Der Bitcoin, die älteste Kryptowährung der Welt, zeigte sich am Dienstag weitgehend unverändert nach dem Einbruch am vergangenen Freitag und notierte im späten New Yorker Handel bei rund 77'300 Dollar. Damit liegt der Kurs etwa 5 Prozent unter dem Höchststand vom Donnerstag - jenem Tag, an dem Binance einen Hackerangriff öffentlich machte, bei dem letztlich Vermögenswerte im Wert von 6,3 Milliarden US-Dollar entwendet wurden.

Die Widerstandsfähigkeit des Tokens wird grösstenteils auf die schnelle Reaktion von Binance zurückgeführt; die Börse versprach von Anfang an, für alle Verluste aufzukommen. «Dass sich Bitcoin über das Wochenende so gut gehalten hat, ist im Grunde ein Vertrauensbeweis in die Aussagen von Binance», sagt Caroline Mauron, Mitgründerin von Orbit Markets. «Der Markt ist offensichtlich davon überzeugt, dass Binance über ausreichende Mittel verfügt, um die Verluste zu decken.»

Da Bitcoin bereits in der vergangenen Woche durch einen Ausverkauf bei risikoreichen Anlagen unter Druck stand, unterstreicht die relative Stabilität, wie anders die Marktteilnehmer diesen Vorfall bewerten als bei der letzten grossen Krise einer der führenden Kryptobörsen. Beim Zusammenbruch der damaligen Nummer zwei, der Börse FTX, im Jahr 2022 fiel Bitcoin innerhalb von drei Tagen um 19 Prozent, während das von dem ehemaligen Milliardär Sam Bankman-Fried geführte Unternehmen von einer Liquiditätskrise in die Insolvenz schlitterte.

Sean McNulty, Derivatehändler beim Market Maker AQC Tech, erklärt, ein Grund für die diesmal höhere Widerstandsfähigkeit von Bitcoin sei, dass Binance den Token aktiv aufkaufe, um die Nutzer zu entschädigen. Dennoch bleibe die Stimmung insgesamt angespannt, so McNulty.

«Viele sehen darin nur die Spitze des Eisbergs und erwarten angesichts der Möglichkeiten durch KI weitere Hackerangriffe», sagt McNulty mit Blick auf den Einsatz künstlicher Intelligenz bei Cyberattacken in diesem Jahr. «Wenn selbst Binance, die weltweit grösste Börse, gehackt werden kann - dann ist niemand mehr sicher.»

Ein Zeichen für die unterschwellige Nervosität ist die wachsende Nachfrage nach Absicherungsmöglichkeiten gegen einen Kursrückgang bei Bitcoin im kurzfristigen Bereich. Der «25‑Delta-Put-Skew» - ein Mass dafür, wie viel mehr Händler für die Absicherung gegen einen deutlichen Kursrückgang zahlen im Vergleich zu Wetten auf einen entsprechenden Kursanstieg - stieg innerhalb von 24 Stunden um etwa einen Prozentpunkt auf 6,37 Punkte. Dies geht aus Daten hervor, die auf Optionen der Krypto-Derivate-Plattform Deribit basieren.

Kelly Ye, Leiterin der Forschungsabteilung beim Handelsunternehmen Talos, erklärte, dass Händler auf diesen Hack anders reagieren als auf den Zusammenbruch von FTX, bei dem es um Betrug ging. «Der Markt hat dies als operativen Schock betrachtet, nicht als systemischen», so Ye. Sie merkte an, dass die Tiefe des Orderbuchs bei Binance zwar um 25 bis 30 Prozent zurückging, die Käufer jedoch innerhalb weniger Stunden zurückkehrten. «Das ist ein völlig anderes Bild als 2022, als das Vertrauen aus dem gesamten Markt schwand.»

Ein stärkerer kurzfristiger Einfluss auf die Kryptomärkte könnte von den US-Zwischenwahlen am Dienstag ausgehen. Ein Wechsel der Mehrheitsverhältnisse im Kongress «könnte erhebliche Auswirkungen darauf haben, wie die Gesetzgebung zur Struktur der Kryptomärkte voranschreitet», sagte Jeff Ko, Chefanalyst bei ViaBTC.

Vor der vergangenen Woche war der grösste Krypto-Hack der Vorfall bei der Börse Bybit, bei dem rund 1,5 Milliarden US-Dollar verloren gingen. Das FBI brachte sowohl den Angriff auf Binance als auch den auf Bybit mit der nordkoreanischen Hackergruppe «TraderTraitor» in Verbindung.

Die Behauptung der USA, Nordkorea sei für den Angriff auf Binance verantwortlich, sei «eine schwerwiegende politische Provokation», erklärte Kim Yo-jong, die Schwester des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong-un, in einer am Montag von staatlichen Medien verbreiteten Stellungnahme.

Ähnlich wie bei Binance hatte der Hack bei Bybit zunächst nur begrenzte Auswirkungen auf Bitcoin. In den darauffolgenden Tagen nahmen die Verluste jedoch zu, sodass der Kurs der Kryptowährung eine Woche nach dem Angriff vom 21. Februar um etwa 14 Prozent niedriger lag.

Im Hinblick auf den jüngsten Hack merkte Ye an, dass jene Händler, die am besten in der Lage waren, die Marktstörung unmittelbar zu erkennen, ihr Risiko auf mehrere Börsen verteilt hatten. «Für Institutionen ist die Lektion einfach: Kein einzelner Handelsplatz ist ein sicherer Ort, um Risiken zu halten oder Preise abzulesen», sagte sie.

(Bloomberg/cash)

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