Herr Baschera, warum führen Sie Gofast,Swisscharge, Move und Energie 360° Mobilität gerade jetzt unter Joya zusammen?

Die Elektromobilität ist stark aus Start-ups und einer Early-Adopter-Phase entstanden. Jetzt kommt der Markt in eine neue Phase. Die breite Masse erwartet nicht primär spannende Pilotprojekte, sondern ein zuverlässiges und einfaches Kundenerlebnis. Entsprechend müssen sich auch die Anbieter entwickeln.

Was war bisher das Problem der verschiedenen Angebote unter einem Dach?

Wir konnten theoretisch schon sehr viel anbieten, aber die Systeme waren nicht wirklich miteinander verbunden. Move arbeitete auf einer anderen technologischen Basis als Gofast oder Energie 360°. Jetzt bringen wir alles auf eine gemeinsame Basis. Die Kundenschnittstelle bauen wir neu und entwickeln sie zunehmend selbst.

Warum ist das strategisch so wichtig?

Bisher kamen häufig White-Label-Lösungen zum Einsatz. Die neue App und unsere Portale entwickeln wir selbst. So können wir schneller auf Kundenwünsche reagieren und spezifische Lösungen für den Schweizer Markt bauen. Das gibt uns mehr Kontrolle über die Customer Experience und die Produktentwicklung.

Warum heisst die neue Marke Joya – ein für die Branche auffallend wenig technischer Name?

Genau deshalb. Wir hatten ungefähr 80 Namen. Joya lässt sich in allen Schweizer Sprachregionen einfach aussprechen und klingt nicht nach Technik. Wir wollten bewusst kein «Superwatt». Elektromobilität muss sich von der reinen Technologiediskussion lösen und stärker beim Alltag der Kunden ankommen.

Sie vergleichen die Entwicklung mit dem Mobilfunk. Weshalb?

Vor 20 Jahren konnte man mit einem Schweizer Handy in New York landen und feststellen, dass es nicht funktionierte. Heute schaltet man das Smartphone ein und denkt nicht mehr darüber nach. Standards haben die Komplexität vom Kunden weggenommen. Genau diese Reife muss die Elektromobilität ebenfalls erreichen.

Was bedeutet das konkret für einen Flottenmanager?

Dort wird es schnell komplex. Fahrzeuge laden unterwegs, am Firmenstandort und bei Mitarbeitenden zu Hause. Am Unternehmensstandort laden vielleicht zusätzlich Privatfahrzeuge oder Gäste. Dann braucht es Tarife, Kostenstellen und Abrechnungen. Dazu kommen Kilometerdaten und zunehmend ESG-Informationen. Ein Flottenmanager möchte das nicht über fünf Systeme lösen.

Und genau da soll Joya einen Vorteil haben?

Ja. Wir sehen uns als Full-Service-Anbieter. Ein Schnellladeanbieter kann öffentliches Laden sehr gut, hat aber vielleicht keine Lösung fürs Laden zu Hause. Ein Technologieanbieter hat Software, aber kein eigenes grosses Ladenetz. Wir können öffentliches Laden, Firmenstandorte, Home Charging und die Technologie dahinter verbinden.

Gerade das Laden zu Hause ist bei Firmenwagen administrativ heikel. Wie lösen Sie das?

Der Mitarbeitende lädt den Geschäftswagen über seinen privaten Stromanschluss. Diese Kosten müssen korrekt dem Unternehmen belastet werden, ohne dass jemand manuell Fahrtenbücher oder Spesenlisten führt. Genau solche Prozesse wollen wir automatisieren und mit den übrigen Flottendaten verbinden.

Welche Rolle spielen die dabei entstehenden Daten?

Wir wollen unsere Kunden nicht zum Produkt machen. Die Daten sollen helfen, Prozesse zu vereinfachen. Wenn wir sehen, dass ein Unternehmen seine Ladeprozesse unnötig kompliziert organisiert, können wir eine bessere Lösung anbieten.

Bleibt die Ladeinfrastruktur der wichtigste Wettbewerbsvorteil?

Sie bleibt wichtig. Aber irgendwann haben wir genügend Ladestationen. Dann entscheidet sich der Wettbewerb stärker danach, wer Tausende Stationen zuverlässig betreiben kann und mit Software das beste Kundenerlebnis schafft. Ich sage unseren Mitarbeitenden: Wir entwickeln uns von einer Infrastruktur- und Ingenieurfirma hin zu einem Marketing- und Technologieunternehmen.

Apple und Tesla nennen Sie als Vorbilder.

Weil sie zeigen, wie Technologie funktionieren sollte: Der Kunde muss ihre Komplexität nicht spüren. Ein neues Smartphone einzurichten, ist heute fast selbstverständlich. Dieses Niveau an Einfachheit ist auch für unsere Branche ein gutes Ziel.

Neues Branding, neue Plattform: Werden die Preise steigen?

Nicht wegen des Rebrandings. Preise hängen von Strompreisen, Investitionen und Wettbewerb ab. Mit neuen Abomodellen wollen wir häufigen Nutzern sogar mehr Preissicherheit geben.

Wie national ist Joya tatsächlich? Die Eigentümerstruktur hat starke Zürcher Wurzeln.

Wir sind klar schweizweit aufgestellt. Wir haben Mitarbeitende in Zürich, Freiburg, Gossau, Lausanne und Lugano. Unser Kundenservice sitzt in der Schweiz und arbeitet auf Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch. Ins Ausland expandieren wollen wir nicht; Schweizer Kunden sollen dort aber über Roaming laden können.

Die E-Mobilitätsbranche investiert viel Geld, viele Anbieter sind aber noch nicht profitabel. Joya auch nicht. Bis wann muss sich das ändern?

Bis 2030 wollen wir profitabel sein. Unsere Vision hat drei Teile: Wir wollen als führendes E-Mobilitätsunternehmen der Schweiz anerkannt werden, beim Kundenerlebnis neue Standards setzen und wirtschaftlich profitabel arbeiten. Langfristig muss die Branche beweisen, dass ihr Geschäftsmodell funktioniert.
 

Die neue Joya-Plattform

Die neue Joya-App bildet die Basis der gemeinsamen digitalen Plattform. Privatkunden sollen damit Ladepunkte, Preise und Bezahlung einfacher steuern können; für Flotten folgen schrittweise Portale, Abrechnung und Reporting. Die Migration auf die neue technologische Basis soll bis etwa April 2027 abgeschlossen sein.

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