«Pröblen» mit Strukis am Computer

Strukturierte Produkte sind oft schwer verständlich. Ein Tool der Universität Zürich will Klarheit schaffen und lässt Anleger ihr eigenes Produkt kreieren. Damit kann gleich auch die Marktperformance gemessen werden.
08.04.2015 01:02
Von Pascal Züger
Wer Strukturierte Produkte studieren und verstehen möchte, stösst oft an seine Grenzen.
Wer Strukturierte Produkte studieren und verstehen möchte, stösst oft an seine Grenzen.
Bild: ©yahyaikiz/Fotolia.com

Laufen, Radfahren, Schwimmen: Viele Dinge lernt man am besten, indem man sie einfach ausprobiert. Warum also nicht auch Strukturierte Produkte so verstehen lernen?

Dies dürfte sich ein Team um Finanzprofessor Thorsten Hens vom Schweizerischen Bankeninstitut der Universität Zürich gedacht haben, als es anlässlich des 175-jährigen Jubiläums der Universität Zürich 2008 - ironischerweise mitten im Ausbruch der Finanzkrise -  ein Learning Tool zum "Pröbeln" am Computer entwickelte.

In der Banken- und Finanzkrise und in den Jahren danach gerieten Strukturierte Produkte zunehmend negativ in die Schlagzeilen, da es damals zu hohen Verlusten bei Anlegern kam.  Juristische Streitereien dauern bis heute an. Der Ruf der Produkte litt darunter enorm. Zu komplex und undurchsichtig, lautete das Verdikt vieler Anleger. Nicht nur zahlreiche Private, auch viele Banken lassen deshalb ihre Finger ganz davon. 

Doch was taugt das Tool der Uni Zürich heute? Verschiedene Produktvarianten können im Tool durchgespielt und auf Kursveränderungen getestet werden. Strukturierte Produkte verhalten sich anders als "normale" Kursbewegungen etwa einer Aktie. Die Proportionalität zwischen Rendite und Wert der Aktie beziehungsweise eines anderen Basiswertes ist nicht mehr gegeben.

Es gibt Produkte für jeden Anlegertypen, egal ob risikofreudig oder risikoavers. Zocker können beispielsweise mit Hebelprodukten überproportional an Kursgewinnen partizipieren, während auf Sicherheit bedachte Seelen eher in Kapitalschutzprodukte investieren, die den Verlust begrenzen. Produkte können auch so gestaltet werden, dass Anleger von seitwärts bewegenden oder sinkenden Märkten profitieren.

Ihr eigenes Strukturiertes Produkt

Dann folgt das eigentliche Herzstück des Tools: Das Entwickeln eines eigenen Strukturierten Produkts mittels Mausklick beziehungsweise Touchscreen per Hand. Als Basiswert des Produkts dient der Swiss Market Index (SMI). Der Benutzer kann nun selbst wählen, welche Auswirkungen Kursveränderungen des SMI auf das eigene Produkt haben sollen. Wann will ich profitieren? Bei starken Kursanstiegen, oder bei geringen? Oder gar bei Kursverlusten? Vieles ist möglich, auch äusserst komplexe, ja gar wirre Konstellationen.

Auch wenn das Tool keine tiefgehende Kenntnisse der Materie übermittelt, eignet es sich ganz gut als spielerischen Einstieg, ohne die dahinterliegende Mathematik verstehen zu müssen. Dabei wird die grosse Flexibilität Strukturierter Produkte deutlich: Für alle möglichen Risikotypen und Zukunftsentwicklungen gibt es ein passendes Produkt. Das Tool zeigt aber auch, dass ein Strukturiertes Produkt schnell einmal undurchsichtig werden kann. Und: Da die Zukunft immer wieder Überraschungen birgt, kann sich ein in der Vergangenheit erfolgreiches Produkt künftig auch plötzlich als Flop erweisen.

Finanzkrise liess Hype abflachen

Trotz der Kritik konnten sich Strukturierte Produkte halten. Die Schweiz gilt als international führende Kraft in dieser Produktekategorie. Fast vier Prozent der insgesamt in der Schweiz verwalteten Vermögenswerte sind in strukturierte Produkte investiert. Dieser Anteil ist über die letzten Jahre konstant geblieben.

Seit 2006 gibt es den Schweizerischen Verband für Strukturierte Produkte (SVSP), der das Ansehen strukturierter Produkte und deren Bekanntheit fördern will. Für ein tieferes Verständnis Strukturierter Produkte empfiehlt sich neben dem Tool der Universität Zürich auch ein Blick auf diese Seite.

Hier geht’s zum Learning-Tool vom Schweizerischen Bankeninstitut der Universität Zürich.