Die Anhebung vom Donnerstag zu Beginn des Straffungskurses werde wohl nicht der einzige starke Schritt bleiben, sagte Lettlands Notenbank-Chef Martins Kazaks der Nachrichtenagentur Bloomberg in einem am Montag veröffentlichten Interview. "Ich würde sagen, dass auch die Zinserhöhung im September recht deutlich ausfallen muss", sagte er. Laut seinem EZB-Ratskollegen, Österreichs Notenbank-Chef Robert Holzmann, wird im September über weitere Zinsschritte entschieden. "Wenn es nur um die Inflation ginge, würden wir wahrscheinlich noch stärker gehen", sagte er am Sonntagabend im ORF. Mal sehen, was im Herbst die Konjunktur bringe. "Dann können wir wahrscheinlich entscheiden, ob wir weitere 0,5 machen oder weniger oder mal mehr."

Die EZB hatte sich am Donnerstag bei ihrer ersten Zinserhöhung seit elf Jahren mit einem unerwartet kräftigen Schritt gegen die ausufernde Inflation gestemmt. Sie setzte den Leitzins gleich um einen halben Prozentpunkt auf 0,50 Prozent herauf. Die Zinsanhebung fiel damit doppelt so stark aus wie die Währungshüter zuvor in Aussicht gestellt hatten. Ursprünglich hatten die Euro-Wächter um EZB-Präsidentin Christine Lagarde einen kleineren Zinsschritt um 0,25 Prozentpunkte angepeilt.

Aus Sicht von Kazaks sollte die EZB offen sein hinsichtlich eines noch stärkeren Schritts von 0,75 Prozentpunkten. "Angesichts der Ungewissheit, angesichts der Inflationsdynamik, angesichts der Risiken eines längeren Anhaltens, würde ich sagen, dass wir natürlich offen bleiben sollten für Diskussionen", sagte das EZB-Ratsmitglied. Die nächste reguläre EZB-Zinssitzung ist für den 8. September in Frankfurt geplant. Die Teuerungsrate im Euro-Raum war im Juni auf das Rekordniveau von 8,6 Prozent hochgeschossen. Damit liegt sie mehr als viermal so hoch wie von der EZB angestrebt. Die Notenbank erachtet zwei Prozent als den optimalen Wert für die Wirtschaft.

Warnung vor überschiessenden Inflationserwartungen

Bei schon sehr hohen Inflationsraten sei es wichtig, dass sich diese nicht im Bewusstsein der Menschen festsetzten und Inflationserwartungen entankert werden, sagte Holzmann. "Falls die Hinweise darauf sich verstärken sollten, müsste man gegebenenfalls eine leichte Rezession miteinbeziehen, hinnehmen, um damit die Inflation nach unten zu bringen", sagte er. "Wir hoffen, dass das nicht notwendig sein wird," fügte er hinzu. Derzeit seien die langfristigen Inflationserwartungen nur leicht über zwei Prozent gestiegen. Es gebe aber einige Hinweise, dass diese kräftiger hochgehen könnten.

Aus Sicht von Italiens Notenbankchef Ignazio Visco ist es allerdings noch zu früh, um die Höhe des nächsten EZB-Zinsschritts festzulegen. "Es gibt keinen Weg, um jetzt zu sagen, ob 50 oder 25 oder was auch immer angemessen sein wird", sagte Visco zu Bloomberg TV. Die EZB werde Schritt für Schritt vorgehen. "Wir werden sehen, abhängig von den Daten, wie wir weiter vorgehen, aber das bedeutet nicht, dass wir nicht auf eine graduelle Weise voranschreiten", sagte er. Graduell vorzugehen, bedeute schrittweise vorzugehen und nicht sehr langsam zu sein, sagte der Chef der Banca d'Italia.

(Reuters)