Bitcoin-Händler bereiten sich auf möglicherweise stärkere Kursschwankungen vor, da in dieser Woche Optionen im Wert von 11 Milliarden US-Dollar auslaufen – nur wenige Tage vor den US-Zwischenwahlen, die für zusätzliche Unsicherheit an den Kryptomärkten sorgen könnten.

Die am 30. Oktober auslaufenden Kontrakte machen etwa ein Drittel aller ausstehenden Bitcoin-Optionen auf der Handelsplattform Deribit aus. Optionen räumen den Inhabern das Recht ein, Bitcoin zu einem festgelegten Preis zu kaufen oder zu verkaufen. Die grösste Kryptowährung steht unter Druck, nachdem sie am Montag unter die Marke von 80'000 US-Dollar gefallen ist – ein Niveau, in dessen Bereich sie sich auch im Laufe dieser Woche bewegt hat. Am Donnerstagvormittag notierte der Kurs mit einem Minus von 2 Prozent bei rund 79'600 US-Dollar.

Viele der auslaufenden Kontrakte basieren auf Preisannahmen, die kurzfristig kaum erreichbar erscheinen. Es gibt deutlich mehr Kaufoptionen (Calls) für Bitcoin als Verkaufsoptionen (Puts), wobei sich ein Grossteil auf die Kursmarken von 90'000, 95'000 und 100'000 US-Dollar konzentriert. Diese Kontrakte mit den höheren Zielpreisen werden nun voraussichtlich wertlos verfallen. Eine grössere Unsicherheit besteht für Inhaber von Kontrakten, deren Basispreise näher am aktuellen Bitcoin-Kurs liegen. Da sich der Kurs der Kryptowährung verändert, müssen die Händler Bitcoin kaufen oder verkaufen, um ihre Risikopositionen auszugleichen.

Laut Adam Haeems, Leiter des Asset Managements bei der Tesseract Group, konzentrieren sich etwa 70 Prozent des Gamma-Werts der auslaufenden Optionen – ein Mass dafür, wie empfindlich der Absicherungsbedarf der Händler auf Kursbewegungen von Bitcoin reagiert – auf den Bereich zwischen 75'000 und 82'000 US-Dollar. Unterhalb des Ausübungspreises (Strike Price) von 80'000 US-Dollar überwiegen Optionen zum Verkauf von Bitcoin gegenüber Optionen zum Kauf um mehr als das Doppelte.

Aus öffentlich zugänglichen Daten geht laut Haeems nicht hervor, auf welcher Seite dieser Geschäfte die Händler positioniert sind. Sollten die Händler «short» (auf fallende Kurse gesetzt) ​​sein, könnte ihre Absicherung einen Kursrückgang durch die Spanne von 75'000 bis 78'000 US-Dollar beschleunigen; umgekehrt könnten Händler mit «Long»-Positionen (auf steigende Kurse gesetzt) ​​dazu beitragen, den Rückgang abzufedern.

Nach Freitag könnte die Volatilität zunehmen. Anleger, die Optionen auf ihre bestehenden Bitcoin-Bestände verkaufen, schliessen üblicherweise neue Kontrakte ab, sobald die alten auslaufen. Laut Caroline Mauron, Mitgründerin von Orbit Markets, könnten die Verkäufer diesmal jedoch bis nach den US-Zwischenwahlen am 3. November abwarten, was zu stärkeren Kursbewegungen führen dürfte.

«Dies könnte im Zuge der Wahlergebnisse zu einer höheren Volatilität führen, da das übliche Gamma-Angebot versiegt», sagte Mauron. Das würde bedeuten, dass weniger Optionsverkäufer am Markt aktiv sind, die Preisbewegungen abfedern könnten. Die Kontrolle über den Kongress könnte massgeblich beeinflussen, inwieweit Präsident Donald Trump seine krypto-freundliche Agenda vorantreiben kann – was für Bitcoin einen weiteren Impuls in die eine oder andere Richtung bedeuten könnte. Trump hat bereits Teile seiner Agenda umgesetzt, etwa durch ein Gesetz für Stablecoins sowie durch eine Lockerung der Vorschriften, die die Einführung tokenisierter Aktien und anderer Krypto-Produkte im Land ermöglicht. Ein umfassenderes Gesetzesvorhaben, der sogenannte «Clarity Act», kam jedoch im September im Senat nicht voran – obwohl die Republikaner dort über eine knappe Mehrheit verfügten.

Sollten die Demokraten sowohl das Repräsentantenhaus als auch den Senat unter ihre Kontrolle bringen, könnte dies in den verbleibenden zwei Jahren von Trumps zweiter Amtszeit erneut Sorgen hinsichtlich einer strengeren Branchenaufsicht aufkommen lassen. Laut einer Umfrage im Rahmen des «Market Pulse» von Bloomberg News liegt die mittlere Prognose für den Bitcoin-Kurs zum Jahresende bei 90'800 US-Dollar, falls die Republikaner die Kontrolle über beide Kammern behalten; sollten hingegen die Demokraten die Mehrheit erlangen, liegt dieser Wert bei 76'450 US-Dollar.

Für den Fall eines gespaltenen Kongresses beläuft sich die Prognose auf 84'100 US-Dollar. Paul Howard, Senior Director bei Wincent, erklärte, die Wahlen könnten Investoren dazu veranlassen, verstärkt Verkaufsoptionen (Puts) rund um das aktuelle Bitcoin-Kursniveau zu erwerben, um sich so gegen weitere Verluste abzusichern. «Da die Volatilität im vergangenen Jahr auf einem historisch niedrigen Niveau verharrte, erwarte ich für November einen deutlichen Anstieg», so Howard. Er fügte hinzu, dass er mit einer stärkeren Positionierung rechnet, die von Kursschwankungen profitiert.

(Bloomberg/cash)

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