten Aktien des Schweizer Aktienmarktes abbildet. Voraussetzungen: stabile Dividendenzahlungen und solide Rentabilität.

Dieser Beitrag ist Teil des am 8. September 2015 publizierten cash-Anlegermagazins «VALUE». Dort erfahren Sie unter anderem, wie Sie an der Börse richtig investieren, was eine Analystin den lieben langen Tag macht oder was Sie über die Vorsorge unbedingt wissen sollten.

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